Full text: Hessenland (46.1935)

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ñbb. 7. Die Stciiibauícn des IDieraer Grabhügels nach dem Wiederaufbau 
Walde der Gemeinde W i e r a in der Schwalm 
ein besonders großer Grabhügel von 22 Meter 
Durchmesser und 1,50 Nieter Höhe ausge 
graben (Abb. 5). Während er an Funden nur 
einen ganz einfachen Tonnapf barg, überraschte die 
einzigartige Schönheit seines Baues. Wieder 
liegt der Tote in der Mitte der Anlage auf dem 
flachen Boden in einem Holzsarg, über den sich 
ein aus großen Steinen gebildeter Haufen wölbt. 
Als einige Zeit nach der Bestattung die Decke 
des Sarges einbrach, fielen auch die darüber 
liegenden Steine nach, so daß sich in dem Haufen 
eine Mulde bildete, die auch heute in der Rekon 
struktion sichtbar ist. Zn einem Abstand von 10 
Mietern läuft um diesen Mittelbau ein Mauer- 
kranz von selten schöner Bauweise. Zu ziemlich 
regelmäßigen Abständen von etwa 2 Nietern 
stehen senkrechte, etwa 0,60 Meter aus dem Bo 
den ragende hohe Buntsandsteinsäulen, zwischen 
denen aus Steinplatten eine Mauer gebaut ist. 
Fest mit Ntörtel gebaut, wie sie heute steht, 
wurde sie freilich nicht aufgefunden. Zur Zeit 
der Errichtung des Grabes, in der mittleren 
Bronzezeit (etwa 14. Jahrhundert v. Chr.), war 
ein Mörtel-Mauerwerk unbekannt. Die Stein 
platten wurden vielmehr lose aufeinandergepackt. 
Dem Druck der Erde, die über dem Bau zu 
einem etwa 2,50 Meter hohen Hügel so ge 
schüttet war, paß die Außenseite der Mauer frei- 
blieb, hat das lose Steingefüge nicht standhalten 
können. Es stürzte im Laufe der Zeit nach außen 
und selbst die Steinsäulen wurden aus ihrer senk 
rechten Lage gedrückt (Abb. 6). Die Erde floß 
nach und bedeckte schließlich die Steine der Mauer. 
Das Grab bot so big zu seiner wissenschaftlichen 
Untersuchung dasselbe Bild wie viele andere 
scheinbar einfach aus Erde aufgeschüttete Hügel. 
Ein noch nicht aufgedeckter, in nächster Nachbar 
schaft liegender vermittelt die Vorstellung vom 
Aussehen unseres heute so eindrucksvollen Denk 
mals vor seiner Wiedergewinnung. 
Bei fleißiger Arbeit dauerte es drei Wochen, 
bis der Steinbau völlig freigelegt war. Sein An 
blick war so schön, daß stch die Gemeinde zur 
Übernahme der kosten des ^Wiederaufbaues und 
zur dauernden Erhaltung entschloß. Ein roher 
aber gewaltiger Steinhaufen als Znnenbau, ein 
gefriedet von einer kreisförmigen Steinmauer mit 
„Eingangsöffnung" wurde getreu dem Ausgra 
bungsbefund von neuem gebaut und zur besseren 
Erhaltung mit Mörtel befestigt. Die ehemals 
diesen Steinban überdeckenden Erbmassen des 
Hügels aber (etwa 220 Kubikmeter) wurden in 
Lagelanger Arbeit im Gelände verstreut. Wiera 
darf stolz fein auf fein einzigartiges Denkmal aus 
der ältesten Geschichte unserer Heimat (Abb. 7). 
Zn Zeitungen und Büchern wird heute mit 
Recht zu Felde gezogen gegen die Zrrlehre, die 
der deutschen Vorzeit jegliche Kultur abspricht. 
Gibt es bessere Zeugnisse gegen diese Zrrlehre als 
diese wiedererstandenen uralten Grabmäler auf 
hessischem Boden? Eindrucksvoll erzählen die in 
erheblicher Arbeitsleistung vieler Hände errichte 
ten Bauten vom Totenbrauch der Menschen, die 
vor Tausenden von Zähren denselben Boden be 
wohnten und bearbeiteten, der uns heute Brot 
gibt. Und deshalb verdienten diese Stätten von 
allen Volksgenossen besucht zu werden. Und 
nirgends können Lehrer ihren Schülern einen bes 
seren Einblick in heimische Vorzeit geben, als vor 
diesen schlichten und doch großartigen Bauten aus 
Stein und Erde.
        

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