Full text: Hessenland (49.1938)

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diese Schulung in der Aquarell-Technik fand er eine 
malerisch lockere Lösung/ die ohne jede Technisierung 
sein großes Können einer gewissenhaften Landschafts 
deutung überzeugend bewies. In diesen Blättern, die 
sich ihre Motive auf der Wilhelmshöhe im Habichts- 
waldc, in Willingshausen, in der Umgegend von Neu 
stadt oder von Homberg an der Efze und anderen hessi 
schen Gegenden suchten, beginnt die Farbe einen feinen 
und duftigen Ton Zu erhalten, das Ganze wird eine 
lockere, reichgegliederte Gesamtheit, die mit bewunde 
rungswürdiger Liebe gestaltet worden ist. C. Hitzeroth 
schreibt zu diesem wichtigen Abschnitt der Kunst Paul 
Baums: „Diese Aquarelle verlangten dazu ein neues 
Sehen, forderten, daß er sich mit anderen Augen und 
anderer Seele in die Natur versenkte. Und es ist nicht 
gleichgültig, daß es deutsche Landschaft war, die er nun 
gestaltete. Mit anderem Pinsel geht er gerade der ein- 
fachen Herbheit der schönen hessischen Landschaft nach, 
ein neues Blatt ist in seinem Leben wie in der Kunst 
aufgeschlagen, mit der Rückkehr zur deutschen Landschaft. 
Nachdem er in vollendeter Meisterschaft draußen das 
Charakteristische der Landschaft, das Wesen der Natur 
ergriffen hatte, ist er nun doppelt befähigt, deutsche 
Landschaft zu erkennen und zu gestalten. Es ist zuwei 
len, als ob Impressionismus und Neoimpressioismus 
ganz vergessen seien, so einfach ist das Aquarell 
gestaltet." 
Dies einfache und schlichte Bekenntnis bildet das be 
deutsame Vermächtnis des hessischen Wirkens in seiner 
Kunst. Mit dieser völlig neuen Grundlage, die ihm ein 
neues Schaffen ermöglichte, konnten die l e t; t e n gro 
ßen italienischen Arbeiten entstehen, die ab 
schließend seine Bedeutung für die deutsche Kunst be 
legen. H. K. 
Ansicht von Neustadt in Hessen.^Aquarell 
Die Neue Mühle bei Kassel 
Von Bruno Jacob 
Unter den Mahlmühlen der Kasseler Gegend nimmt 
die Neue Mühl e in der Gemarkung Niederzwehren 
insofern eine besondere Stellung ein, als sie seit ihrer 
Anlage eine herrschaftliche Mahlmühle gewesen ist, im 
Gegensatze Zu den beiden Kasseler Mahlmühlen, die ur 
sprünglich dem Kloster Ahnaberg eigneten und erst 1526 
durch die Säkularisation in herrschaftliche Hände kamen. 
Man darf mit Recht die Erbauung der Neuen Mühle 
auf dem linken Fuldaufer dort, wo dieser Fluß die Aus 
läufer des Habichtswaldes von der Söhre trennt, als in 
der ersten Hülste des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich 
unter Landgraf Ludwig I., annehmen. Denn 1348 
wird bei dem Vertrage zwischen Landgraf Heinrich II. 
und dem Stifte Kausungen über die Fischerei in der 
Fulda der Mühle noch nicht gedacht, 1443 aber ließ 
Landgraf Ludwig I. bei der Neuen Mühle fischen, wel 
chen reichen Fischzug uns die Congeries berichtet. Dann 
wieder treffen wir i. F. 1463 den Zimmermeister Jo 
hann Herber als von Landgraf Ludwig II. mit der 
Mühle belehnt, in gleicher Weise, wie sie vordem Bar- 
t h o l o m e s der Zimmermann innegehabt. Rechnet 
man aber, daß dieser etwa ein Menschenalter vor 1463 
die Velehnung erhalten, so käme man ungefähr auf die 
Zeit, die man für die Anlage der Mühle ansetzen darf.
	        

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