Full text: Hessenland (49.1938)

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Nüsten des Meilers 
Zu überwinden. In feuchten Zeiten entwickelt der Mei 
ler starke Dämpfe, oder er geht aus- dagegen „äschert" 
der Meiler im Sommer besser, d. h. (das Kohlengestübe 
verglüht besser zu Asche). Besonders bei größeren Mei 
lern ist immer erhöhte Alarmbereitschaft vorhanden. 
Mein Vater baute gern große Meiler bis zu 40 Klafter, 
das sind 160 Raummeter. Wenn solch ein Meiler an 
fing zu „brummen", (d. h. Gase entwickelte) und der 
Köhler beobachtete den Vorgang nicht ganz genau, dann 
sprengten die Gase den Meiler auseinander. Sobald der 
Meiler „brummte", mußte schnellstens Luft gemacht 
werden, damit der Kohlhaufen „atmen" konnte (die Gase 
entweichen konnten). Wenn sich Z. B. der Meiler „schüt 
ten tat", „er schmeißt die beiden Kleider ab", dann war 
Gefahr vorhanden und schnelle Hilfe notwendig. Der 
betreffende Köhler, der ja während der „Kohlzeit" 
immer bei „seinen Kohlhaufen" in der Köhlerhütte, 
schläft, gibt dann schnell AlarmZeichen, drei kräftige 
Schläge mit der Art auf die Kohlschippe, und die in 
nächster Nähe befindlichen Köhler eilen herbei, um die 
Gefahr gemeinsam Zu beseitigen. In diesem Falle durch 
schnelles Zudecken des Kohlhausens, damit er nicht „ver 
brannte". 
Mit gesteigerter (und wohl auch begreiflicher) Unruhe 
beobachtet und bewacht der Köhler seinen Meiler unauf 
hörlich, Tag und Nacht. Das Feuer muß immer in der 
Mitte des „Hausens" „gehalten" werden, damit das 
Holz nach allen Seiten gleichmäßig verkohlen kann. Der 
Meiler muß „egal runter kühlern", das Feuer darf nicht 
nach einer Seite „gezogen" werden, sonst köhlert es nur 
auf dieser Seite, während die entgegengesetzte „roh" 
bleibt. Verkohlt das Holz einseitig, muß der Köhler mit 
der Schürstange im Quandclschacht fühlen, wo das Feuer 
eine Höhlung „gezogen" hat, und hier schnell nachfüllen. 
Außerdem deckt er von außen auf dieser Seite nochmals 
gut ab und öffnet den Meiler an der entgegengesetzten 
Seite, damit er nach dieser Seite „kühlern" kann. „Das 
Köhlern muß in Fleisch und Blut sitzen, muß ausgeerbt 
sein, wenn ohne Schaden fachgerecht geköhlert werden 
soll", behauptet Köhler Schweinsberg. 
Zudecken des Quandels mit runder Grasplatte 
Die Hauptfüllperiode dauert bis zum dritten oder vier 
ten Tag. Während dieser Zeit muß der Köhler auch des 
Nachts, je nach Erfordernis, nachfüllen. An ruhiges 
Schlafen ist während der Verkohlungszeit gar nicht zu 
denken. Morgens um 3 Uhr, wenn der Tag zu grauen 
beginnt, wird Köhler Schweinsberg vom Gesang der 
Waldvögel geweckt. Bekleidet, wie er am Tage ist, ver 
bringt er auch die Nacht in der Köhlerhütte, immer be 
reit, sofort bei Gefahr zur Stelle zu sein. Sein Lager 
ist primitiv, zwei Kissen bilden das Bett. Neben der 
Bratpfanne hängt eine alte Laterne, darunter die Kaf 
feekanne. „Diese Hütte sehen Sie sich mal richtig an, 
das ist unsere Villa, des Köhlers Waldhaus. In den 
warmen Nächten bleibe ich draußen beim Meiler, dann 
brauche ich nicht mitten in der Nacht aus dem Bett zu 
steigen und mit müden Augen und Beinen durch den 
Wald zu stolpern. Ruhe findet man zu Hause des Nachts 
doch keine, man ist immer, jede Minute, in Unruhe um 
den Meiler, denn er gehört zu unserem Leben. Unser 
Meiler, der muß gut geraten, man muß gewissenhaft 
sein", erzählt der Köhler, der ein Meister in seinem 
Handwerk ist. 
Ist die Kuppe des Meilers eingesunken, füllt er neue 
Holzstücke nach. Kommt das Feuer nach etwa vier Ta 
gen nach oben, der Köhler sagt, „das Feuer ist hoch", 
dann beginnt der Meiler „Kohle zu setzen". Jetzt köh 
lert der Meiler von oben nach unten, und er erhält im 
zweiten „Stockwerk" die ersten Zuglöcher. Der dadurch 
entstehende Luftzutritt bewirkt, daß das Feuer sich vom 
Schacht aus gegen diese Öffnung hin ausbreitet. Der 
Köhler kann also das Feuer nach jeder beliebigen Stelle 
leiten. Nach fünf bis sechs Tagen, „wenn der Meiler 
in Wallung kommt", wenn er „zusammengeht", und 
„inwendig Kohle setzt", dann beobachtet der Köhler sei 
nen Kohlhaufen mit verdoppelter Aufmerksamkeit. Nach 
dieser Zeit heißt der Meiler „Kohlhausen" oder kurz 
„Haufen". Schweinsberg sticht zeitweise Löcher immer 
tiefer nach unten. Aus den oberen Zuglöchern, wo das 
Holz fertig köhlert, kommt blauer Rauch heraus, aus 
den unteren noch weißer, wasserhaltiger Dampf, der durch
	        
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