Full text: Hessenland (46.1935)

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einer reichen grünen oder roten Plattstickerei ver 
sehen ist. Bei Trauer fehlt jede Verzierung. Das 
schwarzseidene Halstuch, das bei beiden unter dem 
Hemdkragen durchgebunden wird, trägt bei ersteren 
an den herabhängenden Zipfeln eine prunkvolle 
grüne oder rote Stickerei, bei denen mit Trauer 
stehen die ungestickten Enden hornartig zur Seite. 
Die Brust schützt allen der Brustlappen, die 
Schenkel die Schwälmer weißleinene Hose, die 
Waden dunkelblaue Wollstrümpfe, die Füße 
Schnallenschuhe, bei Nichttrauer mit kupfer- 
plättchenverzierten viereckigen M'essmgschnallen, 
bei Trauer mit ovalen platten Messingschnallen 
(Trauerschnallen). Die schwarzen Bramkappen 
stehen neben ihnen auf der Kirchenbank. 
Bei den Mmnnern auf der Männerborlew 
(— Empore) sehen wir, daß die jüngeren den 
Burschen ähnlich gekleidet sind, ihr Kittel ist je 
doch stets grün gestickt. Die älteren Männer tra 
gen Schnallenschuhe mit Trauerschnallen, dunkel 
blaue Wollstrümpfe und darüber neue dunkelblaue 
Wollgamaschen, weiße hirschlederne Hosenbändel 
und vielfach noch den Schwarzen Rock anstatt 
deö ungestickten Kittels. Unter dem Kragen des 
weißen Leinenhemdes ist das einfarbig schwarze 
Seidenhalstuch dnrchgeschlungen. Zum Schwar 
zen Rock gehört der Dreimaster, zum dunkelblauen 
Kittel die schwarze Bramkappe. 
Im Kirchenschiff sitzen die Frauen und Mäid- 
chen. Von den jüngeren Frauen werden Schnall 
schuhe mit kupferplättchenverzierten Schnallen ge 
braucht. Ihre Waden stecken in weißen Woll 
strümpfen, die vielfach mit „eingelegter" Baum 
wollenzwickel versehen sind. Bei den 7 bis 10 
dunkelblauen Beiderwandröcken ist eine grüne oder 
veilchenblaue Einfassung und entsprechende Bän 
derverzierung („Schlangen") zu sehen. Darüber 
breitet sich die dunkelblaue Leinenschürze. Die 
Jacke besteht aus grüner oder bei Trauer schwar 
zer Seide over Kaschmir. Ihre Ärmel reichen 
bis ans Handgelenk. Grünseiden ist im ersteren 
Falle auch das Halstuch mit gleichfarbigen Bän 
dern geziert, bei Trauer vertritt feine Stelle ein 
schwarzes Halstuch mit schwarzen Bändern. Die 
Betzel hat schwarze Farbe, der Betzelboden trägt 
bis zu einem Trauerfall eine grüne Stickerei. Die 
Betzelbänder bestehen aus schwarzer Seide und 
tragen an ihren Enden eine grüne Stickerei, nach 
einem Trauerfall werden Betzelboden und Betzel 
bänder einfach schwarz oder ersterer trägt ,,Hüh 
nerfüßchen" oder „Bäumchen". 
Altere Frauen verwenden beim Kirchgang 
Schnallenschule mit „Trauerschnallen", weiße 
Wollstrümpfe mit weißer Wollzwickel. Die 
Strumpfbänder sind unter dem Knie um das be 
treffende Bein geschlungen („gewickelt"). Ihre 
6 bis 8 Röcke bestehen aus schwarzem Beider- 
wand und sind schwarz „eingebördelt". Zur Jacke 
wird schwarzes Tuch oder Kaschmir benutzt. 
Schwarz ist auch das Franzenhalstuch, ebenso die 
Betzel, mit den Seidenbändern, bei Trauer Woll- 
bänder. 
Die Mädchen benutzen ebenfalls Schnallen 
schuhe, die im Falle der Trauer ovale, glatte, 
wenn keine Trauer vorliegt, viereckige Schnallen 
schließen. Nichttrauer verlangt weiße Woll 
strümpfe mit weißer baumwollener Zwickel („ein 
gelegt"), Trauer solche mit kleiner weißer („lin 
ker") Wollzwickel. 
Im Falle von Nichttrauer werden 8 bis 10 
dunkelblaue Beiderwandröcke mit roter Einfassung 
angelegt, die obersten bänderverziert („geschlangt"), 
bei Trauer 6 bis 6 Röcke, schwarz eingefaßt, der 
oberste aus dunkelblauer Beiderwand bestehend. 
Zu den Nichttrauerröcken gehört eine dunkelblaue, 
zur Trauer eine schwarze Schürze. Bei Nicht- 
trauer wird eine grüne tibetne (— grüner Woll 
stoff) mit grünen oder roten Blümchen, bei 
Trauer eine schwarze Kaschmirjacke benutzt. 
Nichttrauer kennzeichnet eine Bernsteinkette, dar 
über ein gelbrotes Unterhalstuch mit „chinesischen" 
INustern und ein feuerrotes Seidenhalstuch mit 
Nackenbändern und mit grünen Blumen verziert, 
Trauer ein schwarzes Wolltuch. Feuerrot fällt im 
ersten Falle auch die Betzel aus, der Betzelboden 
desgleichen feuerrot, mit „Hellerchen" geschmückt, 
daran sitzen dann zwei schwarzseidene („Bürsten 
band") Bänder, die an den Enden unter dem 
Kinn eine handbreite feuerrotseidene Stickerei mit 
grünen Herzen aufweisen. Die Trauer gebietet 
schwarze Betzel mit „Hühnerfüßchen" oder 
„Bäumchen" auf dem Betzelboden und zwei un- 
gestickte schwarze Betzelbänder. 
3. Schwälmer Tracht am Frühlingssonntag- 
nachmittag. 
Am Sonntagnachmittag spazieren die Mad- 
chen, reihenweise eingehenkelt auf der Straße 
vor dem Dorfe hin und her. Ihnen folgen die 
Burschen. 
Dabei tragen die Töchter der Schwalm Kom 
modschuhe (originelle Hausschuhe), baumwollene 
Strümpfe, 6 bis 8 dunkelblaubeiderwandene Röcke 
mit roter Einfassung und eine Schürze von 
dunkelblauem Leinen. An der älter gewordenen 
Kirchenjacke wurden die Ärmel bis zu den Ellen 
bogen abgeschnitten, oder wird eine grüne Druck- 
jacke beliebt. 1km den Hals liegt das gelbseidene 
klntertuch und darüber das feuerrotseidene Hals
        

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