Full text: Hessenland (46.1935)

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ist durch einen kleinen Engel von Werner Henschel 
kenntlich. Wilhelm ist 1859, Jacob 1863, beide 
in Berlin gestorben und dort beerdigt, Dortchen 
starb 1867 auf einer Reise in Eisenach und ist auf 
ihren Wunsch dort beerdigt. Die oben erwähnte 
Schwester Auguste ist unverheiratet geblieben, hat 
in Berlin gelebt und ist dort gestorben. 
Rudolf Grimm, der Verfasser des obigen Ge 
dichtes, war, als ich ihn Ende der achtziger Jahre 
in Berlin kennen lernte, Regierungsrat in Pots 
dam und Reserveoffizier eines Garderegiments und 
hatte als solcher den Krieg 1870/71 mitgemacht. 
Er war ein sehr hübscher und besonders liebens 
würdiger Mensch. Die Kasseler Landesbibliothek 
besitzt von ihm einen stattlichen Band Gedichte, der 
den Titel „Italien" trägt, aber auch andere Ge 
dichte enthält, wie z. B. das oben angeführte. Er 
hat Italien offenbar mit viel Sinn für seine 
Kunstschätze und mit viel Humor bereist. Ein Ge 
dicht aus Bocaccio, in dem er den Dekameron be 
spricht und erwähnt, daß er nicht für junge Mäd 
chen geeignet sei, schließt mit dem Vers: 
Florenz bestellte ihn als Dantelehrer, 
Doch hat er mehr Dekameronverehrer. 
Seine Anficht über die Kunst faßt er in sie 
Worte zusammen: 
Sanft nenne ich dag Wesen echter Kunst, 
Da Kraft und Weichheit liebreich sich vermählt: 
Nicht wogender Gefühle eitler Dunst, 
Nein, feste Form, doch liebwarm beseelt. 
Du magst darauf die Allerersten prüfen: 
Sanft spricht die Kunst selbst in des Schmerzes 
Tiefen. 
Rudolf Grimm ist 1689 unverheirat in Berlin 
gestorben. 
Unser Landsmann Edward Schroeder 
hat in der schönen Rede, die er zur Feier der Ent 
hüllung deö Nationaldenkmals in Hanau ge 
halten hat, gesagt: 
„Für Wilhelm Grimm gewann das Studium der 
künstlerischen Individualität und der Kunstmittel 
einen immer erhöhten Reiz: auf ihn hätte Goethes 
Dichtung und Wesensart sicher auch ohne das 
günstige Geschick der persönlichen Begegnung einen 
stärkeren Einfluß gewonnen, als auf Jacob, und 
nicht zufällig schweifen seine Interessen öfter auf das 
Gebiet der bildenden Kunst und ihrer Geschichte 
hinüber." 
Wilhelm hatte offenbar etwas von der künst 
lerischen Begabung seines Bruders Ludwig Emil 
mitbekommen, und in seinen Söhnen finden wir 
diese Begabung wieder. 
Bei Herman Grimm, dem älteren Sohne Wil 
helms, ist sie vereint mit dem ernsten Forschergeist 
von Jacob, der ihn in hohem Maße auszeichnete. 
Herman war 1828 in Kassel geboren, von 1830 
bis 1839 war er in Göttingen aufgewachsen und 
hatte nachher nur bis 1641 in Kassel, von da an 
in Berlin gelebt. Er bezeichnet es selbst als 
wunderbar, daß er trotzdem immer das tiefe Hei 
matgefühl für die hessische Heimat behalten habe. 
Niemals sei ihm die Aussicht auf die Berge und 
Wälder so schön erschienen, wie in Hessen, hier 
habe er sich immer zu Hause gefühlt. Seine Mut 
ter habe immer die Kasseler Mundart gesprochen, 
die auch in seiner Sprache noch im Alter von 
Dorothea Grimm geb. Wild 
sechzig Jahren sehr deutlich erkennbar war. — Als 
ich ihn im MÜirz 1688, bald nach dem Tode des 
ehrwürdigen alten Kaisers, Unter den Linden traf, 
erzählte er mir nach kurzer Begrüßung: „Ich 
haben eben eine schöne Weihestunde bei meiner alten 
Freundin, der Kaiserin Augusta, verlebt. Wir haben 
von ihrem verewigten Gemahl, von Weimar und 
von Goethe gesprochen Sage mal, was macht 
oann dein Vadder? hat'r dann noch so rote Haare? 
Du glaubt je gar nit, was der for rote Haare 
hatte". Ich habe ihn dann durch den Tiergarten 
bis zu seiner Wohnung am Matthäikirchplatz be 
gleitet und auf dem ganzen Wege sprach er in 
dieser ihm offenbar sehr lieben Munoart. Einer 
seiner Hörer hat mir kürzlich erzählt, er habe in 
seinen Vorträgen in einer sehr angenehmen, durch
        

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