Full text: Hessenland (46.1935)

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und teilte diese Wahrnehmungen den Herrn Bezirkg- 
konservalor Dr. Bleihaum in .Kassel und Kunstmaler 
Kienzle in Därmstadt mit, die aber beide das Vorhan 
densein solcher unter der Übertünchung als ausgeschlossen 
erachteten, bis letzterer entdeckte, daß der Vermutung 
entsprechend die Bilder doch vorhanden waren. 
Die Bilder sind Fresken, deren Entstehung in die 
Zeit der Vollendung des Kirchenbanes 1235—12/so an 
zunehmen ist. 
Das erste Bild über dem Aufgang zum Lettner 
stellt Maria dar, wie sie den Jesusknabcn zur Schule 
führt. Das Widerstrebende an dem Jesuskind ist 
wunderbar dargestellt. Es trägt in der linken Hand 
eine Schiefertafel eigenartiger Ausführung, die linke 
Hand der Maria ist wie schützend, das Böse abweh 
rend über dem Jesuskinde erhoben, die Darstellung, 
wie dieses aus dem schützenden mütterlichen Gewände 
hervortritt, der Blick der Maria, wie sie besorgt und 
mütterlich aus das Kind herabschaut, ist einzigartig. 
Das zweite Bild zeigt den 12jährigen Jesus im Tem 
pel, die rechte Hand erhoben, die Linke ein aufgeschla 
genes Buch haltend. Der untere Teil dieses Bildes ist 
nicht mehr erkennbar. Das dritte Bild zeigt den Apostel 
Petrus rüstig schreitend nach der göttlichen Weisung: 
Gehet hin in alle Welt. Das vierte Bild zeigt uns 
Christus als Lehrer der Welt, in ausgesprochen ger 
manischer Darstellung. Auf der Südseite des Chores 
find nur zwei Bildwerke erhalten geblieben. Das eine 
stellt Maria als Schutzpatrom'n der Kirche dar, deren 
weißer Gnadenmantel über eine Krypta fällt, in der 
ein Mönch betet. Daneben ein Kaiserbild im Krö- 
nunggmantel und Krone mit dem Modell der Kirche 
aus dem linken Arm. Dieses Bild kann nur als dag 
Kaiser Friedrich Barbarossas angesprochen werden, dem 
hier, wenige Jahrzehnte nach seinem Tode im fernen 
Morgenlande, in der Heimat als dem Gründer der 
Stadt und Stifter der Kirche ein Denkmal gesetzt 
wurde, dag als ältestes bisher bekanntes Barbarossa 
bild in Deutschland bezeichnet werden dürfte. Als letz 
tes Bildwerk wurde das im mittleren Feld der Kuppe 
lung befindlich gewesene und wiederauserstandene Bild 
„Christus als Richter der Welt" gezeigt, zur Linken 
die Mutter Gottes, zur Rechten Johannes der Täufer, 
dessen Darstellung als eine grandiose Leistung bezeichnet 
werden muß. Bemerkenswert ist an diesem Bild der 
Kopf Christi mit einem Kinnbart, der ihm einen Aus 
druck gewisser Strenge verleiht. 
Herr Rektor Kaufmann dankte Herrn Kreispfarrer 
Falk für den Vortrag und den Erschienenen für das 
Interesse für den kunstgeschichtlich so wertvollen Fund 
und sprach die Hoffnung aus, daß die Kunstwelt von 
der Bedeutung desselben überzeugt, diesen durch Geltend 
machung und Besuch immer mehr würdigen werde. 
Ani Mittwoch, dem 17. begrüßte der Vorsitzende, 
Rektor Kaufmann, die zum Oktober-Vortragsabend des 
Vereins zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste 
und teilte mit, daß der Redner des Abends, Herr 
Prokurist Rausester, aus Köln-Mühlheim, es leider 
nicht ermöglichen konnte persönlich zu kommen, jedoch 
das Manuskript seines Vortrages dem Geschäftsführer 
des Vereins, Herrn Lehrer Druschel übersandt habe. 
Herr Druschel unterzog sich dann der Aufgabe, den In 
halt des Vortrages „Bisherige Forschungsergebnisse über 
die Gelnhäuser Familie Nausester bekannt zu geben. In 
den umfangreichen Feststellungen ging der Verfasser zu 
rück ans dag erste urkundliche Erscheinen des Namenö- 
trägers in der Form de Nuseze im Januar 1251. 
