Full text: Hessenland (46.1935)

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der prächtige Zustand des Baues selbst und der 
figürliche Schmuck machen das Züschener Grab 
zu einem wahren Schatz unseres Heimatbodens. 
Gibt es doch weit und breit kein Denkmal, das 
sich mit ihm an Alter, Schönheit und Sorgfalt 
der Ausführung messen könnte. 
Ein ähnlicher Grabbau aus ebensolchen Stei 
nen wurde im Sommer 1932 im Aufträge des 
Staatlichen Vertrauensmannes für die kulturge 
schichtlichen Bodenaltertümer im Regierungs 
bezirk Kassel, Herrn Prof. Dr. v. Merhart, im 
Gudensberger Stadtwald unweit des 
Forsthauses Gestöcke zwischen Metze und Besse 
untersucht. Trotz der verwirrend großen Anzahl 
der kreuz uns quer liegenden freigedeckten Stein 
trümmer (Abb. 2) des offenbar Voralters ab 
sichtlich zerstörten Baues gelang eö, in diese Mas 
sen Ordnung hineinzubringen. Zu mühevoller 
Arbeit wurden die auseinandergeschlagenen, oft 
viele Zentner schweren Steintrümmer mit Win 
den und Flaschenzügen aneinandergepaßt und mit 
- Mörtel wieder vereint. Dort, wo einst einige 
nur dem erfahrenen Fachmanne nicht regellos er 
scheinende Steine aus dem V^aldboden ragten, 
zeigt sich heute dem Beschauer der ehemalige Bau 
in voller Klarheit, wenn auch längst nicht so gut 
erhalten wie in der Züschener Steinkiste. 
(Abb. 3). Die beiden 11 Meter langen, in 
einem Abstand von 4 Meter laufenden Längs 
wände bestehen aus großen dicht aneinander gereih 
ten, aufrechtstehenden Basalt- und Lmarzitplatten. 
Je ein großer Stein bildete die Stirnwände, von 
denen der eine nur in Trümmern erhalten ist, 
während der andere noch heute über 2 Meter an 
Höhe mißt. Die Ouerwände find ans beiden 
Seiten des Baues soweit zwischen die Längs 
wände gerückt, daß zwei nach außen offene Vor 
räume entstehen. Der Jnnenraum dürfte mit 
einem Holzdach überdeckt zu denken sein, das frei 
lich keine Spuren hinterlassen hat. Das ganze 
Bauwerk bildet so ein wahres Totenhaus, in dem 
viele Generationen Jahrhunderte lang ihre Toten 
bestattet haben. Vom Inhalt haben indes nur 
bescheidene Reste die Zerstörung überdauert, die 
vermuten lassen, daß hier Tote von der jünge 
ren Steinzeit an (2000 v. Chr.) bis etwa zum 
Beginn unserer Zeitrechnung bestattet wurden, 
oder daß der Grabbau in jüngerer vorgeschicht 
licher Zeit anderweitig verwendet wurde. Im 
Bannkreis des weithin sichtbaren monumentalen 
Denkmales begruben spätere Bewohner der Land 
schaft noch mehrmals ihre Toten, und bis heute 
Kbb. 3. Die wiederaufgebaute Steinkiste im Gudensberger Stadtwald (Nach einer Aufnahme von 
Albert Leon, Ulein Englis)
	        
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