Full text: Hessenland (49.1938)

Heimatzeitschrist für Nurhessen 
Herausgegeben in Verbindung mit dem Arbeitsring für bessische Heimatforschung an der Universität 
Marburg, dem Verein für hessische Geschichte und Landeskunde und dem Museumsverein der Stadt Kassel 
von Dr. C. Hitzeroth, Marburg-Lahn 
49. Jahrgang Marburg-Lahn, Iuli/August 1938 Heft 7/8 
Ztratze, Burg und Ztadt in Gberhessen 
von der Frühzeit bis zum Ausgang des Mittelalters l ) 
Von Willi 
Wie schon G. LandauH mit Recht bemerkt hatte, 
waren die großen Fernverkehrsadern der Frühzeit bei 
uns zu Lande grundsätzlich Höhenwege, stunden- und 
oft tagelang liefen sie auf ruhigen Wald- und Heide 
rücken dahin. Solche Höhenwege vermieden nämlich die 
bis ins hohe Mittelalter meist stark versumpften und 
dicht verwachsenen Niederungen und Gründe, aber auch 
die verhältnismäßig feuchten tieferen Hangstellen- denn 
derartige, bei stärkerer Benutzung bald vollends mora 
stige Wegestrecken mußten für den schweren Verkehr, 
der schon durch die Flußübergänge genug aufgehalten 
wurde, naturgemäß größte Hindernisse bilden, solange 
nicht Kunstbauten aushalfcn 3 ). Da diese aber durchs 
ganze Mittelalter hindurch noch so selten waren, daß 
ihre Erstellung oft genug als rühmenswerte Unterneh 
mungen galten, und noch im 18. Jahrhundert an wesent 
lichen Stellen Brücken und erst recht Dämme fehlten, 
kann man verstehen, daß bis ins 19. Jahrhundert hinein 
noch solche natürliche Triften, wie sie die alten Neichs- 
straßen nun einmal darstellten, auf weite Strecken hin 
neben den jüngeren, offenbar seit dem 13. Jahrhundert 
aufkommenden Adern z. T. in stärkstem Maße als Land 
straßen benutzt wurdenH. 
Aus diesem Ergebnis der hessischen Straßenforschung, 
das nun durch planmäßige Untersuchungen in den letzten 
Jahren entsprechend stärker unter- und ausgebaut wer 
den konnte, folgert aber zwangsläufig die Notwendigkeit, 
endlich einmal die Beziehungen zwischen den ursprüng 
lichen, naturbedingten Fernverkehrsadern und den mensch 
lichen Niederlassungen zu erschließen. Da ich dem vorlie 
genden Aufsatz eine dafür alles Wesentliche enthaltende 
Übersichtskarte beifüge^'), erübrigt es sich hier, eigens noch 
einmal die darin eingetragenen Straßenzüge der Frühzeit 
zu schildern. Jedenfalls aber soll das Hauptgewicht in 
dieser kurzen Darstellung nur auf der großen, von Mainz 
G ö r i ch 
und (später in erster Linie) von Frankfurt ausgehenden 
oberhessischen Süd-Nordader sowie den zwischen Wetzlar 
und der Eresburg (Obermarsberg) querenden, zu einem 
guten Teil bisher unbekannten Wegen liegen- daher sind 
von den verschiedenen Strecken der „kurzen" und „langen 
Hessen" einzig und allein die nördlichen über den Amöne- 
burger Ohmübergang berücksichtigt, von den weiter süd 
lich abzweigenden Fernstraßen nur die Ansatzstücke ver 
zeichnet. 
Immerhin muß ich wenigstens auf eine Besonderheit 
des früheren Verkehrswesen in Hessen weisen, die von 
einigem Gewicht auch für die allgemeine Straßenfor 
schung sein wird und in dem Bereich der beigefügten 
Übersichtskarte das ausgeprägteste Beispiel findet. Es 
handelt sich darum, daß zu dem schönen Höhenweg von 
Mainz und Frankfurt über den Taunus nach Wetzlar, dem 
wichtigsten Straßenknotenpunkt im Süden des Ober 
lahngaues, zunächst eine wohl gleichaltrige, gewissermaßen 
auch naturbedingte Ergänzung und obendrein noch eine 
frühe Kunststraße tritt- jene ist die allbekannte „Wein 
straße", die am Fuß des Hochtaunus, der „Höhe", durch 
die Wetterau bis ins Wehrholz bei Großenlinden zieht 
und dann fächerförmig ausstrahlt, diese ist die nahe der 
schiffbaren Nidda verlaufende Nömerstraße. Wurde letz 
tere wohl bewußt möglichst tief und in gewisser Verbin 
dung mit dem Flußlauf erbaut, so stellt andrerseits die 
„Weinstraße" ebenso wenig einen Höhenweg dar, sondern 
quert bis neben Butzbach trotz ihrer etwas höheren Lage 
mindestens genau soviel Bachniederungen wie jene und 
ist schon deshalb nur als zur Taunus-Hochstraße seit 
alters Zugehöriger Nichteweg für den leichten und bei 
dauernd trockenem Wetter auch für den schwereren Ver 
kehr anzusehen- immerhin war sie für mittelalterliche 
Verhältnisse im Gegensatz zur Nömerstraße, deren Kunst 
bauten, d. h. insbesondre die Zahlreichen Brücken und
	        

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