Full text: Hessenland (43.1932)

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den, obwohl das Christentum selbst wieder erloschen 
war. An den Wänden der Zimmer hingen eine 
Menge von Antilopenhörnern, auf dem Fußboden 
lag zusammengerollt die nrächtige Haut einer Rie 
senschlange und stand eine Negertrommel, die mit 
Leder, angeblich aus Mamschenhaut, bespannt war. 
Zn den Ecken standen Negerwaffen, Speere, 
Schilde und Pfeile. Zwischen allen diesen Dingen 
hindurch gelangte man mit einiger Muhe zu einem 
der beiden Fenster, an welchem Klingelhöfers 
Staffelei stand, auf der er seine Afrikabilder 
malte. Diese Bilder stellten Negerhütten, Neger 
dörfer, Fluß- und Waldlandschaften aus allen 
Jahreszeiten dar. 
Damals entstand in Deutschland der Wunsch 
nach afrikanischem Kolonialbesitz, und es war daher 
natürlich, daß die Klingelhöferschen Bilder auö 
Afrika viel Beachtung und auch Käufer fanden. 
Vor allen Dingen war es Prof. Bastian, der Di 
rektor des Museums für Völkerkunde in Berlin, 
der viele dieser Bilder erwarb. Aber auch wisten 
wollte man vieles von ihm. Geographische und die 
handelsgeographischen Zeitschriften wünschten Auf 
sätze von ihm. Er hatte eine Anzahl der berühmten 
Afrika-Reisenden kennen gelernt: Stanley, den er 
am Congo traf, hatte er dort Zeichenunterricht ge 
geben, und in Berlin verkehrte er u. a. mit Nach- 
tigal und Schweinfurth. Der Ornithologe Karl 
Ruß besuchte ihn öfters und gab ihm Winke für 
Beobachtungen bei einer etwaigen nochmaligen 
Reise nach Afrika. 
Eine solche ließ denn auch nicht lange auf sich 
warten. Bereits im Herbst 1876 trat er die 
zweite Reise nach Afrika an in Begleitung eines 
Herrn Kaiser aus Marburg, der aber schon bald 
wieder nach Deutschland zurückkehrte. Diesmal be 
suchte Klingelhöfer das Gebiet zwischen Senegal 
und Niger, wo er in der gleichen Weise tätig 
war wie bei der ersten Reise. Während er bei 
dieser als Tauschgegenstände hauptsächlich alte Ge 
wehre und Pulver, Tabak und Schnaps mitge 
nommen hatte, brachte er jetzt den Negern, deren 
Vorliebe für europäischen Putz er kennen gelernt 
hatte, auch allen möglichen Tand, sogar auch Mar- 
burger Zägeruniformen zum Tausch mit. Für 
diese zweite Reise war er nun auch von Ethno 
graphen und Naturwifsenschaftlern, besonders von 
dem Zoologen Prof. Greeff in Marburg belehrt 
worden, auf was er achten und was er mitbringen 
sollte. So kam es, daß er, als er nach etwa zwei 
Zähren wieder zurückkam, nicht nur Gegenstände 
von ethnographischem Wert, sondern auch Vogel 
bälge und getrocknete Pflanzen den TLifsenschaft- 
lern übergeben konnte. 
' Die TCintermonate verbrachte er wieder in Ber 
lin, und wir wohnten wieder zusammen. Er hatte 
wieder Aufsätze für Zeitschriften zu schreiben und 
malte weiter seine Afrika-Bilder. Diese Bilder 
sollten nun auch mit Negerfiguren belebt sein, und 
da ihm das Figürliche weniger lag, traf er mit 
mir, der ich nicht über große Geldmittel verfügte, 
ein Abkommen, nach dem ich ihm in die meisten 
der Bilder eine Ntenge „Niggercher" malen sollte. 
Stück für Stück fünf Groschen. Einen anderen 
Verdienst wies er mir dadurch zu, daß er mich eine 
Anzahl seiner afrikanischen Studien zur Ver 
öffentlichung in der Leipziger Zllustrierten Zeitung 
auf Holz zeichnen ließ. Diese treue fürsorgliche 
Freundschaft hat er mir bis zu seinem Tode be 
wahrt. 
Von nun an blieb Klingelhöfer dauernd in 
Deutschland. Die Sommermonate verbrachte er 
regelmäßig in Marburg bei Mutter und Schwe 
ster, die Wintermonate zunächst noch in Berlin. 
Zm Winter 1881/82 ging er mit Freund Ritter 
nach V2eimar, das damals eine führende Stellung 
in der deutschen 8Nalerei einnahm. Beide wurden 
schnell bekannt in dem TLeimarer Künstlerkreis und 
veranlaßten mehrere Maler im Sommer mit nach 
Marburg zu kommen. Unter ihnen war es vor 
allen Dingen Otto Piltz, der eine Reihe von Zäh 
ren nach Cappel ging, wo er ausgezeichnete Bilder 
aus dem Bauernleben schuf. Ein anderer Wei 
maraner Maler, Sturzkopf, malte in dem großen 
Schafstall der alten Schäferei am Glaökopf eine 
heilige Familie. Prof. Th. Hagen und Tübbeke 
malten vortreffliche Bilder von Marburg. Auch 
mit dem jungen Paul Baum, der mit seinen Bil 
dern schon viel Anerkennung gefunden hatte, schloß 
Klingelhöfer schon damals Freundschaft und er 
warb auch einige seiner Bilder. Etwa von 1885 
an war Klingelhöfer im Winter wieder in Berlin, 
bis er sich anfang der neunziger Zahre ganz nach 
Marburg zurückzog. 
Niemand hätte es dem Mann, der so einfach 
war, wie er sich gab, angemerkt, daß er unter vie 
len Abenteuern Zahrzehnte lang in der weiten 
Welt umhergereist war. Klingelhöfer hatte sich 
wohl in Amerika das „no" beim Deutschsprechen 
angewöhnt, im Übrigen aber sprach er echteste 
Marbnrger Mundart nach wie vor, wie er denn 
überhaupt sein ganzes Leben ein guter Marbnrger 
geblieben war, der seine Vaterstadt über alles liebte. 
Die Wanderlust war gestillt und sein ganzes 
Leben war nun der Heimat gewidmet. Das Gar- 
tenhäuöchen in dem kleinen Garten unterhalb seines 
Hauses, oberhalb der Muhltreppe, richtete er sich 
als Atelier ein, in dem nur selten noch ein Afrika- 
Bildchen entstand, umsomehr aber Bilder aus 
Marburg und seiner Umgebung. Es war be
	        

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