Full text: Hessenland (46.1935)

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zu erhalten. Llllan hat das in verschiedenen Ge 
genden Deutschlands versucht und off recht trübe 
Erfahrungen gesammelt. Fast immer bietet eine 
Fläche, bald nachdem sie der Ausgräber verlassen 
hat, ein trauriges Bild. Erdwände stürzen nach 
kurzer Zeit ein, die losen Steine — Mörtel ist 
den Erbauern dieser Denkmäler noch unbekannt 
— fallen ans ihrem Verband. Das aus jeder 
Erdritze wuchernde Unkraut verdeckt bald die 
Stätte. 
Aber auch trotz dieser schlechten Erfahrungen 
finoen wir heute in Hefsen-Kassel eine Reihe 
wiedererstandener Grabmäler, deren Entstehung 
Jahrtausende zurückliegt. Sie sollen hier einmal 
aufgezählt sein, da sie von jedem Volksgenossen 
aufgesucht zu werden verdienen. 
Bekannt und berühmt ist das Z ü s ch e n e r 
Steingrab (Abb. i) in der Gemarkung 
Lohne, Kreis Fritzlar, das bereits 1894 ansge- 
graben und mit Hilfe des Hessischen Geschichts 
vereins an Ort und Stelle erhalten wurde. Wir 
sehen da an einem sanften Berghange im Boden 
eingetieft eine große rechteckige Kammer — 20 
mal 3,50 RUeter — gefügt aus riesigen Sand- 
steinplatten, die behauen sind. Dem aufmerk 
samen Besucher fallen eingeritzte Zickzackmuster 
und zahlreiche primitiv gezeichnete Darstellungen 
auf, unter denen ein von Ochsen gezogener Kar 
ren mehrmals wiederkehrt. Aus dem Abschluß 
stein der einen Schmalseite ist ein kreisrundes 
Loch gemeißelt, das „Seelenloch". Fm Fnnen- 
raum liegt ein letzter Rest der Decke des Baues, 
die ebenfalls aus riesigen Steinplatten bestand. 
Aus den bei der Ausgrabung gemachten Funden 
können wir das Alter und den Zweck der Anlage 
erkennen. Wir wissen, daß das Bauwerk gegen 
Ende der jüngeren Steinzeit, also vor etwa 4000 
Fahren errichtet wurde und eine große Grab 
kammer bildet, in der mindestens 27 Leichen be 
stattet waren. Wir dürfen in ihr den Begräb 
nisplatz eines Geschlechtes »der einer anderen Ge 
meinschaft vermuten. Die ungeheuere Arbeits 
leistung wird uns erst klar, wenn wir erwägen, 
daß die riesigen Wand- und Decksteine mit den 
primitivsten Stein- und Holzgeräten — Metalle 
waren noch nicht oder in bescheidensten Mengen 
in Gebrauch — von dem jenseitigen Talhang 
hierher gebracht und kunstvoll zugerichtet wurden. 
Heute leidet das Grab freilich sehr unter den 
Einflüssen der Witterung. Manche, ehemals 
klar heraustretende Figuren find nur noch bei 
scharfem Zusehen und günstiger Beleuchtung er 
kennbar. Die reichlich herumliegenden Papier 
fetzen, Mahlzeitreste, gar gedankenlose Kritze 
leien unverständiger Besucher machen den An 
blick der Grabstätte zudem nicht erfreulich. Ab 
hilfe dieser Mangel ist für die Erhaltung der 
einzigartigen Anlage unbedingt erforderlich. Denn 
5lbb. 2. Die Trümmer der Steinkiste in Gudensberger Stadtwald vor dem Wiederaufbau 
während der Untersuchung
	        

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