Full text: Hessenland (46.1935)

eigen und gemäß ist, stellt er sie dar. Diese stille 
feine Kunst Heinrich Giebels vermag uns zum 
Miterleben anzuregen und mit seinem Empfinden 
zu erfüllen. Eine nachhaltige Wirkung in uns ist 
ihnen sicher. Das danken wir ihm und seiner hohen 
Kunst heute an seinem 70. Geburtstag ganz be 
sonders. 
Auch für die Kultur unseres Hessenlandes und 
seine Kunst- und Lebenöanschauungen durch die 
Jahrhunderte hindurch hat er, selbst Hesse, 
Friedrich Küch zum Gedächtnis 
Friedrich Küch, der im 73. Jahre von uns ge 
gangen ist, war, nicht nur dem Geburtslande 
nach, sondern nach der Abkunft, ein Hesse. Und 
als Heimatmensch, den die Wurzellosen wohl nie 
recht begriffen, muß er verstanden werden. Gebo 
ren am 3. Ntärz 1663 in Salmünster an der 
Kinzig als Sohn eines kurhesstschen Beamten, 
hat er seine Schuljahre in Hanau verbracht. 
Dort fand er auch schon in Georg Wolff, dem 
Archäologen der Wetterau, einen Lehrer, von dem 
er lernte, die vaterländische Geschichte in der 
eigenen Heimat aufzusuchen. Student war er 
dann in Leipzig und Berlin, vor allem aber an 
der Landesuniversität in Marburg, das ihn fest 
gehalten hat. Seine historischen Lehrer waren hier 
vornehmlich Conrad Varrentrapp, bei dem er pro 
movierte, und Mmx Lenz. Er begann aber zu 
nächst bei Bormann am Corpus der römischen 
Inschriften zu arbeiten, bis er den Weg ins 
Marburger Archiv fand. Ihm ist er dann, nur 
anfangs einmal auf kaum fünf Jahre nach Düs 
seldorf versetzt, sein Leben lang treu geblieben; 
und von Ende 1914 bis 1929 hat er es als Di 
rektor geleitet. 2Die heimatverhaftet er war, mag 
man daraus abmessen, daß über vierzig Jahre 
vergingen, bis er die von ihm wenig geliebte 
Reichshauptstadt einmal wieder besuchte, um nach 
kaum drei Stunden schon wieder heimwärts zu 
fahren, wie er selber lächelnd bekannte. 
Daß ein so bodenständiger Mann, zumal als 
Archivar, ein ausgesprochener Historiker der eige 
nen Heimat werden mußte, war fast eine Selbst 
verständlichkeit. So sind denn außer seiner Dis 
sertation, in der er die Landfrieden Friedrich Bar 
barossas behandelte, und einer großen Ämellenver- 
öffentlichung, die die späte Frucht seiner Düssel 
dorfer Jahre war, wohl alle seine Arbeiten irgend 
wie auf Hessen bezogen gewesen. 
*) Nach einer Grabrede. Vgl. den Artikel van C. 
Kn et sch zum 70. Geburtstag Küchs im Jahrgang 19ZZ 
dieser Zeitschrift. 
stets das wärmste Interesse gehabt. (Bett 
langen Jahren ist er der Konservator der Mar 
burger Sammlung und hat sich besonders um 
die Aufstellung derselben im Schloß verdient ge 
macht. Der hessische Geschichtsverein hat diese 
seine stille aber intensive und feine Tätigkeit ge 
würdigt dadurch, daß er ihn zum Ehrenmit 
glied ernannte. Mögen ihm noch viele Jahre 
seines reinen und hohen Schaffens vergönnt 
sein! 
) Von Edmund E. S t e n g e l. 
Innerhalb dieser Begrenzung weisen sie aber 
eine staunenswerte Vielseitigkeit auf, indem sie sich 
abwechselnd auf zum Teil sehr verschiedenen Spe 
zialgebieten bewegen. 
llnmittelbar aus den Vrdnnngsarbeiten des 
Archivars heraus entstand sein wohl umfangreich 
stes Werk, das zweibändige „Politische Archiv 
Philipps des Großmütigen", des größten deutschen 
Fürsten in Hessen, dem das Marburger Staats 
archiv seine europäische Bedeutung verdankt, — 
in Aufbau und Zusammenfassung geradezu das 
Schulbeispiel eines modernen Repertoriums. 
Aus der intensiven Beschäftigung mit den hes 
sischen Stadtarchiven, die größtenteils im Mar 
burger Staatsarchiv aufbewahrt werden, gingen, 
ebenfalls in zwei Bänden, die so inhaltsvollen 
„Rechtsqnellen der Stadt Marburg" hervor, 
ein köstlicher, von Küch selbst in seiner gediegenen 
Einleitung lebendig gemachter Schatz ans der kul 
turgeschichtlichen Vergangenheit seiner zweiten 
Heimat. 
Die alten Rechnungen und „Salbücher" des 
hessischen TerritorialstaatS regten ihn zu kritischen 
Arbeiten über den Landgrafen Hermann den Ge 
lehrten und über das Amt Marburg an, die 
eine Zierde der „Zeitschrift des Vereins für hes 
sische Geschichte" bilden und der Forschung neue 
Ziele gesteckt haben. 
Daneben galt seine ganze Liebe dem ungeheu 
ren Reichtum seines Staatsarchivs an mittel 
alterlichen Siegeln und damit zugleich dem Wap 
penwesen, das er auch an den Münzen studierte. 
In jahrzehntelangem Fleiß hat er tausende von 
Siegeln gesichtet, verzeichnet, beschrieben. Vor 
allem aber hat er sie durch wertvolle Zeichnungen 
veranschaulicht. 
Denn das ist für den Gelehrten Küch beson 
ders bezeichnend, daß er mit künstlerischer Bega 
bung in seltenem Maße begnadet war: nur der 
kennt ihn recht, der seine mit Feder und Pinsel 
geschaffenen Wappenblätter gesehen hat, aber 
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