Dieser Raine gibt die Herkunftsbezeichnung aus Nuseze, 
dem heutigen Reuses im Freigericht an. In dieser 
Schreibweise kommt der Name bis zum Jahre 1370 
vor. Es ist anzunehmen, daß der in Gelnhausen später 
eingebürgerte Zweig der Familie die Adelsbezeichnung 
abgelegt hat. istZg erscheint ein Konrad Nusesser aus 
Gelnhausen in der Leipziger Universitäts-Matrikel. In 
den Akten der alten Reichsstadt Gelnhausen kommt der 
Name Nausester und Nausester von 1369 an in kur 
zen Zeitabständen regelmäßig vor als Besitzer von Lie 
genschaften, als Ratspersonen und Zunftmeister in der 
Bäcker- und Müllerzunft. Die direkte Stammfolge ist 
bis jetzt einwandfrei zurückzuführen auf den um 1610 
in Gelnhausen geborenen Kaspar Nausester; dessen 
Söhne und Enkel Johann Jaeob I und Johann 
Jarob II waren Rotgerber und gehörten gleichfalls dem 
Rate der Stadt an. Ein Sohn des Enkels mit dem 
gleichen Vornamen Johann Jacob, studierte Theologie, 
war nach dem Verlassen der Hochschule kurze Zeit, von 
17^3 bis 1745 / Konrektor in Gelnhausen, später in 
Erbach, 1746 Diakonus in Erbach, 1749 Pfarrer zu 
Brensbach und 1734 Pfarrer zu Eschau. Auch dessen 
Sohn Heinrich Friedrich Nausester studierte Theologie 
und war in den Wirkungsstätten seines Vaters in Er 
bach, Eschau und Brengbach im Amte. Von den Nach 
kommen seiner Kinder hat sich kein Zweig mehr in die 
ursprüngliche Heimat der Familie verpflanzt, sondern 
ist von dort nach dem Rheinland und Westfalen ver 
zogen. In einem glänzenden Aufstieg sehen wir die 
Träger des Namens als hohe Verwaltungsbeamte, 
Geistliche, Fabrikanten, bedeutende Techniker, Offiziere, 
Philologen, hohe Justizbeamte und Kaufleute, deren 
Einzelschicksale treffend vor Augen geführt wurden. Als 
Besonderheit soll die Persönlichkeit des Wilhelm Anton 
Nausester, geboren 1806, hervorgehoben werden, der 
lange Zeit Bürgermeister von Eversberg an der Ruhr 
gewesen ist und später eine Wollfabrik in Lötmaring 
hausen bei Meschede errichtete. Bis zum 83. Lebens 
jahre ist er unvermählt geblieben, ließ sich nach zehn 
jähriger Ehe von seiner jungen Frau scheiden, und hat 
diese Trennung noch um fast 8 Jahre überlebt; denn 
erst am 3. Februar 1909 ist er, fast 103 Jahre alt, ge 
storben. Bei der Gelegenheit seines ioo. Geburtstages 
hat das Infanterieregiment Nr. 13 in Münster, bei 
dem er 1833/36 als Einjähriger gedient hatte, seine 
Regimentskapelle nach seinem Wohnorte entsendet, um 
dem alten Kameraden ein Ständchen zu bringen. Uber 
den Weg seiner Ermittlungen gab Herr Nausester eine 
eingehende Darstellung, in der er den Personenkreis er 
faßte, der ihn in seinen Forschungen unterstützte. 
Außerdem wurden noch Zusammenstellungen bekannt cii’ 
geben über das Lebensalter des Vorfahrenkreiseg Nas 
sester sowie über den Beruf desselben in der Zeit vonk 
17. bis zum 20. Jahrhundert. Eine photographische 
Nachbildung des Stammbaums der Sippe Nausester, 
dessen Wurzeln in den Gemeinden Neuses und Geln 
hausen verankert sind, wurde lebhaft gewürdigt. Die 
Versammlung folgte mit großem Interesse dem Vor 
tragsbericht und bekundete zum Schlüsse lebhaften Bei 
fall. Besonders wurde es dankbar begrüßt, daß Herr 
Nausester sich entschlossen habe, seine Arbeit dem Ge- 
schichtsverein Gelnhausen zu stiften. 
Für die Schrifrlcitung verantwortlich Archivrat Or. F. Uhlhorn, Marburg a. L., Lothringer Straße 20. Zuschriften an 
diese Adresse oder an den Herausgeber, Marburg a. L.. Markt 21. Verlag und Druck: Or. C. Hitzcroth, Marburg a. L. 
v. A.I/35: 850
        

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