Full text: Hessenland (49.1938)

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schweren Halbtagewerk, eine Delikatesse ist. Auch beim 
Frühstück weilen des Köhlers Gedanken nur bei „seinem 
Meiler". Mit ernstem Stolz sagt er: „Solch ein gut 
gelungenes Bauwerk ist sür den Köhler ein Kunstwerk- 
der Meiler muß aber Form haben. Mein Vater sagte 
immer: wat an Köhler will sonn, muß setzen könn!" 
Nur kurz ist die Frühstückspause, kaum eine viertel 
Stunde, dann wird kleines Holz zum Anzünden und 
Nachfüllen des Meilers gehackt. Danach ist der große 
Augenblick gekommen, das Anzünden des Meilers. Wild 
und unruhig schlägt das Köhlerherz, alles quirlt in dem 
unruhigen Köhler, der jetzt die glühende Kohle in den 
„Quandel" schüttet. Vater Schweinsberg sagte immer. 
„Jetzt tu ich den Kater nein, damit er unten blasen 
kann". Behend laust er die Köhlerleiter (bei den Köh 
lern im Solling besteht der „Steigbaum" aus einem 
Baumstamm mit eingekerbten Stufen) hinauf und wirst 
in den etwa 25 Zentimeter im Durchmesser messenden 
Quandelschacht kleine Stückchen Holzkohle und drei 
Schippen glühende Kohle nach. Das Feuer muß gut 
unterhalten werden, damit die Glut „Nahrung" erhält. 
Oer Meiler beginnt zu brennen, er ist „fertig zum Köh 
lern", zufrieden reibt sich Schweinsberg seine knochigen, 
festen Hände. Er „dichtet" noch den Quandelschacht ab, 
und läßt nun den Meiler vorerst „arbeiten". 
Oer Köhler im Schwarzwald zündet seinen „stehenden" 
oder „liegenden" Meiler (senkrecht oder waagerecht aufge 
schichtet) unter Anrufung des Schutzpatrons an: „Heiliger 
St. Florian jetzt sänge ich zu brennen an / du hilfst mir 
wohl mit deiner Kraft, die gutes will und gutes schafft". 
— oder aber: „St. Florian jetzt zünd ich an / hilf du 
mir heiliger Patron, vor Feuerausbruch mich verschon. 
Laß mich doch jedes Flümmlein sehen- das will durch 
Erd und Nasen gehn, hilf daß das Holz jetzt gut ver 
kohlt, hilf, daß es nicht der Teufel holt". — Hier wird 
das Feuer durch ein in die „Haube" gebrochenes Loch 
gelegt, oder aber vom „Meilerfuß" aus. In letzterem 
Falle hat man beim Aufrichten des Meilers einen Bal 
ken mit eingebaut, der bis zum Mittelpfahl in den Mei- 
Bauen des Meilers 
Der Meiler wird gedeckt 
ler läuft. Dieser Balkan wird beim Anzünden heraus 
gezogen und durch die dadurch entstehende Röhre eine 
Stange mit einem brennenden Span an der Spitze ein 
geführt. 
Der Meiler ist fast ganz von der Luft abgeschlossen, 
das Holz wird durch die Zündgase angezündet. Die 
innere Verbrennung geht in eine Verkohlung, in eine 
unvollkommene Verbrennung über. Die erzeugte Wärme 
reicht gerade aus, um dem Holz die Kohlenwasserstoffe 
zu entziehen. Daß bei dieser einfachen Art der Holzkoh 
lenherstellung die Nebenprodukte wie: Teer, Holzessig, 
Azeton usw. verloren gehen, ist nicht zu vermeiden. Die 
Kunst des Köhlers besteht nun darin, die Verbrennung 
durch notwendiges Lüften, vorerst der Nasendecke, so zu 
führen, daß allmählich der Inhalt des Meilers gleich 
mäßig verkohlt. Das Feuer muß er richtig „lenken". 
Oer Meiler beginnt allmählich zu schwitzen, der Dampf 
verdichtet sich auf der Außenseite. Der erfahrene Köhler 
erkennt am Rauch, der nach geraumer Zeit heller und 
heller wird, genau den Verlauf des Verkohlungsprozesses. 
Sorgfältig bewacht er den schwelenden Vau, damit die 
Flammen nicht durchbrechen, und das ganze Werk zu 
nichte machen. Nach drei bis vier Stunden wird das 
erste Mal nachgefüllt. Oer Köhler steigt die Leiter em 
por, „deckt" ab, und stößt mit der Schürstange in den 
Quandelschacht, stößt die Füllung zusammen und „fühlt" 
zugleich, wieviel Holz er etwa nachfüllen muß. Drei bis 
vier Wannen füllt er nach und deckt dann wieder ab. 
Immer weiter frißt sich der Brand in das Innere des 
Holzstoßes. In den ersten drei bis vier Tagen muß er 
so oft nachfüllen, bis der Meiler unten im Schacht be 
ginnt zu „kohlen". 
„Bei uns darf es nicht regnen, sonst „zehrt" das 
Holz, und es gibt keine gute Kohle. Darum köhlern wir 
auch im Winter nicht gern, weil der Schnee die Feuch 
tigkeit nach innen abgibt, sodaß sehr viel Holz zum Nach 
füllen erforderlich ist, um die Feuchtigkeit wieder heraus 
zutreiben". Und weiter erzählt Köhler Schweinsberg 
beim Holzhacken: „Auch andere Schwierigkeiten sind noch
	        
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