Full text: Hessenland (43.1932)

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Heffenlan- 
MonatssArift für Landes' und Volkskunde, Kunst und Literatur Hessens 
Herausgeber Dr. C. H i tz er o t h, Marburg a L., Markt 21/23/24, Fernspr.2034 und 2033. 
Enthaltend zugleich die „Mitteilungen" des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. 
43 . Mrgang. fielt ll/ll Marburg. Rovember/Sezember « 
Die Hessen Bei Lützen. 
(6./16. November 1632.) 
Die Schlacht bei Lützen am 6./16. November 
1632, in welcher der Schwedenkönig Gustav 
Adolf seinen Tod fand, ist eines der großen 
Kriegsereignisse, die auch dem in der Weltgeschichte 
weniger Heimischen geläufig sind. Sie brachte aber 
weder eine entscheidende Wendung des Krieges 
trotz ihrer Bedeutung für die augenblickliche Lage 
der beiden Parteien, noch schuf sie die Grundlage 
für die letzten Kriegsentscheidungen. Der eigent 
liche Sieger war noch vor Erringung des Erfolgs 
im Kampfgetümmel gefallen, das Kriegsvolk 
wußte beim Ende der Schlacht kaum, daß der Kö 
nig Gustav Adolf tot sei, ja, die Führung des 
deutsch-schwedischen Heeres sah erst am Morgen 
nach der Schlacht, daß sie gesiegt habe, wie auch 
W a l l e n st e i n erst in den folgenden Tagen 
und Wochen die Schwere des Unglücks erfuhr, die 
ihn und sein Heer betroffen. Eine wirklich genaue 
Darstellung des Schlachtverlaufes war aber trotz 
der ^Wichtigkeit der Schlacht von Lützen kaum er 
halten und was Schiller in seiner Geschichte des 
Dreißigjährigen Krieges erzählt, war wohl ein ge 
waltiges Heldenlied, aber keine kritische Darstel 
lung der Schlacht. Eine solche besitzen wir erst seit 
1917 in der Gießener Dissertation von Karl 
D e u t i ck e, während schon früher unser viel zu 
Eühe für die heimische TEifsenschaft verewigter 
Landsmann Hermann Diemar den Anteil 
der Hessen an jener Schlacht untersuchte, nicht 
ohne Korrekturen noch durch Deuticke erfahren zu 
müsten. 
Es ist merkwürdig, daß in der Geschichte des 
hessischen Heeres schon seit vielen fahren ein Irr 
tum mitgeschleppt wird, der auf die kurhessische 
Stamm- und Rangliste zurückgeht, bezw. auf 
Rommel, Sodenstern und Geschwind, wonach das 
weiße, blau-weiße und das rot-bunte Regiment an 
Von Bruno Jacob. 
jener Schlacht teilgenommen hätten, was aber eben 
irrig ist. Es soll in Nachstehendem versucht wer 
den, so klar als möglich die Teilnahme der heffen- 
kastelischen Truppen an jener Schlacht vor 300 
Jahren zu schildern, so wie sich das nach den For 
schungen von Deuticke und Diemar ermöglichen 
läßt. 
Acht Wochen lang, durch August und Sep 
tember, hatten sich die Truppen des Schweden- 
königs und des Herzogs von Friedland in der Nähe 
von Nürnberg gegenübergelegen, beide in der Er 
wartung, durch Ermattungsstrategie den Gegner 
zum Abzüge zu zwingen. Denn bei der annähernd 
gleichen Stärke schien beiden Teilen ein Angriff 
auf die verschanzten Stellungen des Gegners unan 
gebracht, weil mit einer Niederlage immer leicht ein 
Verlaufen der geworbenen Truppen möglich war. 
Doch auch ein Mangel an Verpflegung konnte 
das bewirken. Dies mußte Gustav Adolf zu seinem 
Leidwesen erfahren, als Wallensteinö leichte Rei 
terei ihm einen Proviantzug von 152 Wagen ab 
fing und den König damit zwang, in westlicher 
Richtung auf Windsheim zurückzugehen. Zunächst 
noch schwankte Wallenstein, was zu tun sei. Noch 
stand der sächsische Graf Arnim in Schlesien 
und band dort den kaiserlichen General Nt a r a - 
das, während in Sachsen die Generäle G a l - 
l a s und Holk sich bemühten, durch Bedrückung 
und Aussaugung des Landes den Kurfürsten I 0 - 
Hann Georg von Sachsen von dem Bündnisse 
mit Schweden abzuzwingen; Wallenstein mußte 
aber suchen, gute Winterquartiere für seine Trup 
pen zu finden und Kursachsen war dazu das ge 
eignetste Land, zumal er so auch den Druck auf 
dessen Kurfürsten verschärfen konnte. — Gustav 
Rdolf schwankte gleichfalls. Er wollte versuchen, 
einmal einen neuen Druck auf den Kurfürsten
	        

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