Full text: Hessenland (49.1938)

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vom Spangenberger Bürgerrecht: „Ich gewilde nnd gelobe - " 
Von Fritz Jütte 
In dem wiederaufgefundenen alten Spangenberger 
Stadlbuche nehmen die regelmäßigen Protokolle über 
den Bürgereid einen sehr breiten Raum ein. Handelt 
es sich doch um etwa 512 mehr oder weniger umfang 
reiche Niederschriften. Unter den Eintragungen, die bis 
Zum Jahre 1442 Zurückreichen, interessiert Zu unserem 
Thema vor allem die ausführliche Niederschrift vom 
Michaelistage 1559. In ihr wird ausdrücklich festgelegt, 
daß „hinforter keiner zu der Stadt Spangenbergk Bür 
ger werden soll, er bringe dann einen schriftlichen Schein, 
wie er sich an den orthen / da er gewesen / gehalten". 
Man scheint also bisher schlechte Erfahrungen mit der 
bedingungslosen Aufnahme der Zugewanderten gemacht 
Zu haben und will künftig diejenigen, „so sich zu Bür 
gern angeben", also in die Bürgerschaft angenommen 
werden wollen, genau unter die Lupe nehmen und be 
hält sich die Entscheidung über die Aufnahme oder Ab 
lehnung des Gesuchstellers vor. So heißt es im Proto 
koll vom 24.2.1641: „Hans Knierim, Heinrich Wilhelm 
und Hermann Külmar wollen ihren geburts brief ehest 
herpringen") Zacharias Schuchardt will ihn „schleunig 
einliefern". „Hans Weimar diesem ist Wehl ferner des 
Wegs ein Jahr Frist gestattet." Johannes Nereroth 
„So palt er gein Mülhausen kommen kann, will er den 
brieff schassen". Christ Herbener „will ihn demnechsten 
holen". Im Fahre 1670 haben „Daniel Seifort von 
Witzenhausen, Jost Francke aus Wehershausen im Land zu 
Braunschweig und Jörge Sommermann vom Lippers- 
berge ambts Zapfenburg (= Sababurg) zwar ihren ehd 
abgelegt, aber die Bürgerschaft nicht gelöset." Es war 
ihnen nämlich auferlegt, ihren Geburtsbrief innerhalb 
einer Frist — bei Seifort waren es vier Wochen — vor 
zulegen, und an der Beibringung ihrer Ausweispapiere 
scheiterte ihre Aufnahme in die Bürgerschaft. Nur „Jo 
hannes Diderich von Strasburg aus Vlocksheim da- 
sebst" konnte die Bedingung „soll gleichfahls den ge- 
buhrtsbrief auflegen" erfüllen und Bürger werden, denn 
ein Nachtrag hinter der Bedingung lautet: „ist hoc die 
geschehen". In den meisten Fällen, in denen es hinter 
des Bewerbers Namen „ist kein Bürger worden" heißt, 
handelt es sich um Wandergesellen aus weiter Ferne 
(Zürich, Straßburg, Eisenach, Erfurt, aus der Mark, aus 
dem Lobensteinschen usw.), die bei einem Spangenberger 
Meister für einige Zeit Arbeit gefunden hatten, dann 
aber weiter wanderten. 
Die Erwerbung des Bürgerrechts war nun an die 
Bezahlung einer festen Gebühr gebunden, und Zwar 
mußten seit 1559 „fünf Daler jeden Zu 31 albus gerech 
net" in die Gtadtkasse gezahlt werden von jedem, ob 
Mann oder Frau, „wenn sie fremlinge und ußerhalb 
der Stadt geporen sind". Heiratet dagegen ein Aus 
wärtiger eine Spangenberger Bürgerstochter und läßt 
sich in der Stadt nieder, so braucht er nur die Hälfte 
der Gebühr zu Zahlen. Ebenso muß auch der Bürgersohn 
für seine auswärts geborene Frau „die halbe Bürger 
schaft lösen". So haben Conrad Saltzmann von Vocke 
rode und Conrad Zincke von Notenburg „am 31. De- 
cembris 1681 die halbe Bürgerschaft gelöst und die an 
dere Hälfte erfrehet") „Hans Jacob König von Vol 
mershausen muß (aber) Gantze bürgerschaft lösen". 
