Full text: Hessenland (44.1933)

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nung auf die moderne Karte hat vielfach starke Ab 
weichungen ergeben, von denen nur ein Teil auf in 
zwischen eingetretene Veränderungen zurückgeführt 
werden kann; und bei den monographischen Unter 
suchungen zum Geschichtlichen Atlas haben wir 
nicht selten Ungenauigkeiten geradezu nachweisen 
können. Aber als vollständige Gesamtaufnahme 
fast der ganzen Landgrafschaft bleibt eS eine stau 
nenswerte Leistung, eine Duelle, auf die immer 
wieder in erster Linie zurückgegangen werden muß. 
Es ist darum ein dringendes Anliegen unserer 
heimischen landesgeschichtlichen Forschung, dieses 
Meisterstück alter Kartographie, mit dem Hessen 
die Reihe der deutschen Landesaufnahmen des 
18. Jahrhunderts eröffnet hat, der Öffentlichkeit, 
so bald die zur Zeit so ungünstigen äußeren Ver- 
hältnifse eö zulassen, in einer guten Nachbildung 
zugänglich zu machen. 
Dieser erste Teil dieser Nummer des „Hessenlandes" ist als Sonderdruck Herrn Geh. Rat Prof. Dr. llüch als 
Festgabe der Herrn Nutoren zu seinem 70. Geburtstage überreicht worden. 
Die Fortsetzung des Aufsatzes „Hessens Land und Leute in der deutschen Malerei", dessen 5lutor leider versehent 
lich in der vorigen Nummer nicht angegeben wurde — es ist Geh. Nat Prof. Dr. T. Bantzer — 
wird in der nächsten Nummer erfolgen. 
3L)tdE)fUttC( nnb 233d^)tl)cif i« den „Memoiren um die Titanen". 
Im 28. Bande des Hessenlandes von 1914 hat 
Joachim Kühn das bekannte Buch „Im Schatten 
der Titanen" von Lily Braun kritisch untersucht 
und ist dabei zu dem Schluß gekommen, daß die Be 
hauptung, Diana v. Pappenheim habe zwei Kinder 
von Jerome gehabt (Zenny v. Pappenheim und 
Pauline Gräfin Schönfeld) nicht zutreffend sei. 
Die Gräfin Schönfeld sei vielmehr eine 
Tochter der Prinzessin Löwenstein. Dieser Aufsatz 
scheint dem Namensvetter Dr. Kühns Richard 
Kühn nicht bekannt geworden zu sein, sonst hätte er 
wohl in den eben von ihm herausgegebenen „M" e - 
moiren um die Titanen von Diana 
v. Pappenheimund Jenny v. Gustedt. 
Dresden, Reißner 1932" dazu Stellung genommen. 
Das ist aber nicht geschehen, vielmehr zieht sich 
durch beide Bände dieser Memoiren die bestimmte 
Behauptung, die Gräfin Schönfeld sei ein Kind 
der Diana v. Pappenheim, sodaß man direkt stutzig 
wird. So heißt es z. B. in den Memoiren Dia 
nas 1, 23 f.: „Ein Jahr später trug ich wieder ein 
Kind von ihm unter den Herzen . . . Bei seiner 
Flucht auö Kassel hatte er (Jerome) gerade noch 
Zeit, mich in . . . Schönfeld in Sicherheit zu brin 
gen. Hier nahmen wir Abschied . . . Wir hatten 
verabredet, unserm Kind den Namen seiner Ge- 
burtöstätte zu geben. Daher nannte ich die Kleine 
8Narie Pauline Gräfin von Schönfeld". Ähnlich 
wird die Sache in den Memoiren der Diana 1, 103 
erwähnt: „Als Jerome am 17. Oktober 1813 Kas 
sel und Westfalen für immer verlassen wollte, fiel 
ihm ein, daß etwas Wichtiges vergessen wäre. Dieses 
Wichtige war ich. Im Schloß zu Schönfeld küßte 
Von Dr. Philipp Losch. 
er mich zum letztenmal . . . Georg v. Berlepsch 
gelang es, die Wünsche des Königs auch in 
bezug auf mich zu erfüllen" usw. Über diesen edlen 
Ritter „Georg v. Berlepsch" wird später noch zu 
reden sein. Das Kind müßte also demnach Ende 
Oktober 1813 geboren sein H. Diana berichtet dann 
in ihren Memoiren, daß sie mit dem Kind nach 
Paris geht und es in einem Kloster unterbringt. In 
den Memoiren der Jenny v. Gustedt wird dieses 
Kind auch noch oft erwähnt, in Augsburg, Rom 
und Paris und stets als eine Schwester Jennys als 
Tochter der Diana v. Pappenheim bezeichnet. Was 
ist nun richtig? Nach den ganz bestimmten Be 
hauptungen der Memoiren kann man eigentlich 
keinen Augenblick zweifeln, daß die Gräfin Schön 
feld wirklich ein Kind der Diana v. Pappenheim 
war. Vdenn diese „Nkemoiren" glaubwürdig und 
echt sind. Das ist aber eine große Frage. 
Daß alles darin-bunt durcheinander geht wie 
Kraut und Rüben, daß Namen und Daten nicht 
stimmen, das alles mag noch dahin gehn. Der Her 
ausgeber sagt selber: „Genaue Daten, unbedingte 
Korrektheit darf man von Diana nicht erwarten. 1 
1) Nach gütiger Mitteilung der Oberin des Klosters 
Oes Oiseaux ist Pauline de Schoenfeld ani 4 - Oktober 
1813 zu Kassel geboren. Den Namen „von Schönfeld" 
hat Napoleon nach Masson, Napoleon et sa famille 
8,75 seinem Bruder Jerome für dessen Kind von der 
Prinzessin Löwenstein bewilligt. Daß die spätere 
Nonne dies Kind der Prinzessin Löwenstein gewesen sei, 
kann Or. Joachim Kühn nach mir freundlichst gemachter 
Mitteilung nicht mehr aufrecht erhalten. Sicheres über 
Paulinens Herkunft habe ich noch nicht feststellen 
können.
	        

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