Full text: Hessenland (49.1938)

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kules muß dann die Mitte eingenommen, der halb nach 
rechts gewendete Achilles (Abb. 4) links von ihm und der 
nach links schreitende Hannibal auf der rechten Seite ge 
standen haben. Jede der halb in Ritter-, halb in Lands- 
knechtötracht herausgeputzten Gestalten besitzt einen 
Schild, der in einer unsymmetrischen Roßstirnform gehal 
ten ist. Auf dem des Herkules, der rechts hinter der 
Figur Zum Teil sichtbar wird, erscheint eine undeutliche 
nichtssagende Ornamentik. Keule und Löwe kennzeichnen 
allerdings den mit wehender Stirnbinde versehenen Hel 
den schon genügend. Ohne Namensbeischrift wüßte man 
jedoch nicht, daß der auf Abb. 4 gezeigte Ritter einen 
Achilles, der andere einen Hannibal vorzustellen hat. 
Abb. 6. Schloß Ziegenhain, Wandmalerei 
Die Landgrafen Ludwig I. und Ludwig II. von Thüringen 
Dafür besitzen aber beide bestimmte Schildbilder, über 
deren Berechtigung nichts ausfindig zu machen war. Der 
griechische Göttersohn (Abb. 4) führt ein sonderbares 
Fabelwesen, einen geflügelten Greif mit Schlangenleib, 
und ausgerecht der punische Kriegsheld drei zahme Tauben 
im Wappen. 
Und nun die Portrats. Wir werden sehen, daß mit 
ihnen ein ganz bestimmtes Programm verwirklicht ist. 
Wie überhaupt alle Malereien des Gemaches nicht 
absichtslos die Wände zieren. Auf die allegorische Be 
deutung der drei antiken Helden konnte schon hingewie 
sen werden. Nach Vorlage der ganzen Naumausstattung 
wird der innere Zusammenhang aller ihrer Teile noch 
kurz zu besprechen sein. Oie Bildnisse des Kurfürsten 
Johann Friedrich von Sachsen (Abb. 1) und des Land 
grafen Philipp von Hessen (Abb. 2) sollen als Suprapor 
ten einen besonderen Platz behaupten. Auch das einzige 
Porträt im Riesensaal des Schmalkaldener Schlosses, das 
des Bauherrn Wilhelm IV., ist eine Supraporte. Auf den 
Türsturz sind je fünf Wappen gemalt. Uber den Schilden 
von Thüringen, Sachsen, der Kurwürde, von der Pfalz 
Sachsen und Meißen erscheint Johann Friedrich (Abb. 1) 
als Bruststück, über den Wappen von Katzenelnbogen, 
Ziegenhain, Hessen, Nidda und Oietz Philipp der Groß 
mütige in Halbfigur (Abb. 2). Wo die überlieferten In 
schriften gesessen haben, ist leider nicht angegeben. Nach 
der Titulatur und der Altersangabe (für Johann Fried 
rich 41, für Philipp 39 Jahre) heißt es bei beiden gleich 
lautend „Dieser hatt des heiligen Evangelh fache nechst 
Gott wieder Bapst und Bischofs genossen fürstlich undt 
herlich mit Gottes hülfe erhalten". Für Philipp geht es 
dann weiter: „Hatt mit Gottes hüls die bcurische Aufruhr 
in der Buchen und Turingen helfen strafen, Hertzog 
Ulrichen zu wurtenburg, der von land und leuten vertrie 
ben, gewaltigklich eingesetzet und Hertzog Henrich von 
Abb. 7. Schloß Ziegenhain, Wandmalerei 
Der Hauptmann von Capernaum (linke Bildbälste) 
Braunschweig bey land und leuten erhalten und hernach 
von wegen obgedachter buntsverwanten widerumb auß dem 
Braunschweigischen lande helfen vertreiben und sein 
gantzes land undt leut eingenommen." 
Der letzgenannte Kriegszug gehört in den Sommer des 
Jahres 1542. Da sowohl bei den beiden Fürsten als auch 
bei den zwei ältesten Söhnen des Philipp in den Bei 
schriften jedesmal auf das Jahr 4542 Bezug genommen 
ist — so bei Philipp „seines alters 39 Jahr als man 
schrieb 1542", bei Johann Friedrich „seines alters 41 
jähr,... ano 1542" bei Wilhelm und Ludwig „anno 
1542 ist dieser Landtgraff 10 Jahr (bezw. „5 Jahr") 
alt gewesen" — müssen die Gemälde in der zweiten 
Jahreshälfte entstanden sein. 
Die Söhne Philipps sind dargestellt als Halbfiguren 
in zeitgenössischer Hoftracht — oberhalb eines breiten 
Streifens, der das hessische Löwenwappen ausweist. Der 
Streifen, der auch bei anderen Porträts noch begegnet, 
läßt sich nicht ohne weiteres erklären. Am ehesten möchte 
man vermuten, daß er als Fortsetzung der Türstürze 
über die Wandflüchen gezogen ist. Da er sich nur bei 
Halbfigurenporträts findet, wären diese alle also in glei
	        

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