Full text: Hessenland (49.1938)

Prüfen des brennenden Meilers 
aus Eichen und Birkenholz zwei bis drei Prozent we 
niger, wahrend der Ertrag aus Linden-, Tannen- und 
Fichtenholz noch geringer ist. 
Ningweise wird mit der Spitzhacke die Holzkohle „ge 
erntet", sodaß bei dem Knüppelholz ein Ring nach dem 
anderen nachrutschen kann. Die Kohle wird gleich in 
Sacke verstaut. So wird ein Feld nach dem anderen 
vorgenommen, und jedesmal das fertige Feld mit Kohl- 
gcstübe wieder zugedeckt, denn gar zu leicht gerät die 
glühende Kohle lichterloh in Flammen. Die zugebunde 
nen Säcke werden rings um die Kohlplatte möglichst 
unter den Windschutz gestellt, ihr Gewicht abwägend, 
abschätzend geprüft und die Säcke gezählt, um annähernd 
festzustellen, wie hoch der Verdienst sein kann! 
Sehr oft kommt es vor, daß etwas „Brenne" übrig 
bleibt, das sind nicht ganz durchgeköhlerte Holzstücke. Von 
diesem halbverkohlten Holz wird der „Brennewatz" ge 
baut. Soll dieser geköhlert werden, so wird er mit Ra 
senplatten und Kohlgestübe abgedichtet und von oben 
angezündet. Einen Quandelschacht erhält der „Brenne 
watz" nicht. 
Köhler Schweinsberg hat bei seinem Vater gelernt, 
hat in den Notzeiten in Westfalen im Kohlenbergwerk 
gearbeitet, weil dort mehr verdient wurde. Damals 
wurde für den Zentner Holzkohle nur 2.20 Jt bezahlt. 
Im Weltkrieg wurde der Köhler abkommandiert, um 
Kohle zu brennen. In Rußland hat er von 1917 bis 
1918 für die Stellung der ersten Linie geköhlert. Als 
der Weltkrieg beendet war, und er 1918 in die Heimat 
zurück kam, fand er soviel Auftrüge vor, daß die ganze 
Familie, das ganze Köhlerdorf, jung und alt, „alles was 
gesunde Hände und Beine hatte", köhlerte. Tag und 
Nacht wurde geköhlert, denn für den Zentner Holzkohle 
wurden fünf und sechs Mark bezahlt, das war ein guter 
Verdienst, berichten die Köhler. Danach, (nach 1927) 
ließ das Handwerk wieder bedenklich nach. 
Begeistert erzählt Köhler Schweinsberg von seinen 
Fahrten in die Wälder am Meißner, an der Oberweser, 
wo die herrlichsten Buchen stehen, die sich ein Köhlerherz 
wünschen kann. „Verhältnismäßig gute Zeiten haben 
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wir gehabt, als wir in Kassel noch alljährlich feste Kund 
schaft hatten. Denn unsere Kohle hat einen höheren 
Brennwert als Koks. Unsere Kohle rüst nicht! Das sind 
zwei Faktoren, die bei vielen Apparaten und Maschinen 
unerläßlich sind. Aber nicht nur an die Industrie haben 
wir Holzkohle geliefert. Vor 30 Jahren war ein elek 
trisches Bügeleisen noch nicht vorhanden. Damals ver 
wandten alle Hausfrauen Bügeleisen, die mit Holzkohle 
geheizt wurden. Das wurde später anders. Da ver 
wendete unsere Produkte gerade noch der Wurstmaxe 
aus der Messe. Wir treiben ein wenig Landwirtschaft, 
soweit es das bergige Gelände zuläßt. Jeder Köhler hat 
sein eigenes Häuschen, ein paar Ziegen oder Kühe und 
Hühner. So gewinnen wir das Notwendigste zum 
Leben". 
Die letzten Günsteröder Köhler haben bis heute Ihren 
guten Ruf, die beste Holzkohle zu brennen, treu bewahrt. 
Sie stellen eine Kohle her, wie man sie sauberer und 
heizkräftiger nicht noch einmal findet. Vis 1900 waren 
auch Köhler in den angrenzenden Dörfern Schnellrode, 
Kehrenbach und Quentel seßhaft, die aber ausgestorben 
sind. Heute haben die Köhler wieder berechtigte Hoff 
nung, pulsierendes Leben herrscht wieder im Walde. Es 
wird vor und nach der Landbestellung, nach der Heu 
ernte und dem Einbringen der Frucht geköhlert. Die 
Arbeit im Winter lohnt nicht, der Ertrag ist wegen der 
Feuchtigkeit nur gering. In den Wintermonaten gehen 
sie als Holzhauer in den Wald, oder sie fertigen aus 
„Haselnußspillen" und „Schenen" die bekannten „Köh 
lerwannen" an, die während dem Heidelbeerpflücken als 
auch zum Laub holen Verwendung finden. 
Köhler Schweinsberg hat drei Söhne, von denen nur 
der jüngste dieselbe Neigung zum Köhlerhand 
werk hat, wie die Väter der Sippe. Vater und Sohn 
freuen sich, wenn der lange Winter vorbei ist und sie 
im März wieder hinaus in ihren Wald können, der ihre 
Heimat ist. Hier hat sich echtes Handwerkertum in seiner 
besten Form erhalten können, weil es sich auch durch Ge 
nerationen als blutvolle Ader des deutschen Bauernlebens 
bewährte. 
Der Köhler beim Flechten der Köhlerwanne
	        
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