eigen und gemäß ist, stellt er sie dar. Diese stille
feine Kunst Heinrich Giebels vermag uns zum
Miterleben anzuregen und mit seinem Empfinden
zu erfüllen. Eine nachhaltige Wirkung in uns ist
ihnen sicher. Das danken wir ihm und seiner hohen
Kunst heute an seinem 70. Geburtstag ganz be
sonders.
Auch für die Kultur unseres Hessenlandes und
seine Kunst- und Lebenöanschauungen durch die
Jahrhunderte hindurch hat er, selbst Hesse,
Friedrich Küch zum Gedächtnis
Friedrich Küch, der im 73. Jahre von uns ge
gangen ist, war, nicht nur dem Geburtslande
nach, sondern nach der Abkunft, ein Hesse. Und
als Heimatmensch, den die Wurzellosen wohl nie
recht begriffen, muß er verstanden werden. Gebo
ren am 3. Ntärz 1663 in Salmünster an der
Kinzig als Sohn eines kurhesstschen Beamten,
hat er seine Schuljahre in Hanau verbracht.
Dort fand er auch schon in Georg Wolff, dem
Archäologen der Wetterau, einen Lehrer, von dem
er lernte, die vaterländische Geschichte in der
eigenen Heimat aufzusuchen. Student war er
dann in Leipzig und Berlin, vor allem aber an
der Landesuniversität in Marburg, das ihn fest
gehalten hat. Seine historischen Lehrer waren hier
vornehmlich Conrad Varrentrapp, bei dem er pro
movierte, und Mmx Lenz. Er begann aber zu
nächst bei Bormann am Corpus der römischen
Inschriften zu arbeiten, bis er den Weg ins
Marburger Archiv fand. Ihm ist er dann, nur
anfangs einmal auf kaum fünf Jahre nach Düs
seldorf versetzt, sein Leben lang treu geblieben;
und von Ende 1914 bis 1929 hat er es als Di
rektor geleitet. 2Die heimatverhaftet er war, mag
man daraus abmessen, daß über vierzig Jahre
vergingen, bis er die von ihm wenig geliebte
Reichshauptstadt einmal wieder besuchte, um nach
kaum drei Stunden schon wieder heimwärts zu
fahren, wie er selber lächelnd bekannte.
Daß ein so bodenständiger Mann, zumal als
Archivar, ein ausgesprochener Historiker der eige
nen Heimat werden mußte, war fast eine Selbst
verständlichkeit. So sind denn außer seiner Dis
sertation, in der er die Landfrieden Friedrich Bar
barossas behandelte, und einer großen Ämellenver-
öffentlichung, die die späte Frucht seiner Düssel
dorfer Jahre war, wohl alle seine Arbeiten irgend
wie auf Hessen bezogen gewesen.
*) Nach einer Grabrede. Vgl. den Artikel van C.
Kn et sch zum 70. Geburtstag Küchs im Jahrgang 19ZZ
dieser Zeitschrift.
stets das wärmste Interesse gehabt. (Bett
langen Jahren ist er der Konservator der Mar
burger Sammlung und hat sich besonders um
die Aufstellung derselben im Schloß verdient ge
macht. Der hessische Geschichtsverein hat diese
seine stille aber intensive und feine Tätigkeit ge
würdigt dadurch, daß er ihn zum Ehrenmit
glied ernannte. Mögen ihm noch viele Jahre
seines reinen und hohen Schaffens vergönnt
sein!
) Von Edmund E. S t e n g e l.
Innerhalb dieser Begrenzung weisen sie aber
eine staunenswerte Vielseitigkeit auf, indem sie sich
abwechselnd auf zum Teil sehr verschiedenen Spe
zialgebieten bewegen.
llnmittelbar aus den Vrdnnngsarbeiten des
Archivars heraus entstand sein wohl umfangreich
stes Werk, das zweibändige „Politische Archiv
Philipps des Großmütigen", des größten deutschen
Fürsten in Hessen, dem das Marburger Staats
archiv seine europäische Bedeutung verdankt, —
in Aufbau und Zusammenfassung geradezu das
Schulbeispiel eines modernen Repertoriums.
Aus der intensiven Beschäftigung mit den hes
sischen Stadtarchiven, die größtenteils im Mar
burger Staatsarchiv aufbewahrt werden, gingen,
ebenfalls in zwei Bänden, die so inhaltsvollen
„Rechtsqnellen der Stadt Marburg" hervor,
ein köstlicher, von Küch selbst in seiner gediegenen
Einleitung lebendig gemachter Schatz ans der kul
turgeschichtlichen Vergangenheit seiner zweiten
Heimat.
Die alten Rechnungen und „Salbücher" des
hessischen TerritorialstaatS regten ihn zu kritischen
Arbeiten über den Landgrafen Hermann den Ge
lehrten und über das Amt Marburg an, die
eine Zierde der „Zeitschrift des Vereins für hes
sische Geschichte" bilden und der Forschung neue
Ziele gesteckt haben.
Daneben galt seine ganze Liebe dem ungeheu
ren Reichtum seines Staatsarchivs an mittel
alterlichen Siegeln und damit zugleich dem Wap
penwesen, das er auch an den Münzen studierte.
In jahrzehntelangem Fleiß hat er tausende von
Siegeln gesichtet, verzeichnet, beschrieben. Vor
allem aber hat er sie durch wertvolle Zeichnungen
veranschaulicht.
Denn das ist für den Gelehrten Küch beson
ders bezeichnend, daß er mit künstlerischer Bega
bung in seltenem Maße begnadet war: nur der
kennt ihn recht, der seine mit Feder und Pinsel
geschaffenen Wappenblätter gesehen hat, aber
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