Full text: Hessenland (44.1933)

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Monatsschrift für Landes- und Volkskunde, Kunst und Literatur Wiens 
Herausgeber Dr. C. H i tz er o t h, Marburg a L., Markt 21/23/24, Fernspr.2034 und 2033. 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
44. Jahrgang. Seft s / 10 . Marburg, September / Oktober im 
Die Burg Herzberg. 
(i. Fortsetzung.) 
Dem Landgrafen verschaffte Ritter Hans in 
demselben Jahre, in dem er mit dem Herzberg be 
lehnt wurde, durch Kauf die Schlösser Volkers 
dorf und Friedewald, die gleich dem Herzberg aus 
gebaut wurden. Wenn Ritter Hans seinen Haupt- 
wohnsitz auch zunächst in Neustadt bei Kirchhain 
beibehielt, so ist doch nachgewiesen, daß er verschie 
dentlich aus dem Herzberg weilte. So verbrachte 
er das Pfingstfest i486 auf der Burg und war im 
Jahre 1490 öfter dort. Zwei Jahre später gelang 
es ihm, die durch den Landgrafen Wilhelm v. Hes 
sen vorgenommene Belehnung noch nachdrücklich zu 
sichern. Kaiser Friedrich III. bestätigte ausdrück 
lich diese Belehnung. Im Jahre 1495 begleitete 
ein stattliches Gefolge, darunter der Hofmeister 
Hans, die hessischen Landgrafen auf den Reichstag 
nach Worms, auf dem ein „allgemeiner Land 
friede" verkündet wurde nnd die Belebnnng der 
hessischen Landgrafen stattfand. Eö muß ein präch 
tiger Anblick gewesen sein, als beide Landgrafen 
mit ihrer Ritterschaft auf Z00 Pferden vor dem 
Kaiser erschienen. Im Jahre i 497 war die Bau 
arbeit auf dem Herzberg beendet und voller Stolz 
soll Ritter Hans ausgerufen haben: „Das Haus 
sei gebaut seinen Freunden znm Schutz nnd seinen 
Feinden zum Trutz". Obwohl Hans im Jahre 1475 
schwer verwundet worden war, erreichte er dennoch 
ein Alter von beinahe 80 Jahren. Über die 
Schwere der Verwundung gibt eine Nieserschrift 
Kunde, die berichtet, er sei vor Linz *) „mit einer 
Hackenbüchse geschossen worden, hinten zum Halse 
hinein und vorn neben dem Auge heraus". Im 
Jahre 1506 verschied er in Friedberg und die Bnrg 
ging, da Hans keine Söhne hatte, in den Besitz 
anderer männlicher Anverwandten über. Das bis- 
0 am Rhein. 
Von Hugo Frhr. von Dörnberg. 
herige Erblehen wird in ein Mannlehen umge 
wandelt nnd die Burg wird von einem Neffen des 
kinderlos verstorbenen Hofmeisters gleichen Vor 
namens von nun an bewohnt. In der Folgezeit wird 
von allerlei Händeln berichtet, die auf der Burg 
ihre Erledigung fanden. So zog zum Zwecke von 
Verhandlungen der Burgherr im Jahre 1.509 
wegen Löwenstein'fcher Händel mit 16 Pferden 
anf der Burg ein. Ein Jahr später hält Wil 
helm v. Doringenbergk, der Bruder Hansens, sei 
nen Einzug mit Antonius von Hattenbach auf den 
Herzberg. In Folge eines zu dieser Zeit entstan 
denen Brandschadens hielten sich kurz darauf 
Wilhelm, Hans und Ludwig v. Doringenbergk 
auf der Burg auf. Wilhelm genoß in hessischen 
Landen ein gewisses Ansehen, war er doch an mit 
bestimmender Stelle in Vormnndschaftssachen für 
den minderjährigen Landgrafen Philipp dem Groß 
mütigen tätig. Wilhelm v. Doringenbergk über 
brachte mit Ludwig v. Boineburg und dem Kasseler 
Bürgermeister Heinrich Forster den sächsischen 
Fürsten die Beschlüsse der hessischen Landschaft 
vom 29. Juli 1509, wonach diese Fürsten die 
Obervormundschaft über den Landgrafen überneh 
men sollten. Die Familieninteressen wurden aber 
dadurch nicht vernachlässigt. Man knüpfte Be 
ziehungen zur Familie v. Hopfgarten an. Ritter 
Georg von Hopfgarten suchte den Herzberg auf nnd 
seine Tochter ehelichte später den um die Refor 
mationseinführung in Hessen verdienten Hermann 
v. Doringenbergk. 
Von kriegerischen Auseinandersetzungen oder 
von Fehden hört man in dieser Zeit weniger. Die 
Familienmitglieder widmeten sich vielmehr der 
Verwaltung der ansehnlichen Besitzungen und ga 
ben sich literarischen und wissenschaftlichen Studien 
hin, die zu jener Zeit alle Welt erfüllten. Daß 
daneben der Verkehr mit Verwandten und be-
	        

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