Full text: Hessenland (43.1932)

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mit wertvollen Einbänden versehenen Prachtstücke, 
so ein Messebuch, „auswendig mit einem silbernen 
Salvator, mit den vier Evangelisten und vielen 
überguldeten Sternen und silbernen Clausureien", 
auf der Rückseite mit fünf silbernen Rosen, ferner 
ein mit Silber beschlagenes Evangelienbuch mit 
einem silbernen und vergoldeten Salvator, mit 
Edelsteinen besetzt, dann Sankt Elisabeths Psalter, 
d. h. „ein Psalterium, daruf stehet sant Elisabeth 
silbern und übergolt mit vier gläsern dinglein, darin 
ist heiltum" ^). Unter den im Chore befindlichen 
Büchern werden i477 genannt 4 Antiphonare, 
4 Psalter, 4 Gradualien und andere Sängerbücher, 
auch ein Orgelbuch, dann 3 Legenden, ein Mar- 
tyrologium, ein Venitebuch, ein „wörtlich brevia- 
rium", ein deutscher Psalter und zwei Bücher von 
Sankt Elisabeths Leben. Die Bibliothek wurde 
ständig vermehrt. So hören wir u. a., daß 1474 
ein neues Hohemefsebuch auf die Feste für 32^2 
Pfd. Sch. 2 Pfg. angeschafft wurde, 1501 
neue gedruckte und gebundene RUessebücher für 8 
Pfd. u. 2 Sch., 1516 ein „Evangelibuch genannt 
der Keyerberger" für 1 Pfd. 6 Sch. Bor allem 
sind es die Marburger Kugelherren, die für den 
Orden tätig find. I. I. 1505 erhalten sie 5 Gul 
den für Schreiben und „notieren" von fünf Oua- 
ternen de pafstone b. virginis, 1507 21 Gulden für 
Schreiben eines Sängerbuches einschließlich des 
Einbindenö, wozu noch Pfd. 9 Sch. für den 
Ankauf von metallenen Buckeln in Frankfurt aus 
gegeben werden. Ziemlich bedeutende Summen für 
das Schreiben von neuen Antiphonarien, 1319 63 
Pfd. 6 Sch. einschließlich Einbinden und Illu 
minieren, 1520 74 Pfd. und nochmals 70 Pfd. 
8^2 Sch. Mehrfach hören wir von Ausgaben 
für Ketten zum Anschließen der Bücher in der 
Bücherei (liberie). 
Wenn man schließlich von dem Reichtum an 
Paramenten, die die Küsterei aufbewahrte, eine 
Vorstellung geben wollte, so müßten viele Seiten 
gefüllt werden. Das Inventar von 1348 enthält 
eine Aufzählung der einzelnen Stücke mit Angabe 
der Farben und der Münster, der Altäre, zu denen 
sie gehören, und der Festtage, an denen sie ge 
braucht wurden. Einige von ihnen mögen hier her 
ausgegriffen werden, wobei es allerdings der Phan 
tasie überlassen bleiben muß, von der Farbenpracht 
der kostbaren, meist aus Seide und Samt bestehen 
den und golddurchwirkten Gewänder eine Vorstel 
lung zu gewinnen. * S. 
34) Nicht zu verwechseln mit dem jetzt in Cividale 
befindlichen Psalter der Landgräfin Sophie, Vgl. 
Schmoll, die h. Elisabeth in d. bild. Kunst, 1918, 
S. 117. 
Alles Gerät, was zum Ornat und zum 
Schmucke der Altäre, wie überhaupt zum Ge 
brauche beim Gottesdienste diente, wurde in den 
zahlreichen Schränken und Truhen in den oberen 
und unteren Räumen der Sakristei aufbewahrt: 
Hunderte von Cafeln und Chorkappen mit jedes 
mal zwei Diakonröcken waren dort angesammelt, 
viele Alben, Humeralien, Stolen, Manipel und 
was sonst zur priesterlichen Kleidung gehört; ferner 
Altartücher, Corporalien mit den zugehörigen Ta 
schen, Custodien, Kelchtücher, Kissen, Fahnen und 
dergleichen mehr. 
Am Ostertag und Christtag wird gebraucht 
eine rotverblümte Chorkappe von Samt mit einer 
blauen Perlenleiste, dazu eine Casel mit einem 
Perlenkreuz und rotsamtenen Diakonröcken, Pfing 
sten und Allerheiligen eine blauseidene Casel mit 
einem Perlenkreuz und zwei mit goldenen Lilien 
besetzte Diakonröcke, wozu eine blausamtene mit 
einer Perlenleiste versehene Chorkappe gehört. Eine 
weiß-silberne mit schwarzem Samt verblümre 
Chorkappe mit einer goldenen perlenbestickten Leiste 
samt einem daran hängenden silbernen Knopf wird 
genannt, eine andere von violblauem Samt, die mit 
einer gewirkten Leiste und vielen silbernen und ver 
goldeten Spangen verziert ist. Am Ostermontage 
wird eine Casel von blauem Samt mit einem ge 
wirkten goldenen Kreuz, am OsterdienStag wieder 
eine andere Casel mit einem ebensolchen Kreuz, auf 
Kreuzeserhöhung (14. Sept.) eine solche von rotem 
Samt ebenfalls mit einem golddurchwirkten Kreuz 
getragen. Mehrere weiße Damastcaseln mit gol 
denem Kreuz, von denen die eine an Mariä Heim 
suchung (2. Juli) gebraucht wird, tragen das 
Dörnbergische Wappen. Hier können wir auch 
das Alter bestimmen. Sie find Geschenke des be 
kannten Hofmeisters Hans von Dörnberg, der i. I. 
1482 dem Orden „Weißes Gerät" stiftete und 
i. I. 1496 nochmals zwei neue Diakonröcke von 
schwarzem Samt schenkte. Seine beiden Frauen, 
die 1481 und i497 starben, sind ja in der Elisa 
bethkirche begraben, was die beiden ihnen gewid 
meten und im Südchor an der Westwand aufge 
stellten Nrellograbplatten dartun. Er selbst, der 
gute Beziehungen zu dem Orden unterhielt, hat 
noch nach seinem Sturze i. I. 1500 eine dritte 
weiße Casel gestiftet (i. I. 1301) und ferner 20 
Gulden für Lichter zu seinem eigenen Begängnis 
(1302). Er starb aber 1506 in der Verbannung 
zu Friedberg und ist wohl auch dort beerdigt. 
Am Sonntag Trinitatis wurde eine Casel mit 
goldenem Kreuz und Diakonröcke von grünem, ge 
blümtem Samt und dazu Chorkappen von braunem 
Samt mit goldenen Leisten, an den beiden Io-
	        

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