Full text: Hessenland (46.1935)

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HessenlanH 
Zeitschrift iürLanbes- und Bolkskunde.Wchichte,Kunst unböchriftlum Seisens 
Herausgegeben mit dem Arbeitsring für hessische Heimatforschung an der Universität Marburg von Dr. C. H i tz er o t h 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
46.Mr«ang. 
Die Marburger Landschaft. 
Die im Jahre 1912 nach dem Tode Theo 
bald Fischers durch A. Rühl herausge 
gebenen „Geländestndien des Geographischen Se 
minars in Marburg" x ) sind der erste Versuch 
einer Landschaftsbeschreibung. Die Kartierung 
der Blätter Marburg und Niederwalgern im 
Rahmen der geologischen Landesaufnahme durch 
E. Käufer und dessen Ausführungen „Wer die 
Beziehungen zwischen Tektonik und Geländege 
staltung, insbesondere Talbildung in der Um 
gebung von Marburg" ") brachten neben der wei 
teren Arbeit W. Dienemannö über „Das 
oberhesstsche Buntsandsteingebiet" den Aufschluß 
über den geologischen Bau. Die Forschungen 
Blanckenhorns haben das Problem der 
alten Lahnläufe klargestellt *). Von geographi 
scher Seite aus hat O. RU a n l l in seiner Ar 
beit „Die Landschaft rnn Marburg a. d. L. in 
ihren morphologischen Beziehungen zur weiteren 
Umgebung" 5 ) vor allem die die deutschen Mittel 
gebirge überspannende „germanische Rumpfebene" 
im Sinne von G. Braun zum Gegenstand 
seiner Untersuchungen gemacht. 
Der Begriff „Marburger Landschaft" ist durch 
die beiden genannten geographischen Arbeiten nicht 
klargestellt und fest umrissen, die landschaftskund- 
li. )e Betrachtung wenig gefördert worden. Eine 
Marburger Landschaft lebt heute eigentlich nur 
1) Geograph. Anzeiger 1912, S. 1— 1 \, 25—28, 60, 
63. 
2) Geolog. Rundschau igiA, S. 158, iZg. 
3) Rahrb. d. König!. Preuß. Geolog. Landesanstalt 
für 191Z. Bd. XXXIV, Teiln, Heft 2. Berlin Igich 
P Blanckenhorn, M. und K u r tz , E. Die 
Flußläufe der Tertiärzeit in der Umgebung von Mar 
burg a. d. Lahn. Sikungsber. d. Gesellschaft z. Bef. 
d. ges. Naturwifs. z. Marburg, Berlin 1929. 
3) Zahresber. d. Frankfurter Der. f. Geographie 
u. Statistik 8l. 82. u. 8z. Ihg. Frankfurt a. M. igig. 
Rarburg, März /Avril 1835. 
Von Kurt Scharlau. 
im Sprachgebrauch und bringt hier einen Erleb 
nisinhalt zum Ausdruck, bei dem man rein ge 
fühlsmäßig die Stadt Marburg als Mittel 
punkt ihres Umlandes auffaßt, das aber je nach 
dem Gesichtspunkt, von dem aus man die Land 
schaft betrachtet, verschiedene räumliche Gestalt 
besitzt. In dieser unklaren räumlichen Vor 
stellung spiegelt sich die geographische Tatsache der 
Uneinheitlichkeit und Gegensätzlichkeit im Charak 
ter der Landschaft um Marburg wieder. Wir 
haben es hier nicht mit einem in sich geschloffenen 
und homogen geographischen Individuum zu tun, 
das von angrenzenden Landschaftsräumen deutlich 
abgesetzt und unterschieden ist. 
Der Landschaftscharakter um Marburg leitet 
über von dem paläozoischen Rheinischen Schiefer 
gebirge zu dem Triassockel Hessens mit seinen 
tertiären Auflagerungen, dessen Gefüge durch tek 
tonische Bruch- und Schollenbewegungen vielfach 
gestört und verändert ist. Diese Verschiedenartig 
keit der geologischen Bauelemente bedingt die 
unterschiedlichen Banformen des Landschaftsbildes. 
Stehen wir auf der Wehrshänser Höhe, so 
schauen wir nach Westen auf das bewegte, knppige 
Relief des Rheinischen Gebirges, wenden wir den 
Blick nach Osten, dann sehen wir in gleichmäßiger 
Höhenlage die wenig gegliederte Buntsandsteintafel 
das Landschaftsbild beherrschen, nur wenig über 
ragt von den ihr aufsitzenden Vulkankegeln des 
Stempels und des Frauenbergs. Diese Gegen 
sätzlichkeit im Aufbau des Reliefs ist das geogra 
phische Charakteristikum der Landschaft um Mar- 
burg, ihr Zusammenwirken im landschaftlichen 
Erscheinungsbild macht die Besonderheit dieses 
Landschaftsraumeö aus. 
Die Oberflächenformen dieses Gebietes zeigen 
übereinstimmend mit dem Aufbau des gesamten 
Sest 3/4.
        

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