„Just Fröhlich von Elberstorff, Herrschaftlicher Meher 
auf dem adeligen Gute hat die Bürgerschaft für sich ge 
löst, obwohl er solche eigentlich nicht vonnöthen gehabt, 
als seine beiden Söhne Johannes und Hans Henrich, die 
ohne dem, wan sie sich hier verheurathen, die halbe Bür 
gerschaft erfrehen." Der kluge Vater hat also in diesem 
Falle ein kleines Geschäft gemacht: die eigne Bürger 
schaft hat er erworben und die Söhne gelten jetzt als 
Bürgerskinder. „Ein jeder Bürger oder Bürgerin Sohn 
und Tochter sollen aber nach gehaltenem Hochzeitstage 
die Bürgerschaft mit einem vertel wein und eime Schil 
ling wißbroth lösen und solches soll Zu verehrunge eines 
ganzen Raths gehalten werden." Ursprünglich wurden 
diese „Anerkenntnisgebühren" wohl auch in Natura dar 
gebracht, später aber durch Zahlung eines Geldbetrages 
abgegolten. So heißt es noch im Protokoll von 1586: 
„— Volgende Personen Vorbescheiden, haben Ihr Eeydt 
und Pflicht gethan, wie itz recht, und Bürger worden, 
Jeder Zu bekenntnis Ein maß Weins geben." Nach dem 
Protokoll vom I.X. 159 (Tertblatt Zerstört) ist aber dies 
„Ein Mas Wein dosmal bezahlt mit albus". Der 
Betrag von 5y 2 , albus wird noch bis 1631 für das Maß 
Wein bezahlt. Da am 30. XI. 1631 110 Bürger ihren 
Bürgereid geschworen haben, so konnten sich die betei 
ligten Natspersonen jedenfalls ein reichliches Festessen 
mit Weingelage leisten 1636, 1640 und 1641 ist das 
Maß Wein jedesmal mit einem „Kopstück" bezahlt wor 
den. 1670—73 wurde mit „eime ohrtsthaler" oder „eime 
reichsohrt" (—8 alb.) bezahlt) 1674 hat jeder „zehen 
alb. für ein mos wein: welches diesmahl so viel ge 
golten: gegeben." Zwischen 1651—1669 scheint es sich 
auch eingebürgert zu haben, daß die einkommende Ge 
bühr unter „Vorbesagte (Natspersonen) gleich, wie Her 
kommens, getheilet worden" (7.1.1669), das gemein 
same Trinken nach dem Vereidigungsakte ist also auch 
weggefallen. 
Ich lasse nun zur Klarlegung weiterer Umstände ein 
Protokoll aus dem Fahre 1669 im Wortlaute folgen: 
Actum Spangenberg, den 29ten Decembris 1669. 
Seindt in Gegenwart Hern Johann Wilhelm Hütterodt 
Amptschultheisen, Hern Christian Meurern vnd H. Johann 
Murhardt bürger Meistern, wie auch H. Sebastian Ruprecht 
Cammern vnd Johann Wilhelm Helwig Stadtschreibern, nach 
beschriebene persohnen in Pflicht genommen, haben das jura- 
entum fidelitatis wie gehörig abgelegt, vnd seindt bürger wor 
den, hiernach hat ein Jeder zu mehrer nachricht dessen, vnd 
damit Er eingeschrieben worden ein maß wein bezahlet, und 
sind diese Henrich Kautz, Ludewich Hesseler, Andreas Meurer, 
halbe Bürgerschaft, Jacob Hübenthal, ganztze Bürgerschaft. 
Paul Knieriem, Hans merten reinhardt, Conrad Gottige 
Junior. 
In dieser Niederschrift benutzt der Stadtschreiber zum 
ersten Male den Ausdruck „juramentum fidelitatis" 
(—Eid der Treue) für den Bürgereid und begründet die 
Bezahlung des Weines durch den Vereidigten: „zu meh
	        
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