Full text: Hessenland (43.1932)

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gegangen ist. Diese Liebe zum Volke ist 
allerdings eine der hervorragendsten Eigenschaften 
dieses Mannes, dessen Beliebtheit bei Allen, die 
ihn kennen, als ein unmittelbarer Widerhall seines 
eigenen Wesens erscheint. 
Freilich ist die Beliebtheit, deren sich Lewalter 
weit über die Grenzen Hessens hinaus erfreut, nicht 
allein auf diese Seite seines Wirkens zurückzu 
führen. Er hat sich auch als Komponist einen 
guten Namen gemacht und mit mehr als hundert 
MAodien, die er teils für Klavier oder Geige, teils 
aber auch zu fremden oder eigenen Worten, ersonnen 
und für eine oder mehrere Stimmen mit Klavier-, 
Orgel- oder Lautenbegleitung gesetzt hat, große 
Volkstümlichkeit gewonnen. Mehrere Manner- 
chöre Lewalters gehören zu den ständigen Vortrags 
nummern hessischer und anderer deutscher Gesang 
vereine und find zum Teil Preischöre bei Gesangs 
wettkämpfen gewesen. 
Johann Lewalter hat sich auch außerhalb des 
musikalischen Gebietes einen guten Namen gemacht, 
indem er sich beispielsweise viel Mmhe gab, das 
Puppenspiel wieder zu beleben. So gab er 
das alte Spiel „Doktor Fausts Leben und Höllen 
fahrt" nach Simrocks Aufzeichnungen und ver 
schiedenen, auf hessischen Jahrmärkten gesammelten 
Erinnerungen neu heraus und ließ ihm einen „Dok 
tor Kaspar" folgen, in dem er Szenen aus Ioh. 
Nabes niederdeutschen Puppenspielen und Eindrücke 
ans der guten alten Zeit der Kasseler Messe ge 
schickt verwertete. Auch als Dichter, dem die 
poetische Neigung von einem gemütvollen Vater 
vererbt wurde, hat er in „Feldblumen" und 
„Herbstfäden" seinem Wesen bescheidentlich Aus 
druck zu verleihen gesucht. 
Zn Kassel geboren, sollte er eigentlich in die 
Fnßtapfen seines Vaters treten und Buchdrucker 
werden, folgte aber rechtzeitig dem Ruf der Kunst, 
der er dann, nach der Studienzeit in Leip 
zig, wo er mit E. v. Recnizek, Konrad Ansorge, 
Felix v. Weingartner und anderen Freundschaft 
schloß, das ganze Dasein gewidmet hat. In der 
hessischen Heimat fand er in Künstlerkreisen, wie 
besonders in dem der Malerkolonie Willings 
hausen, viel geistige Anregung und menschliches 
Genügen, und darüber hinaus verband ihn mit 
Mmnnern wie Wilhelm Raabe, Wilhelm Busch, 
Wilhelm Speck tieferes seelisches Einverständnis. 
Heute, da er das siebente Jahrzehnt seines Erden 
wandels beschließt, kann er, an innerem Erleben 
und wirksamem Schaffen reiche Gezeiten über 
schauend, zugleich des seltenen Glückes genießen, 
das ein auch im Alter nicht versiegtes, jugend 
frisches und lebensfrohes Empfinden gewährt. 
Gchwemsbera 600 ^zahre Stadt. Von Dr. Q r t 0 K 0 r n. 
Am Montag vor Unser Frauentag zu Licht 
meß, also am 27. Januar 1332, besiegelte Kaiser 
Ludwig der Bayer zu Frankfurt einen Gnaden 
brief für seinen lieben Getreuen Ruprecht Schenck 
zu Schweinöberg wegen seiner Verdienste um 
Kaiser und Reich. Darin versah er Schweinsberg 
mit allen Rechten, Freiheiten und guter Gewohn 
heit, „die unser und des Richs stadt Franckfort 
hat", insbesondere verlieh er der neuen Stadt 
einen am Mittwoch abzuhaltenden Wochenmarkt. 
TVorin mochten die Dienste Ruprechts bestanden 
haben? Neben Waffenhilfe müssen wir in erster 
Linie an finanzielle Unterstützung denken. Denn es 
waren damals trübe Zeiten in Deutschland, Kaiser 
Ludwig befand sich in bedrängter Lage. Zwar hatte 
er 10 Jahre zuvor den Gegenkönig Friedrich den 
Schönen von Österreich bei Muhldorf überwältigt; 
aber viel gewaltiger war ihm im Kampf um die 
Anerkennung ein Gegner im Papste Johann XXII. 
erstanden, der im Bunde mit Frankreich, sicher in
	        

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