Full text: Hessenland (46.1935)

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aus ungezwungenen Redeweise gesprochen und sich 
so gar nicht in Szene zu setzen versuch,, wie ver 
schiedene seiner damaligen Kollegen. Ich habe ihn 
nie von seinen Väerken, seinen Reisen oder sonsti 
gen Erlebnissen sprechen hören, obgleich er damals, 
als ich öfter mit ihm zusammen war, schon sechzig 
Jahre alt war, viel gearbeitet und viel erlebt hatte, 
er war schon fünfzehn Jahre ordentlicher Professor 
der Kunstgeschichte in Berlin. 1859 hatte er sich mit 
Zi Jahren mit der ungefähr gleichaltrigen Gisela 
von Arnim, Tochter Achims v. Arnim und der 
Bettina geb. Brentano, verheiratet. Gisela kam 
eines Tages zu spät zum Mittagessen nach Hanse 
und wurde deswegen ermahnt, sie bedauerte die 
Verspätung und sagte: „ich konnte nämlich nicht 
früher kommen, denn ich habe mich eben mit Her- 
man Grimm verheiratet" und „wo ist der Her 
man?" „Der ist auch nach Hause gegangen". An 
scheinend konnten sie damals noch keinen eigenen 
Hausstand gründen, Herman hat sich erst 1870 
als Privatdozent für neuere Kunstgeschichte in 
Berlin habilitiert, 167Z wurde er ordentlicher 
Professor. Gisela Grimm starb kinderlos in, 
April 1889 in Florenz und ist dort beigesetzt. 
Herman Grimm hat Romane und Novellen 
geschrieben, die wohl kaum noch bekannt sind. 
Seine Hauptwerke sind: Leben des Michelangelo, 
Goethe, Homers Ilias und eine große Zahl von 
Estay's. Sein Michelangelo liest sich wie ein 
Roman und ist eine Kulturgeschichte der Zeit, in 
der Michelangelo, seine Vorgänger und seine 
Nachfolger gelebt und gewirkt haben, Goethe ist 
1877 erschienen, daher natürlich in manchen Ein 
zelheiten überholt, wird aber als Ganzes von 
Goethekennern als das Goethewerk angesehen, das 
am meisten in die Persönlichkeit Goethes einge- 
drungen ist und für lange Zeit maßgebend bleiben 
wird. Homers Ilias zeigt eine liebevolle, ver 
ständnisinnige Vertiefung in die Homerische 
Die Neue Schütz-Gesellschaft. 
Schirmherr: Kgl. Hoheit Prinz Philipp 
von Hessen. 
Das Heinrich Schütz-Jahr 1935 hat weiteren 
Kreisen der hessischen Landschaft — zumal durch 
die Schütz-Feiern in Kassel, Marburg und Dil- 
lenburg — einen Begriff von der Größe und Be 
deutung des Meisters gegeben, weiterhin aber 
auch seine enge Zugehörigkeit zum hessischen Lande 
ins Bewußtsein gebracht, sodaß es am Platze sein 
dürfte, die Leser dieser Zeitschrift einmal auf die 
Arbeit der Neuen Schütz-Gesellschaft hinzuweisen. 
Dichtkunst und aus den Essays tritt eine erstaun 
liche Vielseitigkeit hervor. Sie sind bis in die 
letzte Zeit seines Lebens, wo er sich einen etwas 
eigentümlichen Stil angewöhnt hatte, in der ein 
fachen, flüssigen Art geschrieben, wie Michelan- 
gelo, Goethe und Homer. Man hat immer das 
Gefühl, als ob er die dort niedergelegten Gedan 
ken gar nicht anders hätte anssprechen können. 
Herman Grimms Anschauungen über Kunst, 
Schönheit und Geschichte find so eigentümlich, daß 
fie hier Erwähnung finden mögen. Ausgehend von 
Schinkels Ausspruch: „Kunstwerke sind die fein 
sten historischen Quellen" sagt er: „wäre Bis 
marcks Buch (Gddanken und Erinnerungen) nicht 
zugleich ein hohes Kunstwerk, so würde nichts über 
das Emporkommen des Deutschen Reiches und 
unsern Kampf gegen Frankreich Geschriebenes 
existieren, das die ungeheuren Ereignisse klar zu 
machen im Stande wäre. Die lebenden Deutschen 
begriffen nur zum Teil, was sie erlebten." Und 
weiter: „Kunst ist nicht etwas, was der Durch 
schnittsmasse der Menschen, den Neigungen und 
Fähigkeiten jedermanns entspricht, Kunst ist die 
Äußerung höherer Begabung". Nach der Schil 
derung von Savonarola's Verbrennung sagt er im 
Michelangelo: 
„Dergleichen wir den Geist von Fiesole's Ge 
mälden mit den Predigten Savonarola's so emp 
finden wir am schärfsten, was Fiefole besaß und 
was Savonarola fehlte, was ihn bei seinen Geg 
nern so furchtbar verhaßt machte. Ein heiliger 
Eifer für das Gute, Wahre, Sittliche, Große ent 
flammte fein Herz, aber daß ohne die Schön 
heit das Gute nicht gut, dag Wahre 
nicht wahr, das Heilige selbst riicht 
he i l i g sei, dag entging ihm." 
So durchdrungen war er von der Überzeugung, 
daß in der Beeinflussung der Manschen die Schön 
heit am mächtigsten und durch nichts anderes zu ^ 
ersetzen sei. 
Von Herbert Birtner. 
Aus kleinen Anfängen heraus wurde die Neue 
Schütz-Gesellschaft im Jahre 19Z0 gegründet als 
„Verein zur Pflege und Verbreitung der Musik 
aus dem Zeitalter des Frühbarock, insbesondere 
der Werke von Heinrich Schütz". Neben der 
Veröffentlichung von Neuausgaben Schützscher 
Werke und solcher aus seinem Umkreis, die als 
Jahresgaben an die Mitglieder verteilt wur 
den, führte die Gesellschaft vier große Veranstal 
tungen durch: die Heinrich Schütz-Feste in Celle 
1930, Berlin 1931, Flensburg 1932
        

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