Full text: Hessenland (44.1933)

4- Hallo führt aus, daß ich feine Ergebnisse fak 
tisch als richtig anerkannt hätte. Das ist unzu 
treffend. Ich habe unter Vermeidung jeglicher per 
sönlicher Polemik den weitaus größten Teil seiner 
Beweisführungen, die auf falschen Voraussetzungen 
aufgebaut waren, mit aller Sachlichkeit als un 
richtig eindeutig nachgewiesen. 
5. Hallo führt aus, daß ich mich über die Existenz 
seines Aufsatzes im Jahrbuch für Kunstwissenschaft 
hinweggesetzt habe. Das ist ebenfalls unrichtig. 
Ich habe der sachlichen Kritik seiner Ausführungen 
den Raum von 24 (Seiten gewidmet. Bei der Dar 
stellung der Baugeschichte von dem Halloschen Auf 
sätze auszugehen, war in Anbetracht der in dieser 
Zwei hessische Gedenktage. 
i. 
Am 10. Februar i9ZZ waren hundert Jahre 
vergangen, seit Ludwig M 0 h r in H 0 m - 
b e r g a. d. Efze jenes Licht der Welt erblickte, das 
ihm bis zum 13. Juli 1900 zu leuchten bestimmt 
war. Nnch ¡) em frühen Tode seiner Eltern vom 
Großvater erzogen, wurde er, der das Progym 
nasium und das Lehrerseminar seiner Vaterstadt 
besucht hatte, zunächst Lehrer; nach der Absol 
vierung seiner militärischen Dienstpflicht bei den 
kurhesstschen Garde du Corps erlernte er das Hand 
werk des Optikers und Nlechanikerö und trat in 
das Geschäft eines Schwagers in Kassel ein, 
ergab sich aber unter dem Eindruck der für seine 
Heimat so verhängnisvollen Ereignisse des Jahres 
1866 einer schriftstellerischen Tätigkeit, die ihn in 
der Folge für das hessische Geistesleben bedeutsam 
sich entwickeln ließ. 
Der Versuch, vom Schreiben zu leben, mißlang 
trotz der Erfolges, den sein erster Roman „R 0 t - 
253 eiß" zu verzeichnen hatte, und so trat er 1871 
in den Dienst der Preußisch-Hessischen Eisenbahn, 
der ihm das äußere Leben sicherte und zugleich Zeit 
ließ, literarische Pläne zu verfolgen. Er schrieb als 
zweites, nicht minder bekannt gewordenes Werk 
„D i e blaue Dame", einen Roman, der, wie 
der frühere, in der Zeit der Fremdherrschaft spielt 
und in dem er, wie zuvor, seinem Gram über den 
Arbeit enthaltenen zahlreichen grundlegenden Irr 
tümer unmöglich. Ich habe mich deshalb veranlaßt 
gesehen, mich zunächst von dem Halloschen Ma 
terial vollkommen freizumachen, im ersten Kapitel 
des Heftes, gestützt auf 15 bisher unbekannte Bau 
pläne und unbekanntes Aktenmaterial die Tat 
bestände herauszuschälen, um in einem zweiten Ka 
pitel die Irrtümer Hallos nachweisen zu können. 
Bleibaum. 
Obige „Berichtigung" entspricht zwar nicht den 
Erfordernissen des 8 11 des Preßgesetzeö. Wir 
bringen sie dennoch zum Abdruck. 
Red. des Hefsenland. 
Untergang der kurhessischen Selbständigkeit Luft 
machen konnte, ohne bei den neuen Herren deö Lan 
des Anstoß zu erregen. Später veröffentlichte er, 
außer zwei lyrischen Gedichtbänden „P alm - 
b l ä t t e r" und „Aus Freud und Leid", 
Umdichtungen hessischer Sagen unter dem Titel 
„Eddergold" und zwei Bände Erzählungen: 
„A ltes Schrot und Korn" und ,,W a h r- 
h e i t und Dichtung". 
Ludwig Mohrs erste Werke sind in einer 
Sprache abgefaßt, die heutigen Leser mehr als an 
spruchslos erscheinen mag. Mit der Zeit aber klärt 
sich sein Stil, er schreibt sich gleichsam frei, und so 
kommt in seinen späteren Arbeiten durchweg 
kürzeren Erzählungen, sein angeborenes Talent, 
wirksam zumal in der Charakteristik der handeln 
den Personen und in der Farbigkeit der Situations 
darstellung, stärker zur Geltung als in den breiter 
angelegten Romanen, obwohl es auch diesen nicht 
an den erwähnten Reizen mangelt und der lebendige 
Fluß der dargestellten Begebnisse seinen Eindruck 
nicht verfehlt. Infolgedessen hatte Ludwig RUohr 
zu Lebzeiten die Freude, von seinen hessischen 
Landsleuten als Repräsentant heimatlicher Eigen 
art angesehen und verehrt zu werden. Als er, der 
in Wehlheiden bei Kassel im Ruhestand lebte, 
siebenundsechzigjährig starb, wurde sein Hinscheiden 
allgemein und herzlich betrauert. 
kürzlich ist über amtliche Wege für andere Heimatzeitschriften geworben worden, wobei bewußt oder unbewußt der 
Eindruck erweckt wurde, als ob „hefsenland", zweifellos doch d i e wirkliche, wissenschaftliche Heimatzeitschrift garnicht 
existierte, wir bitten unsere Anhänger umsomehr, derartigen versuchen „Hessenland" zu schädigen, entgegenzutreten. 
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