Full text: Hessenland (46.1935)

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bürg als Baumeister des Ilniversitätsgebäudes. 
1878 habilitierte er sich an der Technischen Hoch 
schule in Berlin als Privatdozent und wurde 
1894 als Oberbaurat und Professor nach Karls 
ruhe an die Technische Hochschule berufen, wohin 
ein großer Kreis begeisterter Schüler ihn beglei 
tete. Wird der Iugendbau der Universität bei 
überraschend genialer Erfassung der Aufgabe und 
der städtebaulichen Situation von quellend spru 
delnder Formenfreude noch ein wenig überwuchert, 
so bringt die Karlsruher Zeit die reifsten 
Schöpfungen des Meisters: Die Wiederherstel 
lung der Iung-Sankt-Peter-Kirche in Straß 
burg, die Universitätsbibliothek in Freibnrg und 
die Domtürme in Meißen. 
Und doch bleibt der Hauptinhalt seines reichen 
Lebens, dem der Tod am 5. Mai 1908 ein Ende 
setzte, die Lehre von der deutschen 
Baukunst, die er in ewig junger Begeister- 
Bereinsnachrichken. 
Landsmannschaft der Kurhessen, Berlin 
(Verein der Knrhessen, Berlin 1890). 
Oie alljährlich stattfindende Grimmfeier der LandS- 
niannschaft der Kurhessen Berlin (Verein der Kurhes 
sen Berlin 1890) stand diesmal unter dem Zeichen des 
Andenkens an Jakob Grimm, dessen 150. Geburtstag 
auf den 4 - Januar fiel. Herr Landsmann Schröter 
stellte in seinem Vortrag „Persönliches aus dem Leben 
der Brüder Grimm" aus Briefen und sonstigen Ver 
öffentlichungen eine Fülle von einzelnen Zügen zu- 
sanimen, die ein farbiges Lebens- und Charakterbild 
der beiden Brüder ergaben. Das Vaterhaus in Stei 
nau an der Straße mit dem liebevollen, arbeitssamen 
Vater, die Marburger Studentenzeit, die zu einem in 
nigen Verkehr im Hause ihres Lehrers und Gönners 
Savigny führte, die Kasseler Zeit mit den Märchen 
erzählerinnen: Dortchen Wild, die später die Frau 
Wilhelm Grimms wurde, mit ihrer alten Magd 
Marie aus der Sonnenapotheke in der Marktgafse, 
Annette 0. Oroste-Hülshoff und die Viehmännin, der 
Besuch Jakob bei Goethe, zogen, ein buntes Bild, 
an unserem geistigen Auge vorüber. Das Mannesalter 
sah die Brüder mitten im politischen Kampfe in Göt- 
Bücherschau. 
Geschichtsblätter für Stadt und Kreis 
Gelnhausen. Nr. 35/36. November/Dezember 1934. 
I. L. Kreuter: Aug dem Gelnhäuser Hockenzunftbuch 
von 1669 bis 1728. (Fortsetzung). 
Oie hessische M alcrfamilie Tisch 
bein. Verzeichnis ihrer Mitglieder und einer Aus 
wahl ihrer Werke. (Kassel 1934, 36 S. und 8 Tafeln). 
Mit dieser Festgabe, die die Staat!. Sammlungen 
Kassel und der Museumsverband für Kurhessen und 
Waldeck dem Hess. GeschichtSverein zu seiner Jahr 
hundertfeier widmeten, wird zum ersten Male eine 
Uebersicht über die Tischbeins in drei Generationen ge 
boten und ein Ueberblick über ihre Werke, wie sie im 
ung in die Herzen seiner Schüler senkte! Da sei 
nem Forschergeist das Rüstzeug des Praktikers, 
des aktiv nachempfindenden, nachschaffenden 
Künstlers zu Gebote stand, fand er wichtigste 
Aufschlüsse aus oft unscheinbaren Spuren, die 
der nur philologisch eingestellten Kunstwissenschaft 
entgehen mußten. Alles aber rundete sich ihm zum 
Ganzen in dem Bestreben, seiner zersplitterten 
Zeit durch ernste Schulung an den großen 
Schöpfungen der Vorfahren das Rüstzeug zu ge 
ben, wieder zu einer eigenen deutschen Baukunst 
zu kommen. Ihm ging es nicht um die Form, 
sondern um dag W e s e n. — 
Aus Anlaß seines diesjährigen Geburtstages 
hatte sich ein größerer Kreis von Carl Schäfers 
Schülern in Kassel zusammengefunden, um nach 
Stiftung der Bronzetafel in Dankbarkeit ihres 
alten Meisters zu gedenken. 
tingen. Treffend und scharf ist die Charakteristik der 
einzelnen Typen der Profefsorcnschaft, die den Ereig 
nissen größtenteils lau und gleichgiltig gegenüberstanden, 
in der Schrift Jakob Grinmis über seine Entlassung. 
Aus der Berliner Zeit ist ein Vortrag Jakob Grimms 
auf dem Germanistentage 1846 in Frankfurt am Main 
wie für unsere Zeit geschrieben. Er wendet sich hierin 
scharf gegen die törichte Verschärfung des Gegensatzes 
von Nord und Süd und gegen jeden Glaubenshader. 
Gott läßt seine Sonne über allen Menschen leuchten. 
Ergreifend die Worte, die Jakob Grimm seinem Bru 
der in seiner Gedächtnisrede in der Berliner Akademie 
widmete: „Ich soll hier von meinem Bruder reden, den 
nun schon ein halbes Jahr meine Augen nicht mehr er 
blicken und der doch nachts im Traume immer noch 
neben mir steht". 
Zum Schluß feierte der Vortragende die beiden 
Brüder als die Wegbereiter unserer Zeit. Sie waren 
die ersten, die die verschüttete Duelle aufdeckten, aus 
denen die ewig junge germanische Seele hervorspru 
delte. Jakob Grimm, ein Seher, der Vergangenheit 
Prophet, hat den heiligen Born des deutschen Volks 
tums aufgedeckt, der Sage Runenwart den lauschenden 
Geschlechtern verkündet (Felex Dahn). 
Schotte. 
Winter 193^33 in der Tischbeinausstellung vereinigt 
waren. Es werden 242 davon aufgeführt. Prof. K. 
Lulhmer gibt hier in der ihm eigenen feinen Art eine 
gute Charakteristik der Meister und ihrer Werke. 
Man muß doppelt dankbar dafür sein, da noch keine 
umfassendere Darstellung der Künstlerfamilie als Gan 
zes besteht und jene Ausstellung es uns zuerst zeigte, 
welche Fülle von Arbeiten von ihr ausgingen. Fami 
lieneigenart der verschiedenen Künstler und deren lln- 
terschiede in Auffassung und Malweise, zeitbedingt 
durch den Generationswechsel allein schon, wurden in 
der genannten Ausstellung so recht deutlich. Mit ihr 
und diesem Katalog der Werke ist aber erst ein Aus 
gangspunkt für jene weitere Forschung gegeben.
	        

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