Full text: Hessenland (46.1935)

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Stimmungsbilder und Landschaften und vor allem 
das Bildnis zu meistern verstand. 
Giebel besuchte Willingshausen im Jahre 
(888 zum ersten Male, er zählt also neben seinem 
Freunde Carl Bantzer zu den ältesten der noch 
lebenden Künstler der Malerkolonie. Geheimrat 
Bantzer hat in seiner Artikelserie „Hessens Land 
und Leute in der deutschen Malerei" im „Hessen- 
land" darum besonders auch Heinrich Giebel'ö ge 
dacht, worauf wir an dieser Stelle verweisen kön 
nen, dort finden sich auch einige treffliche Abbil 
dungen seiner Werke. Immer wieder kehrte 
Giebel nach Willingshausen zurück, aber er 
malte auch in. Runkel a. d. Lahn, Frielendorf, 
Neustadt und im Biedenköpfer Land. Vor allen 
Dingen verdanken die Marburger ihm eine Reihe 
saftiger, frischer Bilder aus unserer schönen 
Stadt, Architekturen und Landschaften. Zuletzt 
malte er in Schlitz und in Büdingen, deren 
romantische Heimlichkeiten ihn besonders anzogen. 
191Z wurde ihm das Lehramt für Zeichnen und 
IValen an der Universität Marburg übertragen, 
ein Amt, das er über 20 Jahre lang mit größ 
tem Erfolg ausübte und ausbaute. Einer statt 
lichen Zahl Schüler und Schülerinnen ist er Leh 
rer für die Kunst geworden. Diese seine Arbeit 
hat nicht nur bei den Generationen von Schü 
lern, denen er Lehrer und Meister war, Anerken 
nung gefunden, sie fand auch die Anerkennung 
der Universität, die es ihm besonders dankte, daß 
er durch seine Kunst, die tief im hessischen Volk 
und Boden verwurzelt ist, Werke von bleiben 
dem Wert schuf, und durch sein hervorragendes 
künstlerisches Schaffen selbst die Arbeit an der 
Universität so fruchtbar gestalten konnte. 
Diese so eng mit unserem hessischen Fühlen und 
Denken verbundene und bedeutsame deutsche 
Kunst hat sich längst ihren Platz erobert. Frei 
lich die Bilder Heinrich Giebels sprechen nicht in 
lauten Tönen zu uns, sie wollen aufgesucht 
sein, um sie ganz zu genießen. Die feine 
Stimmung, den Duft einer Landschaft 
weiß Giebel mit tiefer Empfindung einzufangen 
und uns für immer zu vermitteln. Der hessische 
Bauer und die hessische Bäuerin treten lebendig 
uns aus den Bildern Heinrich Giebels entgegen, 
so wie sie find, mitten aus dem täglichen Leben, 
aus der Arbeit heraus, mit all dem Zauber, den 
das Eigenleben jedes einzelnen wahren Menschen 
ihm verleiht. Mitten in der Umgebung, die ihm 
Aufnahme: Hofphotograph (E. Eberth, Kassel
        

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