Full text: Hessenland (44.1933)

ii. März 1933 waren fünfzig Jahre 
vergangen, seit Eduard Handwerck, als 
Realer eines der bekanntesten Bilder des letzten 
Kurfürsten von Hessen weithin bekannt, die Augen 
schloß. Er war am 24. Mai 1824 in Kassel 
geboren, hatte nach einer Ausbildung in der Litho 
graphie unter Ludwig Emil Grimm an der Kasseler 
Kunst-Akademie sich weitergebildet und 1834 mit 
Hilfe eines kurfürstlichen Stipendiums eine Studien 
reise nach Düsseldorf, Antwerpen und Paris unter 
nommen und eine Begabung weiterentwickelt, die 
dann auf mannigfaltige Weise zum Ausdruck kam. 
In dem erwähnten Bild, das sich im Hessischen 
Landesmuseum, Kassel, befindet, zeigt er sich zu 
gleich als Meister des Bildnisses, der 
Tierdarstellung und der Komposition. 
Tatsächlich hat er auf allen drei Gebieten Unge 
wöhnliches geleistet, seine Bildnisse haben heute noch 
eine wirksame innere Lebendigkeit, seine Liebhaberei 
für das Pferd kommt in Schöpfungen unterschied 
lichsten Inhalts wirksam zur Geltung, seine Ma 
növer- und Schlachtenbilder fesseln durch eine un 
verkennbare Beweglichkeit, und in kleineren Land 
schaftsarbeiten läßt er eine den Impressionismus 
zumindest ahnende Hand empfinden. 
Die Bilder Handwercks befinden sich größten 
teils in Privatbesttz. Es ist zu bedauern, daß außer 
dem erwähnten Kurfürstenbild keine größere Arbeit 
von ihm allgemein zugänglich ist; es könnte nur im 
Rahmen einer planmäßigen Pflege heimatlichen 
Geistes liegen, wenn die Instanzen, die hier zu ent 
Lduard Handwerck (1824—1883) Selbstbildnis 
scheiden haben, dafür sorgen würden, daß wenig 
stens das eine oder andere Bildnis, die eine oder 
andere Komposition, die eine oder andere Landschaft 
Handwercks in gehörigem Zusammenhang in einer 
öffentlichen Galerie Platz eingeräumt bekämen. Es 
war einmal von hessischen Künstlerzimmern im 
Hessischen Landesmuseum die Rede. Der Gedanke 
wäre wert, auch im Hinblick auf Eduard Hand 
werck wieder erwogen zu werden. W. Sch. 
EinBeitrag zur Geschichte des Landgrafen Hermann vonHessen, 
Kurfürst-Erzbischofs von Köln. 
In dem kürzlich erschienenen „Jahrbuch des 
Kölnischen GeschichtSvereins E. V." Heft 14 ver 
öffentlicht der rührige Herausgeber, Stadtarchiv 
direktor Dr. Erich K u p h a l, (S. 246—292) 
die namentlich kult- und zeremonialgefchichtlich 
überaus interessante Kölner Domchronik des Dom 
vikars Goswin Gymnich von 1550—1608 nach 
dem leider allein davon erhaltenen Auszug des Peter 
Schönemann (um 1660). Die Ehronik an sich 
schließt mit dem Bericht über die im Dom abge 
haltenen Exequien des Herzogs (Ferdinand) von 
Bayern, eines Bruders des Erzbischofs und Kur 
fürsten Ernst (1583—1612) und Oheims des 
Koadjutors Ferdinand von Bayern, am 4. März 
1608. Offenbar hat aber der Umstand, daß in 
eben diesem Jahr 1608 hundert Jahre seit dem 
Tode des Erzbischofs und Kurfürsten Hermann 
von Hessen (11. August 1480 bis 20. Oktober 
Von K. Heldmann, Halle a. S. 
1308) verflossen waren, dem Chronisten den An 
laß zu einem Nachtrag (Seite 292) gegeben, 
in dem er nicht bloß kurz über die Prozession 
bei der Bestattung Hermanns berichtet, sondern 
auch über einige Bestimmungen des Verstorbenen 
für den Kölner Klerus inbezug auf dessen Amts 
tracht. Wir geben diesen kulturhistorisch recht 
interessanten Nachtrag in deutscher Uebersetzung: 
„Prozession bei der Bestattung des ehrwürdigen 
Herrn Hermann von Hessen, Erzbischofs von Köln. 
Zuerst um zwei Uhr nach Mittag erschienen die 
Herren vom Klerus im Chor der Domkirche, be 
rufen durch das Domkapitel, sowie die fünf Bettel- 
orden i) mit Kreuzen; danach der Rat von Köln 
mit seinen Dienern, mit Stäben und in städtischer 1 
1) Dominikaner, Franziskaner, Karmeliter, Augusti 
ner-Eremiten, Seroiten (oder Marienknechte). 
57
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.