Full text: Hessenland (46.1935)

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Hbb. 4. Grabhügel bei Friedigerode, im ursprünglichen Zustand wieder aufgebaut (Nach einer Aufnahme von 
lebt die alte Überlieferung in einer Sage fort, die 
uns von dem Lartarinsgrabe erzählt. 
Beiden Denkmälern, dem Züschencr und dem 
Gudensberger Grab, kommen in ihrer Wucht nur 
die Hünengräber des Nordens gleich. Wir wol 
len uns freuen, auch auf unserem Heimatboden 
zwei so ansehnliche Zeugen uralter Geschichte 
deutschen Bodens zu besitzen. 
Zn den im Bannkreis des Gudensberger Gra 
bes liegenden Denkmalen gehört ein etwas 200 
Iüeter entferntes, ebenfalls in seinen Urzustand 
zurückversetztes Hügelgrab. 
Zn den weiten hessischen Wäldern finden wir 
hunderte ähnlicher Grabmäler, die freilich sehr un 
scheinbar als flache Erd- oder Steinhügel sich 
heute über dem Waldboden erheben und oft nur 
bei geduldigem Suchen als künstliche Aufschüt 
tung auffallen. Viele dieser Hügel sind als 
Grabstätten bekannt geworden rmd in achtloser 
Weise ihres Inhaltes beraubt. Wie traurig 
steht nicht ein solcher verschandelter Grabhügel 
aus! Wenige von ihnen konnten bisher wissen 
schaftlich untersucht werden, so daß ihr Bauplan 
aus dem Papier festgehalten wurde. Und nur in 
besonders günstigen Fällen ermöglichte die gute 
Erhaltung den Wiederaufbau des Grabmales in 
seiner ursprünglichen Gestalt. 
Zn dem Gudensberger Grabhügel war der 
Tote in einem festen Holzsarge, dessen Spuren in 
Erdverfärbungen gefunden wurden, ans dem ebe 
nen Boden aufgebahrt. Uber ihn schütteten die 
Stammesgenossen einen Erdhügel und überdeckten 
ihn mit einem Steinmantel, der aus einem äuße 
ren, acht Meter im Durchmesser haltenden Kranz 
von dicht nebeneinander gesetzten großen Steinen 
und einer losen Steindecke über der ÜÜitte des 
Erdhügels bestand. 
Rüffer-Dberaula) 
Man hatte dem Toten seine Waffe mitge 
geben, einen Dolch und einen Streitmeißel von 
Bronze, die uns festzustellen erlauben, daß das 
Grab der Bronzezeit angehört und etwa 3300 
Zahre alt ist. Der Inhalt des Grabes wanderte 
in das Landesmuseum in Kassel. Den Grab 
hügel aber hat man wieder so aufgeschüttet, wie 
er vor Jahrtausenden gebaut worden war. Über 
dem umlaufenden, festgefügten Steinkreis hebt sich 
der mächtige Erdsteinhügel aus seiner Umgebung. 
Solcher wieveraufgebauter Grabhügel gibt es 
in Hessen noch mehr. Im TLinter 1929 wurde 
ein Bau derselben Zeitstellung im Knüll dicht am 
Eisenberg, auf der Donnerkaute, Gemeinde Frie- 
digerode, der dem Straßennenbau Oberaula— 
Salzberg zum Opfer zu fallen drohte, untersucht. 
Die Bestattung war — wie in Gudensberg — 
vergangen, doch sichert eine dem Toten mitgegebene 
Streitaxt die zeitliche Bestimmung. Der um das 
Grab laufende teilweise sorgfältig gebaute Stein 
kreis konnte dank dem Entgegenkommen der Stra- 
ßenbauleitung auch hier erhalten werden. Er 
stützt den Fuß des einfachen über ihn geschütteten 
Erdhügels (Abb. 4). 
Im Sommer 1930 wurde in den Lahnbergen, 
südlich von Marburg, nahe dem Lichten Küppel, 
ein Hügelgrab untersucht, das eine Brandbestat- 
tnttg der älteren Hallstattzeit (um 1000 v. Chr.) 
barg. Auch hier bildet ein heute sichtbarer sorg 
fältig gefügter Kreis von großen Buntsandsteinen 
den Rand des flachen Erdhügels, den die Forst 
verwaltung verständnisvoll durch Bepflanzung mit 
Birken hervorhob. 
Nur in einem ganz besonders günstigen Falle 
konnte die Anläge offengehalten werden, so daß 
heute auch der innere Steinban freiliegt. Im 
Herbst 1932 wurde auf dem Heidelberg im
        

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