150
für Pferde, die hier wohl nur in Zeiten der Not
untergebracht wurden, an einem Ende eine heiz
bare Stallstube. Das Obergeschoß enthielt einen
langen Gang mit den Türen zu Stuben und
Kammern. Von dem Gang aus konnte man auch
in das Fachwerksgeschoß der Eckrondele gelangen,
in dem Stuben und Kammern lagen. Ofen
heizung und ausgebaute Aborterker find reichlich
vorhanden. Das nördliche Rondel enthält in sei
nem mittels einer Freitreppe erreichbaren Unter
geschoß die Faßbinderei, das östliche Rondel das
Karzer.
Über die ältere Geschichte des Schlosses T8ol-
kersdorf erfahren wir aus der Veröffentlichung
von Erich Anhalt, „Der Kreis Frankenberg, Ge
schichte seiner Gerichte, Herrschaften und Ämter
von der Urzeit bis ins 19. Ihdt." folgendes: „Zu
Beginn des 14. Jahrhunderts zeigt sich zum ersten
Male die Tendenz ber Landgrafen, von Franken
berg aus nach Süden in mainzifches Gebiet vorzu
dringen. 1310 machte der Ritter Eckard von
Helfenberg seine Wasserburg Wölkersdorf dem
Landgrafen Otto lehnbar, näherte sich aber im
nächsten Jahrzehnt Mainz. Er verkaufte 1324
dem Erzbischof NIathiaö die Hälfte von TOolkers-
dorf, Netfe und Gramershain sowie alle außer
halb der Burggräben gelegenen Besitzungen. Kurz
darauf muß er auch die Burg selbst, die er gleich
zeitig noch an einen Edelknecht Heinrich von
Saulheim weiter verlehnt hatte, dem Erzbischof
verkauft haben. Darüber kam es zum Streite
zwischen diesem und dem Landgrafen Otto, der
durch die treulose Haltung des anscheinend geld-
bedürftigen Helfenbergers seine Pläne durchkreuzt
sah. Ein Spruch des Grafen Emicho von Nassau
und anderer Schiedöleute von 1324 verwies den
Landgrafen mit seiner Klage an das Gericht, in
dem bas Haus (TLolkersdorf) liege, also an
Röddenau. Hier muß der mainzische Kauf für
ungültig erklärt worden sein, da der Landgraf
sicherlich nicht seine lehnsherrliche Zustimmung zu
demselben gegeben hätte. 1328 verkauften die Brü
der Rudolf und Zohann von Helfenberg die Hälfte
der Burg an Friedrich v. Bicken, Propst zu
St. Mauritz bei Munster und Pfarrer auf dem
Christenberg. Landgraf Heinrich nahm alle drei
als Burgmannen in seinen Schutz auf. 1389 ver
kaufte der gleichnamige Neffe Friedrichs v. Bicken
seine Hälfte an den Landgrafen Hermann. Aber
in demselben Zahre erfolgte ein Neainzer Gegen
stoß: Der Erzbischof eroberte die Burg und schätzte
von hier aus 5 Jahre lang die Umgegend, beson
ders die Bürger von Frankenberg. 1394 räumte
er sie endlich den Brüdern Siegfried und Vol-
precht von Biedenfeld, an die Wölkersdorf zur
Zeit der Eroberung weiter verlehnt war, gegen
Verzicht auf Schadenersatz wieder ein, ein spätes
Ergebnis jahrelanger Verhandlungen zwischen
Landgraf Hermann und Erzbischof Konrad von
Mainz.
Am 6. Zanuar 1409 ließ Rudolf von Helfen
berg auch seine Hälfte von Wölkersdorf dem
Landgrafen Hermann auf. Als Machtzentrum
eignete sich aber die im Grunde eines unbedeuten
den Seitentales gelegene Burg wenig; so war sie
denn während des 13. Zhdts. meist an Ritter ver
pfändet. Landgraf Heinrich III. löste Wölkers
dorf i4?9 wieder ein und erbaute an der Stelle
der alten Burg ein Jagdschloß, das 1811 von
den Franzosen abgerissen wurde.
Als Mittelpunkt eines Amtes und als Do
mäne hatte Wölkersdorf seit dem 13. Jahrhun
dert für die hessischen Fürsten eine erhebliche wirt
schaftliche uüd verwaltungstechnische Bedeutung.
Politisch schöpferische Kräfte dagegen fanden hier
keinen Ansatzpunkt. So war denn auch im i4-
Zahrhundert die Kesebergische Vogtei das eigent
liche Operationsgebiet der Landgrafen".
Das Amt Wölkersdorf unterstand, belegt feit
1482, einem Vogt, der Verwalter der Domäne
war. Als solche führt Anhalt 1482 einen Heinz
Kun, 1488—1301 Aldehenne, 1323—46 Her
mann Streithoff auf, weiter 13701—81 Heinrich
Kaiser uüd 1384 Caspar Pfaff.
Zum Amt Wölkersdorf kam 1462 das Ge
richt Rengershausen, später Bromskirchen. Röd
denau und Geismar bildeten seit 1532 die beiden
Ilntergerichtsbezirke, die die volle Hochgerichtsbar
keit hatten. Zn den Gerichten Geismar, Röd
denau uüd Rengershausen saßen die Unterschul
theißen des Amtes Wblkersdorf.
Für die Entwicklungsgeschichte des Schlosses
Wölkersdorf ergibt sich, daß die ursprüngliche
Anlage ein polygnaler Mauerzug mit einem in
der Schmalseite stehenden runden Hauptturm
war. Um diesen Ring zog sich ein Graben. Das
war die alte Gaesterfeldsche später Helfenbergsche
Wasserburg, die 1310 hessisches Lehen wurde.
Die Eroberung durch Mainz im Zahre 1389
mag der Burg wenig Schaden getan haben. Sie
blieb aber in Benutzung, bis sie Landgraf Hein
rich von Oberhessen im Jahre 1479 umbauen und
zu einem weitausgedehnten Wasserschloß umge
stalten ließ. Die Steinmetzarbeiten wurden von
dem Meister Heinz von Wetter geleitet.
Den Beginn der Arbeiten hat der Chronist
Gerstenberg irrtümlich in das Zahr i477 ver
legt, wobei er bemerkt, daß das ,,alte Gehäuse"