Volltext: Hessenland (45.1934)

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durchgeführt werden, deren topographische Fixie 
rung in zahlreichen Fällen noch durchaus unsicher 
ist. 
Bei aller Vorsicht der Auswertung gestattet 
dieses reiche Namenmaterial sodann für eine 
ganze Reihe von Ortschaften die einwandfreie Fi 
xierung als Rodesiedlungen sowie die Erkenntnis 
der ältesten Wohnplätze und damit der altoffenen 
Siedlungsräume. Dabei ist die Arnoldsche Chro 
nologie bei allen Verbesserungsnotwendigkeiten 
im Prinzip durchaus zutreffend. Durch die Zen 
tralstelle des Sprachatlas für das Deutsche Reich 
ist gerade Marburg der geeignete Boden für die 
saubere einwandfreie Auswertung der Ortsna 
men. 
Dazu kommt, daß durch exakte Kleinarbeit 
versucht werden muß, an Hand der Flurnamen 
Gemarkung für Gemarkung die etwaigen Ro 
dungsflächen zu konstruieren. Die „Zentralstelle 
für die Flurnamen von Hessen-Nassau" hat 
durch die Sammlung des Flurnamenmaterials 
hier bereits wichtige Vorarbeit geleistet. 
Auch der Verlauf der Gemarkungsgrenzen 
muß in die Betrachtung mit einbezogen werden; 
wo ein Dorf seinen Nährraum später in den 
Wald hinein vorgetrieben hat, ist das nicht sel 
ten an den scharfen Ausbuchtungen der Gemar- 
knngsgrenzen zu erkennen. Auch die Dorfformen 
selber können gelegentlich Hinweise geben; gehört 
das Haufendorf zweifellos zu den ältesten Dorf 
formen unseres Gebiets -— ohne daß man nun 
etwa jedes Haufendorf als alt ansprechen dürfte —, 
so ist die Anlage von Waldhufendörfern in ehe 
maligen Waldgebieten erfolgt. 
Ntit allen diesen Momenten sind Schlüsse 
höchstens für die Zeit um 1300 möglich; sie be 
sagen für sich allein so gut wie nichts, erhalten 
vielmehr erst durch das Zusammentreffen der ver 
schiedensten gleichlautenden Argumente ihre Be 
deutung. Schließlich können die kirchen- und 
territorialgeschichtlichen Verhältnisse wertvollen 
Anhalt für die Rekonstruktion deö Landschafts 
bildes vor allem für die Zeit um 1300 geben. Die 
sorgfältige kritische Auswertung der Archive mit 
ihren Akten und Urkunden, den Dorf- und Flur 
büchern, den Zehntregistern, Bestchtigungsberich- 
ten, Grenzbeschreibungen, aber auch den Flur- 
und Dorfkarten gehört daher zu den unerläßlichen 
Voraussetzungen für die zu schaffende Wald 
karte. Die Konzentrierung des weitaus meisten 
diesbezüglichen Materials im Staatsarchiv in 
Marburg erleichtert gerade diese Arbeiten unge 
mein. 
Daß die genaueste Kenntnis deö Landes aus 
eigener Anschauung die selbstverständliche Vor 
aussetzung für jede ernsthafte Arbeit ist, soll hier 
nnr nebenbei erwähnt werden. 
Die Größe des zu behandelnden Raumes und 
die notwendige Exaktheit der Kleinarbeit lasten es 
geraten erscheinen, die Bearbeitung des Gebietes 
in mehrere Hände zu geben; jedoch werden die zu 
behandelnden Räume jeweils die verschiedensten 
geologisch-morphologischen Zonen (altes Gebirge, 
hessische Senke, Buntsandsteintafeln usw.) um 
fassen müssen: Aus der vergleichenden Betrach 
tung bestimmter Erscheinungen über die gleichen, 
aber auch über die verschiedengeartetsten natür 
lichen Landschaften ergeben sich nicht selten Auf 
schlüsse, die auf anderem Wege nicht zu erreichen 
gewesen wären. 
Jede nicht einwandfrei feststehende Tatsache 
aber muß als solche jederzeit klar aus der Karte 
zu ersehen sein, die Gebiete, die trotz sorgfältigen 
und alles umfassenden Vergleichs und unter Be 
nutzung sämtlicher Hilsmittel in ihrem Land 
schaftscharakter ungewiß bleiben, müssen unmiß 
verständlich bezeichnet werden. 
Als Arbeitskarte werden dabei das NO B. 
(1:23000) wie auch die Karte deö Deutschen 
Reiches (1:100000) zu benutzen sein. Die ge 
wonnenen Ergebnisse sind auf die Höhenschichten- 
und Gewässerkarte des Deutschen Reiches im 
Maßstab 1:200000 zu übertragen. 
Zu wissenschaftlich haltbaren Ergebnissen wer 
den die Arbeiten nur führen können, wenn vom 
bekannten zum unbekannten schrittweise und syste 
matisch fortgeschritten wird, d. h. vom gegenwär 
tigen Landschaftsbild zunächst zu dem des aus 
gehenden 16. Jahrhunderts. Erst nach Abschluß 
dieser Arbeiten kann versucht werden, in die Zeit 
um 1300 und von hier aus weitergehend in die 
um 300 n. Chr. vorzustoßen. In der Nichtbe 
folgung dieses zwar langwierigen aber natür 
lichen und stcheren historisch-geographischen TLeges 
liegt die Schwäche aller bisherigen Bemühungen 
Schlüters und GuSmannö. 
Die Karten der Verbreitung des Waldes um 
1300 und um 300 n. Chr. können außerdem erst 
in Angriff genommen werden, wenn wenigstens 
die dringlichsten Vorarbeiten dazu abgeschlossen 
vorliegen werden: die Karte der vor- und frühge 
schichtlichen Funde und die der Verbreitung der 
Steppenheide.
	        

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