Full text: Hessenland (46.1935)

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Damit will ich schließen. Sie werden gesehen 
hüben, daß es Gelehrtenfamilien in Hessen ge 
geben hat, gibt und geben wird. Das verdanken 
wir abgesehen von der Tatsache, daß der Stamm 
der Hessen zu den Kerngebieten Deutschlands ge- 
Vom Heiligenberg. 
Jeder Hesse kennt den Heiligenberg bei Gen- 
sungen, der jäh aus dem Tal emporsteigend durch 
seine Lage zwischen Eder und Fulda beide Täler 
beherrscht. Ilnd wer sich in der Geschichte un 
seres Heimatlandes nur einigermaßen umgesehen 
hat, weiß von der bedeutenden Rolle, die dieser 
Berg in schicksalschweren und -entscheidenden 
Jahrhunderten gespielt hat. Stand doch auf 
seinem Gipfel seit dem Ende des 12. Jahrhun 
derts (1186) eine starke mainzische Burg als 
einer der Vorposten, die das Erzbistum ins hes 
sische Land hineingeschoben hatte, um mit der 
Sicherung der eigenen Machtstellung den Aufbau 
und die Entwicklung der jungen Landgrafschaft 
möglichst nachhaltig zu stören. Es war daher nur 
natürlich, daß wiederholt und schwer um den Be 
sitz der Burg gerungen worden ist. Schon Land 
graf Konrad von Thüringen erkannte die Bedeu 
tung dieses Punktes, und im Zusammenhang mit 
der Belagerung von Fritzlar gelang es ihm 1232, 
oie Burg zu zerstören. Als dann 1% Jahrzehnte 
später mit Heinrich Raspe IV. der letzte Land 
graf von Thüringen ins Grab sank und Hessen 
an das Haus Brabant überging, benutzte Mainz 
diesen günstigen Zeitpunkt zum Wiederaufbau 
der Burg, bis sie Landgraf Heinrich I. abermals 
und diesmal so gründlich zerstörte, daß Mainz 
nun für immer auf diesen Stützpunkt verzichten 
mußte. Da das Erzbistum über nach wie vor in 
Fritzlar saß, glaubte auch Hessen auf eine Be 
festigung des Berges nicht verzichten zu können: 
14.01 ließ Landgraf Hermann die Burg von 
neuem in wuchtiger Kraft erstehen. Inzwischen 
war aber die militärische Bedeutung der Burgen 
geschwunden, und so ist es keine Überraschung, daß 
diese neue Burg nur wenige Jahrzehnte erhalten 
und schon um die Mitte des Jahrhunderts dem 
Verfall preisgegeben wurde; 1471 wurde sie dem 
unmittelbar benachbarten Karthänser-Kloster Ep 
penberg überlassen, das wohl die vorhandene Ka 
pelle wieder aufbaute, aber keine Veranlassung 
hatte, für die Erhaltung der Burg selbst irgend 
welche Aufwendungen zu machen. Im Lauf der 
Jahrzehnte und Jahrhunderte versanken die ver 
fallenden Mauern mehr und mehr in den 
schützenden Schoß der Erde, und noch im Vorjahr 
hört, seinen Fürsten, die die Gelehrsamkeit förder 
ten, wo sie konnten, und den größten Wert auf 
ein gebildetes, zuverläffiges Beamtentum legten, 
und ihrer größten Schöpfung, der Alma mater 
Philippina. 
Von Bibliotheksdirektor Dr. Hopf. 
ließen dürftige Reste nur den aufmerksamen Be 
schauer ahnen, daß sich auf dieser weithin schauen-^ 
den und weithin sichtbaren Höhe Vorgänge abge 
spielt haben, die für die geschichtliche Entwicklung 
der Landgrafschaft Hessen von einschneidender Be 
deutung geworden sind. 
Ilm so mehr ist es zu begrüßen, daß unter tat 
kräftiger Förderung durch die Kasseler Regie 
rung, das Landratsamt Melsungen und die Ge- 
meinde Gensungen im vergangenen Herbst mit 
der Freilegung der Burg begonnen worden ist. 
Die Arbeiten werden vom Arbeitsdienst durchge 
führt und stehen unter Leitung von Regierungs 
und Baurat Dr. T e x t 0 r , der in den Ar 
beiten an der Weidelsburg reiche Erfahrung 
gesammelt und sich ein unvergängliches Ver 
dienst um die Erhaltung unserer heimatlichen 
Burgen erworben hat. Die Arbeiten find denn 
auch gut von statten gegangen; das bis jetzt ans 
Schutt und Boden herausgearbeitete Mauer- 
werk, in dessen Mitte der alte Bergfried in 
trotziger Wucht steht, zeigt die gewaltige Wider 
standskraft dieser Feste, deren weittragende Be 
deutung auch dadurch sinnfällig wird, daß die Be 
seitigung des Baumbestandes den Blick nach allen 
Seiten geöffnet hat. Die Arbeiten werden rüstig 
weitergeführt, und es kann bestimmt damit ge 
rechnet werden, daß wir noch in diesem Jahr ein 
unmittelbares Bild davon bekommen werden, wie 
die zweite, die hessische Burg ausgesehen und in 
welchem Umfang Mainz den Berg befestigt hat. 
So dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß diese 
Freilegungsarbeiten in Verbindung mit den schon 
jetzt beachtlichen Funden uns willkommenes und 
wertvolles Material bringen werden. Ob sie 
freilich das Dunkel, das über der ältesten Ge 
schichte des Berges schwebt, werden aufhellen kön 
nen, läßt sich vorerst noch nicht sagen. Lage und 
Gestalt des Berges legt die Vermutung nahe, 
daß sein Gipfel eine germanische Knltstätte ge 
sehen hat. Diese Vermutung durch den Hinweis 
auf den Namen des Berges stützen zu wollen, 
geht freilich nicht an. Denn seine erste urkund 
liche Erwähnung steht in unmittelbarem Zusam 
menhang mit seiner Erwerbung durch Mminz, 
das dann aus leicht begreiflichen Gründen den
        

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