Full text: Hessenland (47.1936)

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Prozeß ein Verhör nötig sein wird, bitten wir 
Euch, Ihr wollet jene, die solcher Handel betrifft, 
für den nächsten Donnerstag nach dem St. Mi- 
chaelötage zur Tageszeit nach Marburg in unsere 
Kanzlei bescheiden. Mir wollen seiner fürstlichen 
Gnaden wegen diesen Streit anhören und nach 
Billigkeit entscheiden, doch für jede Partei unschäd 
lich und ohne Eingriff in seine Gerechtsame. 
Gegeben Dienstag, am Tage des Apostels 
N^atthaei 1501. 
Die Räte, jetzt zu Marburg. 
An Bürgermeister und Räte zu Treysa. 
Am 30 September 1501 fällen die fürstlichen 
Räte aas Urteil in der Klage des Abtes von Kap 
pel gegen die Treyfaer Bürger. 
Am Donnerstag nach Michaelistag des Jahres 
1501 ist durch die Räte unseres gnädigen Herrn 
von Hessen, nämlich Herrn Konrad von Mans- 
pach, Ritter und Hofmeister, Herrn Kaspar von 
Berlepsch, Ritter und Amtmann zu Nidda, Jo 
hann (Muth, Doktor und Kanzler, Johann 
Schmerzet von Willingshausen, Haushofmeister, 
in Sachen nnd Streit zwischen dem Ehrwürdigen, 
in Gott Vater und Herrn Johann, Abt zu 
Kappel einerseits und Mengeö und Merren, Bür 
ger zu Treysa und ihrem Anhang andererseits, 
betr. ein Haus, Acker, Garten und unbezahlter 
Zinsen samt Schaden in nachstehender Form und 
Weise verabredet. Die Angeklagten sollen zwischen 
dem genannten Tage bis auf den nächsten Mar- 
tinstag dem Herrn von Kappel und seinem Eon 
vent 72 gülden geben oder ihm und seinem Kloster 
eine neue und bessere Verschreibung einhändigen 
und geben. Nach diesem Termin sollen die Räte 
unseres gnädigen Herrn von Hessen gütlich über 
die nicht bezahlten Zinsen, die noch ausständig find, 
samt dem Schaden verhandeln. TLenn sie aber 
nicht täten, was verabredet ist, so mag mein Herr 
von Kappel in dem geistlichen Prozeß fortfahren. 
Und mein Herr von Kappel soll der Gegenpartei 
einen Zahlungsaufschub gewähren, wie oben ange 
geben ist, auch eine Entlassung aus dem Gerichts 
stand des geistlichen Richters zu Fritzlar gestatten. 
Gegeben in der Kanzlei am Tage und in der Zeit, 
wie oben angegeben ist. 
Wenn auch im Kampf zwischen den geistlichen 
und den weltlichen Gerichten mit dem Anfang der 
'Neuzeit die letzteren den Sieg davon trugen, so 
zeigt doch dieser Prozeß, nur wenige Jahre vor der 
Reformation, daß die geistlichen Gerichte nicht 
immer so verdammenöwert waren, wie die spätere 
Zeit es darzustellen beliebte. Bezeichnend für die 
geringeren Machtmittel der weltlichen Gerichte 
zur Durchführung ihrer Urteilssprüche gegenüber 
denen der geistlichen Gerichte, vor allem der Er- 
communication, ist in unserem Falle der Eventual 
beschluß der Räte des Landgrafen von Hessen, 
beim Unterbleiben der angeordneten Zahlung den 
Streit wieder dem geistlichen Richter zur Entschei 
dung zu überweisen. 
Ein Ehezeugnis in lateinischen Distichen. 
Im Jahre 1670 gedachte der um 1641 zu 
Niederwetter geborene, damals also 29 Jahre 
alte Schäfer Johann Christoph (Stophel) Held- 
mann, der ältere Sohn des um 1650/51 verstor 
benen Christian Heldmann, des Begründers des 
dritten Stammes unseres Geschlechts, in den 
Stand der heiligen Ehe zu treten. Seine Aus 
erkorene war Anna Gertraud Krebs von Ober 
rosphe, des Adam Krebs am 6. Oktober 1646 ge 
taufte, also 24 Jahre alte Tochter. Da Christophs 
Mutter Anna geb. Wagner, Hans Soldans 
Stieftochter von Niederwetter, sich in zweiter 
Ehe am 5. Oktober 1651 mit Hans Möller, 
einem Witwer zu (Mellnau, verheiratet hatte, 
die Hochzeit ihres Sohnes aber in Oberrosphe 
stattfinden sollte, so bedurfte dieser eines Ehezeug- 
nifses von seinem zuständigen Pfarrer, 'dem Kaplan 
oder Diakonus Heinrich Haarhausen zn 
Wetter (1653—Ö6), in seiner Eigenschaft als 
Pfarrherr von Mellnau, für den Pfarrer von 
Von Prof. Dr. Karl H e l d m a n n , Halle a. S. 
Oberrosphe, Johann Philipp Lndovici (1641 bis 
1680). Für dieses Zeugnis nun hat Ehrn 
Haarhausen die sicher auch für die damalige Zeit 
ungewöhnliche Form eines lateinischen Gedichtes 
von 7 Distichen gewählt, das er an seinen Amts 
bruder in Oberrosphe sandte. Ich verdanke die 
Kenntnis dieses humorvollen Poems meinem jun 
gen Freund, Herrn cand. hist. Hans Werner 
Rappe in Wetter, der es in einem alle möglichen 
Einträge enthaltenden Sammelheft Haarhansenö 
im Wetterschen Kirchenarchiv gefunden hat, in 
dem eö verblieben ist, nachdem Haarhausen, der 
1686 Oberpfarrer geworden war, am 20. Juni 
1701 das Zeitliche gesegnet hatte. Das poetische 
Ehezeugnis mit der Bescheinigung, daß ein Wider 
spruch gegen das Aufgebot des Brautpaares in 
Mellnau nicht erfolgt fei, stammt vom 14. No 
vember 1670, die Trauung Christoph Heldmanns 
mit Anna Gertraud Krebs fand am 27. No 
vember statt. Beide find durch ihren Sohn
	        

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