Full text: Hessenland (37.1925)

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Jahreszeitten, Sonn und Mondfinsternüssen, 
und alles, was ein A8tronomii8 aus ein globo 
coelesti durch Rechnung finden muß. D.e 2 te 
Uhr ist deswegen rernareable, weil sie von 
2 blauen Kugelen anstadt des perpendicels ge 
trieben wird. Alles dieses wird vom Pedell 
gezeuget, dem man für alles 16 ggr. bis 1 thl. 
Trinkgeldt giebt. Das Nodellhauß besähe 
ich Vormittag. Dieses ist ein schlechtes Hauß, in 
welchem alle Modelle von Palais und Gar en 
stehen, die theils verfertiget worden oder noch 
sollen gebauet werden. Vornehmlich ist das 
Modell vom sogenannten Winternsten vor u- 
ziehen, und man kan aus demselben sich voll 
kommen von gantzen Werken eine lies machen. 
Der Winterkasten ist nicht ganz fertig gebaut, 
sondern nur das 4 tc theil ist erst davor: fertig. 
Man kan sowohi im Modellhauß als im Winter- 
kasten selbst die prospeete von demselben in 
Kupfer-Stiche haben, allein sie kosten alle zu 
sammen 1 =4= Dem Modellmeifter giebt man 
12 ggr. Trinkgeldt. Wenn man das Merk 
würdige von Cassel nützlich und ohne Zeitt- 
verlust sehn will, muß man nach folgender 
Ordnung dieselbe sehn. Erstlich das Modell 
hauß, vor: da in die Orangerie, von hir ins 
Badhauß, hernach das Kunsthauß. Dieses ist 
auf ein Tag genug. Den andern Tag fahrt 
man mit einem Fuhrmann nach dem Winter 
kasten, welcher 2 Stunden von der Stadt lieget. 
Hier nimmt man kalte Küche und ein Glaß 
Wein mit, weil man sonst nichts haben kan. 
Vom Winterkasten nach der Aue, von hir nach 
dem Wilhelmsthal, und dieses ist genug für 
den 2 ten Tag. Den 3 ten besuchet man das 
übrige. 
Den 1. Julius besähe ich dem Landgräf 
lichen Garten, in welchem die Oran 
gerie superbe und remarguadle ist; vor 
nehmlich ist der große Porberbaum merk 
würdig, der aber zu meiner Zeitt vol Alter die 
Bletter fallen lassen. Das Lusthauß in diesem 
Garten bestehet aus 2 große Sääle, an deren 
Wänden die alten Kayser in Stein gehauen. 
Hier giebt man dem Gärtnergesellen 12 ggr. 
Das B a M lieget neben an diesem Garten. 
Dieses ist mit gelb ägiptischem Marmor aus 
gelegt, und ist alles Wände und Fußboden 
von Marmor. In der Mitte ist die Tiefe, wo 
man warm und kaltes Wasser durch besondere 
Canale lassen kan. Die Marmornen Statuen 
sind superbe und alle von einem Jtaliäner 
a Das Geismarsche Bad lieget 3 Stunden vor der 
Stadt, und man kann sich da baden. 
Monnop 18 verfertiget worden. Hir giebt man 
höchsten 16 ggr. Trinkgeldt. 
Die B i b i o t e c ist nicht sonderlich, man 
findet da eine große Sammlung von Bibelen, 
darunter ist eine Bible auf Pergament gedruckt 
herausgegeben von Luft in 2 Theilen, davon 
der erste theil anno 1558, der andere ao 1561 
gedruckt worden, widerum eine andere von 
anno 1534 in Augspurg gedruckt. Zu Mainz 
ist eine gedruckt anno 1462, welche man für d'.e 
älteste hält. Man findet hir auch den codicem 
'hebraicum, welcher sehr zerrißen ist. Die 
übrigen Bücher gehören zur Historle. 
Die Bildergalerie ist superbe, und 
find hir Stücke von den berühmtesten Meistern. 
Man gibt hir 16 ggr. Trinkgeldt. Die pro- 
menäde auf der franyoisifchen Neu 
stadt ist sehr plaisant. (NB! in Halle, Goet- 
tingen, Cassel und Braunschweig werden keine 
extra Posten augehaPen und visitire'.). Wmn 
man nach den Winterkasten fährt, so fähret 
man auf der retour durch die Aue, welches 
man mit dem Fuhrmann abreden muß. Bey 
der Einfahrt der Aue giebt man 4 ggr. D'.e 
Aue besteht aus vielen alleen und ist sehr pki- 
sant. Das Künstlichste in derselben ist der 
Schneckenbcrg, welcher dergesta t ang legt wor- 
den, daß man auf den Berge in die Runde 
unvermerkt heraufgeht und hernach wieder bis 
in den Mittelpunet des Berges hinunter gehen 
kan, wo man einen Teuch findet. Mai: inuß 
denselben Weg zurückgehen, wenn man von 
dem Berge abkommen wi l. Das Theatrum, 
welches von Spalirs künstlich gemach et worden 
ist, die Sieben Berge, die Hinten am grossen 
Bassin der Aue liegen, welche von der Erde 
aus diesem Bassin formirt worden, die kleine 
Insel, auf welcher der Hochsel. Landgraf ein 
Lusthauß hat bauen lassen wollen, von wel 
chem man noch das dessin im Modellhauß 
siehet. Das künstlichste an diesem Lusthause 
wäre gewesen, daß eine Tafel mit allen per 
sonell, die um denselben sitzen, vermöge eines 
Blasebalgs bis gantz oben dieses Lusthauses 
in die Höhe hätten können gehoben werden. 
Neben an der Aue lieget der Landgräfliche 
Garten. Die Fasanerie in der Aue ist auch 
würdig zu sehen, wo man einige Arten von 
Thieren siehet, ex gr. Perlhüner, Fasanen etc. 
Man giebt hir an dem Mägdchen 2 ggr. 
Trinkgeldt. 
Wenn man nach dem Winterkasten fah 
ren will, so muß man den Lohnbcdienten eine 13 
13 Pierre Monnot.
        

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