Full text: Hessenland (47.1936)

und so bald über Nacht die Geschütze zu pflanzen 
und zu arbeiten sich hören, auch etlich dem Fl. 
Haus zunächst gelegene Dächern von Bürgerhäu- 
seru abwerfen, sodann in der Untergassen, alldie- 
weile man zur Stadtpforten nicht sicher ein- und 
ausrecken noch gehen mögen, einen freien Gang in 
die Stadtmauer brech- und öffnen lassen, bis Frei 
tag morgends den loten sich wegen verweigerten 
Uebergab der schwedische Reichszeugmeister Wrän 
ge! in Person samt etlich Lausenden zum Succurs 
onfern von der Stadt uff den hohen Berg ge- 
stellet und die in der Stadt anfänglich mit Gra 
naten, hernach gehends mit Feuermörsern und for- 
tens grobem Geschütz uf das F. G. (Wohnhaus also 
continudirlich gespielet, daß in gar weniger Zeit zwi 
schen dem Turm und HauS ein Nebenbäuchen, so 
hieran geführt gewesen, über einen Haufen gefall 
len und forterS bis in und durch die Nacht weder 
im Haus noch Ställen oder offenem Platz einiger 
(Mensch sicher bleiben können, sondern, nachdem ein 
Teil des Hauses obenhero ganz auseinanderge- 
trennet, das Gebälk und Gesperr zerschmettert und 
Dach und Boden überall durchlöchert, auch Feuer 
und Stein unaufhörlich in die Nebengebäude und 
Ställe "eworfen worden. Die Beamten und dahin 
geflohene von Adel beneben anderen sich Tag und 
Nacht in einem Keller saldiert halten müssen. So 
dann Sonnabends den uten ejusdem ein Anfang 
zum Sturm gemacht und unter continuirenden 
Stein- und Feuereinwerfen neben dem Turm im 
mittelsten kleinen Hof grad ufs Wohnhaus, gegen 
dem Keller über, eine preß zu schießen angesetzt 
worden, auch also gar, daß man aufrecht hinein 
steigen mögen und weil hierneben nichts mehr an 
Wasser, womit man auch einig Brot backen kön 
nen, uf so betanem Haus übrig gewesen, haben 
beide Capitains uf vorgehabte vielfältige conful- 
tation einen Tampier uf die Mauer gestellt und, 
da Gegenteil einen billigmäßigen accord gestatten 
wollte, sich von dannen abzuheben sich erkläret, 
welches dann alfofern bejahet ud darauf die Be 
lagerte 2 Geißel, als einen Fendrich und Feld 
webel zu traktieren über die Mauer gelassen, das 
Gegenteil aber hierentgegen niemand hereingegeben, 
noch sich anderst zum accord, als (wie die Formalia 
waren) auf paroln und diskretion verstehen wollen. 
Als nun der kommandierende Hauptmann darin 
nicht willigen wollen, sondern um mehrer seiner 
Verantwortung etzliche Punkten in Schriften 
hierüber aufzusetzen begehret, hat man solches 
nicht verstatten noch so lang gönnen wollen, wo 
rüber der Hauptmann wie auch Amtm. (welcher 
die ufm Schloß versperrete Weibspersonen pas 
sieren zu lassen nachsuchen wollen, aber nichts er 
halten können) wiederum zur Mauer gelaufen, 
ehe sie aber gänzlich im Herabstieg gewesen, seind 
alle Geschütz von neuem und gerad gegen die preß, 
worüber sie beide hergewandert, um einmal gelöset 
worden, also daß sie kaum und mit Not von dan 
nen onberühret entrinnen mögen. 
(Woruff der Kommandant beiwesend seines 
Mitcapitains, die feinige unterhabende nochmals 
eilenos ermahnet, ob sie getraueten, bis uf den letz 
ten Mann zu halten oder aber zu accordieren, 
darmit er feines Orts entschuldigt wäre, welche sich 
dahin resolvieret, daß sie es beiden Capitains heirn- 
stelleten, jedoch sie besorglich bei nunmehriger 
Menge und wegen allerhand Mangels zum 
Sturm nicht ausdauern könnten, darauf unter noch 
währender preßschießung der Tampier wiedermals 
aus gestellet und mit Zwang und Drang auf 
vorige zugemutete discretion der accord eingewilligt 
und die verbaute Pforten aufgeräumt worden, ehe 
selbiges aber bestehen, etzliche hohe Offiziere, dar 
unter auch I. F. G. Hr. Landgraf Ernst, (Major 
Uflen und andere mehr, auch der Völker sehr viel 
zur preß hereingebrochen und diese überall zu plün 
deren. Hr. Landgraf Ernstens F. G. aber nächst 
vorgehender Handbietung gegen den Amtm. ange 
fangen: „Hr. Gilß, wie gehts?" Worauf selbiger 
beantwortet, wie E. F. Gn. sehen, wahrlich gar 
schlecht. Hierauf er: Za, das macht euer Herr, 
dem habt ihrs zu danken. Hierauf geantwortet: 
Was können ich oder andere arme Leute dazu, 
was etwa im Kriegswesen Vorlaufen. Unter wel 
cher Reve Z. F. G. stracks mit Fleiß von ihm 
abgelaufen und obgleich Z. F. G. der Amtm. 
hernachgehends um Rettung feines Viehes, so 
ihm fast gänzlich aus dem Stall getrieben wor 
den, im Hof gehend ersucht, hat er jedoch oterva 
facie zur Antwort geben: Das hab ich nicht zu 
tun und ist darüber fortspaziert. 
Als nun nach Eröffnung der Pforten der 
Schwedische Reichszeugmeister Wrangel und 
Niederheffifche Generalwachtmeister Geyso bene 
ben vielen anderen hohen Offizieren und (Menge 
der Soldaten hereingewandert, alles an Pferden, 
Vieh, Früchten und hierauf geflehnten, auch des 
Amts Mobilien preisgemacht und i^a Tag 
continue hierauf plündern lasten, auch der 
Amtm. hierneben von einem schwedischen Stück 
major, Nikolaus Pave genannt, uf Anweisung 
des Niedrhest. Gen. (Major Geyso dahin genö 
tigt worden, daß er ihm gegen Anführung der 
Geschütze und Beschießung des Fl. Hauses 100 
Reichstaler, so er hin und wieder bei anderen nf- 
genommen, hergeben müssen, nebst dem ausdrück 
lichen Andeuten, Er Amtm. und dessen Pferde
	        

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