Full text: Hessenland (47.1936)

stigerr Überaangsbedingungen werden gesucht. Der 
Flußgrund an der Furt muß feinkiefig sein, denn 
weder Schlamm noch algenüberzogene Felsen bie 
ten dem Fuß von Mensch und Tier sicheren 
Stand beim Durchschreiten, und die Überschwem 
mungszone muß möglichst geringe Breite haben. 
Wichtige Straßen bei Fulda (1:150000) 
0 4 8 km 
punktiert: Buntsandstein. Kreise: Schotterflächen, 
lveitz: Schwere, zähe Böden (Röt, Keuper, Lehm) und ebene Talsohlen. 
Schräge dicke Schroffen geben (Ortschaften an. 
Solche Stellen finden sich vort, wo an den Mün 
dungen kleinerer Nebenbäche sich größere flache 
Schuttkegel ins Haupttal vorschieben. Der Über- 
gang des Orteswegeö zwischen Kohlhans und Jo- 
hannesberg nutzte den Schuttkegel des Giesel- 
baches, der der S e m i Antiqua, deren vor- 
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KASSEL 
geschichtliche Brücke Vonderau ausgraben 
konnte, den Kegel der Waides. Die g Kilometer 
unterstrom auftretende Einengung des Überschwem 
mungsgebietes oberhalb Kämmerzells ist durch die 
Aufschüttungen aus zwei von rechts (Osten) kom- 
inenden Nebentälern bedingt, im Dorfe selbst 
mündet noch ein weiterer Bach. Zwischen den 
Schuttkegeln ist das Tal oft geradezu versumpft. 
Jedes Jahr breiten sich mehrmals zwischen den 
genannten Wegeübergängen größere Wasser 
flächen ans, ein Netz von Entwässerungsgräben 
durchzieht heute das nur als Wiese zu nutzende 
Land. IÜehrere Meter mächtige Torfschichten 
entstanden wenig vor Beginn der geschichtlichen 
Zeit am Fuße des Frauenberges, schwache örtliche 
Torfbildung in „Im Erlick" dürfte bis in die 
Gegenwart reichen. Hier find übrigens deutlich 
Beziehungen der Talansbildnng zu tektonischen 
Störungen erkennbar, den Verlauf von Verwer 
fungen und Grabenbrüchen ließen günstige Gele- 
genheitsaufschlüfse feststellen. Bei Kämmerzell 
endet das breitere Überschwemmungsgebiet, und 
hier querte die A n t s a n v i a die Fulda, nm in 
nordöstlicher Richtung sofort wieder auf die Bunt- 
sandsteinhöhen hinaufzusteigen. 
Durch die Klostergründung erlangte der zur 
Besiedlung so geeignete Ort südlich des Franen- 
bergeS, der ja deshalb auch vorgeschichtlich sicher 
bis wenige Jahre vor der Kloftergründnng durch 
gehend bewohnt war (der Nachweis für die letzten 
Jahre vor Erscheinen der Mönche ist noch nicht 
erbracht), bald große Bedeutung, und so kam es, 
daß auch der Fernverkehr den Ort Fnlda nicht 
mehr umging, alte TLege verloren ihre Bedeu 
tung und neue Richtungen wurden .eingeschlagen. 
Durch das Aufblühen größerer Siedlungen in 
den Tälern gewinnen die Talhangstraßen an 
Wichtigkeit. Kiesflächen alter Flnßterrafsen bie 
ten ans größere Erstreckung hin gangbares Ge 
lände, bis dann Steilhänge ein Halt gebieten und 
entweder einen Umweg über die Höhen oder 
Wechsel des Ufers verlangen. 
Der alte Talrandweg, der von Hersfeld nach 
Fulda führte, dürfte einst die Steilhänge zwischen 
Lüdermünd und Kämmerzell durch zweimaliges 
Oueren der Fulda, die hier oberhalb der Lüder- 
mündung schon wasserarmer ist und zwei sehr gün- 
stige Ubergangsmöglichkeiten noch heute bietet, ge 
mieden und dabei noch beträchtlich an Länge ge 
spart haben. Ob sie dann durch die Niederung 
„im Erlich" (s. Karte) geradewegs nach Gläser 
zell und weiter nach Fulda führte, wie V o n - 
d e r a u annimmt, erscheint nach den heutigen 
llntergrundverhältnifsen sicher zweifelhaft, hier —
	        

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