Full text: Hessenland (46.1935)

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(die Burg) abgebrochen, der Turm aber niedriger 
gemacht und gebessert worden sei. Die Oberlei 
tung des gesamten Umbaues und die wehrhafte 
Gestaltung der Gesamtanlage in Anpassung an 
die durch den Fortschritt der Verwendung von 
schweren Feuerwaffen bedingte Kastellform mit 
runden Ecktürmen, Rondelen oder Basteien lag in 
den Händen Hans Jakob von Ettlingens, der nach 
der genannten Urkunde von 1482 in Wölkers 
dorf als Baumeister weilte. 
Der Ausbau des Schlosses geschah in der 
Weise, daß innerhalb der Ringmauer zwei Ge 
bäude mit zwei massiven und einem bzw. zwei Holz 
stockwerken in direkter Anlehnung an die Ring 
mauer errichtet wurden, deren Fachwerk durch 
viele Erkerausbauten mit spitzen Helmen geziert 
waren. Solche Erkertürmchen zum Aufstellen 
von Schützen zeigt auch der Helm des in seiner 
Höhe verringerten großen Rundturms, der in 
einen Treppenturm verwandelt wurde. Diese 
Dachform ist charakteristisch für das 15. Jahr 
hundert und fand sich an den Schlössern zu Kas 
sel und Homberg, an zahlreichen wehrhaften 
Kirchtürmen, dem Junker Hansenturm zu Neu 
stadt und an den Eckrondelen des Schlosses Friede 
wald, also an allen Bauten, an denen Hans Jakob 
von Ettlingens Meisterhand nachzuweisen und zu 
spüren ist. 
Um das Schloß wurde dann ein Zwinger mit 
langen Mauern, mit offenem Wehrgang und 
Eckrondelen nach italienischer Manier gelegt, 
wie man sie in dieser Regelmäßigkeit nur noch am 
Schloß zu Kassel, der Festung Rüfselsheim, dem 
Schloß Friedewald, am Neuhof bei Fulda, an 
der Trendelburg und dem Herzberg und den be 
festigten Kirchhöfen zu Rasdorf (Kreis Hünfeld) 
und zu Geismar bei Fritzlar vorfindet. Diese ita 
lienische Kastellform hat eine neue Epoche im 
Nachdem anläßlich des 150. Geburtstages von 
Jacob Grimm die Bedeutung der Brüder für 
die deutsche Wissenschaft und für das deutsche 
Volk und Vaterland in vielfachen ErinnerungS- 
feiern eingehend gewürdigt war, hat die Abteilung 
Kassel des Vereins für Hessische Geschichte und 
Landeskunde einen Grimmabend veranstaltet, an 
dem das rein Menschliche dieser beiden großen 
Deutschen einem größeren Kreise dargestellt wer 
den sollte. 
Bei dieser Gelegenheit wollte ich einiges ans 
dem Familienleben der Brüder mitteilen, mußte 
mich aber wegen der vorgeschrittenen Zeit auf eine 
Wehrbau heraufgeführt und zu den großen 
Festungsanlagen übergeleitet. 
Die Eckrondele waren im Untergeschoß mas 
siv, überwölbt und wohl auch mit breiten Maul- 
scharten zur Bestreichung des Vorgeländes und 
Wassergrabens versehen. Die hölzernen Aufbau 
ten mit den kegelförmigen Helmen am Schloß 
Wölkersdorf hat man sich so vorzustellen wie die 
an den Eckrondelen der Trendelburg, des Herz 
bergs und des Neuhofs bei Fulda. Noch konnte 
man es wagen, das Holzwerk auf Türme zu 
setzen; eine nicht viel spätere Zeit ließ den Holz 
bau im Burgen- und Festungsbau verschwinden. 
Einzigartig ist in Wölkersdorf die Gestaltung 
der Toranlage mit ihren flankierenden Rundtür 
men, wie wir sie sonst eigentlich nur an Stadt- 
befestigungen antreffen, die ihre Vorbilder im 
römisch stark beeinflußten deutschen Westen hat 
ten. Solche Tore waren namentlich bei Vortoren 
und Brückenköpfen als „Barbakanen" (barbikan) 
beliebt. 
Der große, den Nord-, West- und Ostseiten vor 
gelagerte V2irtschaftöhof, dessen Fachwerksge- 
bände, wie gezeigt, öfteren Umbauten und Ver 
setzungen ausgesetzt waren, erhielt wohl erst zur 
Zeit der Bautätigkeit Hans Jakob von Ettlin 
gens seine drei Tore, die z. T. überbaut waren 
nnd neben und über sich Wohnungen, Schmiede- 
nnd andere Werkstätten enthielten. 
Das war der Zustand, in dem sich Schloß 
Wolkerödorf wohl auch bis in das 19. Jahrhun 
dert erhalten hatte. Da wurde auf Befehl der 
westfälischen Regierung das Schloß wegen Mbn- 
gel an Geld zur Unterhaltung der Gebäude ver 
kauft und abgebrochen, wobei kein Stein auf dem 
anderen blieb, fodaß heute nichts mehr an den stol 
zen Fürstensitz erinnert, als das heutige Staats 
pachtgut. 
Von Dr. C. v. W i l d , Kassel. 
kleine Auswahl beschränken. Da diese eine sehr 
freundliche Anteilnahme zu finden schien, will ich 
an dieser Stelle das veröffentlichen, was ich an 
jenem Abend erzählt hätte, wenn die Zeit nicht 
zn knapp gewesen wäre. 
Das Familienleben, von dem ich zunächst er 
zählen will, beginnt mit der im Mai 1825 er 
folgten Verheiratung Wilhelms mit Dortchen 
Wild. Diese Frau ist die einzige, die im Leben der 
Brüder eine Rolle gespielt zu haben scheint. Sie 
war ihnen seit vielen Jahren bekannt. Schon in 
der ersten Handschrift der Marchen von Wil 
helms Hand finden sich, nach der Angabe seines 
Über die Familie der Brüder Grimm.
        

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