Full text: Hessenland (46.1935)

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faßte etwa 54 Raummeter Wasser. Sem Stand 
bild, ein Löwe, sowie die Wassernymphe auf dem 
späteren Marktkumpf und der Mönch, die bei 
den letzteren jetzt im Kunstinstitut aufbewahrt, 
sind von der Hand deö Bildhauers Joh. Friedrich 
Sommer aus Koburg. Hier möchte ich den Leser 
auf den Aufsatz von F. Küch: „Ludwig Juppe, 
eine Nachlese" (Hessenkunst 1920) verweisen. 
Bei der neuzeitlichen LDasserversorgung haben 
sich einige Kümpfe erhalten: Hinter der Sand 
steinfassade auf der Neustadt in der ausgespreng 
ten Felskammer, am Hirschberg in der Terrasse 
unterhalb des Rathauses, am Beringbrnnnen 
und am Elisabethbrunnen. Waeder hergestellt 
könnten sie bei ihrer beträchtlichen Größe noch ein 
mal zu Ehren kommen! 
Die Röhren wurden aus dem Holz der städti 
schen Erlenzucht im Afföller und im Weiden 
häuser Graben hergestellt. Die Ausbohrung nahm 
der städtische Zimmermann vor. Als Schutz der 
empfindlichen Holzröhren dürfen wir eine frühzei 
tige Pflasterung der Durchgangsstraße annehmen. 
1468 wurden Bleiröhren gegossen, „um den 
Born durch die T8>ettergasse auf den 8Narkt zu 
bringen". 1523 legte Eurt Brnnnenleiter 
städtische Tonröhren von dem Renthofbehälter 
zum Neustadtkumpf, wobei wir nebenbei erfah 
ren, daß Meister Ludwig Juppe für sein Haus 
unterhalb der jetzigen Zahnklinik eine Art von 
Privatanschluß besaß. 1688 kamen die ersten 
eisernen Röhren aus Rosental; aber es dauerte 
noch 160 Jahre bis zu den ersten Hauöanfchlüs- 
sen. Die von den landgräflichen Leitungen her 
bekannten Schäden, insbesondere die Frostschäden 
verschlangen einen großen Teil der städtischen 
Gelder. 
Dritter Teil: 
Die Wasserversorgung in der Neuzeit. 
Am 22. April 1679 kaufte die Stadt von 
dem Dorfe Wehrda den „kalten Bach", der süd 
lich vom Weißenstein in die Lahn fließt. Die 
Quelle, durch mehrere Bohrlöcher erschlossen, 
fließt von dem Brunnenkasten in einem 5260 
Meter langen Rohr mit nur 169 Zentimeter Ge 
fälle in den im Jahre i66i auf ein Fassungsver 
mögen von 600 Raummetern ausgebauten Nent- 
hofbehälter. Genügte zunächst dieser Wasserzu 
wachs, so mußte im Hinblick auf die für das 
Jahr 1895 rn Aussicht genommene Schwemm 
kanalisation die Wasserversorgung auf eine ganz 
neue Grundlage gestellt werden. 
Am Nordrand Wehrdas liegt eine rhom 
bische Buntsandsteinscholle, von tertiären Tonen 
und Sonden bedeckt, die sonst auf der Höhe der 
Lahnberge vorkommen. Dem etwa 180 Meter 
tiefen Absturz dieser Scholle ist die Erschließung 
eines sehr reichen Wasserhorizontes zu verdanken. 
Die Quellen treten an dem östlichen Riß, im 
Lahntal hervor. Dies Grundstück erwarb die 
Ñbbildung 4 
Maßstab l : 800 (nach Tafel 8 des Ñtlas von Rüch). 
Haideleitung zum Schloß in den „roten Hahn" (1) mit 
Fallrohr zum Renthof (2). Städtische Leitung aus der 
Marbach zum Behälter auf dem Nenthof (R). Bei 
Z Kumpf auf dem Hain (3), Fallrohr zum Kumpf in 
der Borburg ( 4 ). Anordnung der städtischen Kümpfe: 
Neustadt N, Wettergasse W, Zudcngassc Z, Markt 
platz M, Hirschberg Hi, Korn- (jetzt Heu)markt, (Bä 
renbrunnen K), Hofstadt H, llntergasse 11 , Barfüßer 
straße B, Augustinergasse A, am Steinweg Klingel 
born C, Monchsbrunne» Mö, Quellen am Plan 
(Kreis) und am Pilgrimstein (Kreis mit Punkt). 
Stadt 1688 und Z Jahre später die auf der 
Südostecke der Scholle 180 Meter ü. N. N. 
gelegene Mühle, die man alsbald in ein großar 
tiges Wasserhebewerk umzubauen begann. Wie 
Z00 Jahre zuvor Meister Baldwein das Ge 
fälle der Lahn für feine 24 Raummeter fördernde 
Maschine einspannte, so trieb auch hier ein 
Mühlenrad die Pumpe. An dessen Stelle trat 
1 89Z eine Turbine gekuppelt mit einer Vier- 
kolbenmaschine von 45 Raummeter Stundenlei 
stung, die täglich 1000 Raummeter Wasser in 
den im gleichen Jahre erbauten Hochbehälter im 
Stadtpark, dem alten Hain, schafft. Er liegt
        

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