Full text: Hessenland (37.1925)

»teure, Techniker, Großindustriellen und reinen For 
scher zeichnen. Aus den ersten drei Bändchen seien hes 
sische Leser besonders aus die Biographien von Philipp 
Reis, Röntgen, Bunsen und Justus v. Lrebig hin 
gewiesen. H. 
Siegel, Gustav. Aus Lügdes Vergangen 
heit. Im Aufträge des Magistrats bearbeitet. Mit 
11 Abbildungen und 1 Karte. Lügde (Verlag des 
Magistrats) 1924. -130 Seiten. 
Dem Verfasser der ausgezeichneten „Geschichte der 
Stadt Lichtenau", der seit Jahrzehnten die Akten über 
die Geschichte der Hessen - Kasselschen Truppen im 30- 
jährigen Kriege erforscht, wurde vom Magistrat der 
lippeschen Stadt Lügde der ehrenvolle Auftrag, deren 
Geschichte zu schreiben, und er hat sich mit gewohnter 
Gründlichkeit und Sachkenntnis auch dieser Aufgabe 
entledigt. Alle nur erreichbaren Archivalien ergaben ein 
abgerundetes Bild, aus dessen Mittelpunkt die Gescheh 
nisse des großen Krieges besonders wirksam hervortreten. 
Für uns sind die hessischen Beziehungen von beson 
derem Interesse. Hat doch in all den Jahren des Kriegs 
leids, in denen ein ganzes Geschlecht den Begriff des 
Friedens nicht mehr kannte, das kleine Städtchen und 
seine Umgebung oft genug hessische Regimenter gesehen, 
und die Stadt konnte für eine anschauliche Schilderung 
dieser erinnerungsschweren Zeiten keinen besseren Histo 
riker wünschen. So wird denn auch diese Stadtgeschichte 
den kriegsgeschichtlich interessierten Hessen vieles bieten. 
Erwähnt sei noch, daß unser Lügder Landsmann, der in 
der Schlacht bei Hessisch-Oldendorf gefallene Oberst 
leutnant Rab v. Kanne, feierlich in der Kasseler Martins 
kirche beigesetzt wurde. H. 
Wilhelm von Humboldt. Briefe an eine 
Freundin. (Charlotte Diede.) 15. Originalaufl. 
Neu bearbeitet mit Einleitung und Anmerkungen von 
Heinrich M e i s n e r. Mit einem Faksimile und 
9 Abbildungen. Leipzig (F. A. Brockhaus) 1925. 
776 Seiten. Preis 9 M. 
Charlotte Diede, die Adressatin der gedankenreichen 
Humboldtschen „Briefe an eine Freundin" hat den größten 
Teil ihres bewegten Lebens in Kassel verbracht. Als sie 
sich 1814 in materieller Bedrängnis an Humboldt wandte, 
waren 26 Jahre seit ihrem Zusammentreffen in Pyr 
mont verflossen. Und nun setzte bis zu Humboldts Tod 
jener ununterbrochene Briefwechsel ein, der in das ein 
same Leben der Schwergeprüften einen Sonnenstrahl des 
Glückes warf. Die Briefe Charlottes an Humboldt — an 
dere bisher ungedruckte Briefe von ihr veröffentlichte ich 
im „Hessenland" 1919, Seite 89 f. — wurden auf ihren 
Wunsch bis auf einen vernichtet, diejenigen Humboldts 
gab sie selbst 1847 zuerst heraus, und zwar mit einem 
Erfolg, der denjenigen des Briefwechsels Goethes mit 
Schiller weit in den Schatten stellte. Erst in neuerer Zeit 
stellte sich die Unzuverlässigkeit des Textes heraus. Da 
die Originale z. T. nicht mehr vorhanden sind, war eine 
völlige textkritische Ausgabe zwar nicht möglich, wohl 
aber sind in der vorliegenden Neuauflage alle noch vor 
handenen Briefe genau verglichen und nach dem Original 
ergänzt worden. Beigefügt sind außer einem Vorwort 
und zahlreichen Anmerkungen des Herausgebers eine 
Reihe von Abbildungen, darunter auch die mit Erlaubnis 
des Verlags in dieser Nummer wiedergegebene Sil 
houette der noch im Alter schönen Pfarrerstochter. So 
wird denn auch diese neue zuverlässige Ausgabe der 
geistvollen Briefe des tiefen Ergründers der menschlichen 
Seele wieder ihren Weg finden zum Herzen der vielen, 
die in ihnen Anregung zur Erfassung des eigenen Innen 
lebens, Antwort auf mancherlei Fragen und Trost in den 
Tagen des Leidens suchen. 8. 
Flaskamp, Franz. Auf hessischen Bonisa- 
t i u s P f a d e n. Ein Führer zum hessischen Boni- 
fatius-Jubiläum 1925. Mit 4 Kärtchen im Text und 
einer Wanderkarte als Anlage. . Münster i. W. 
(Aschendorfssche Verlagsbuchhandlung) 1924. 29 S. 
Geb. 1 M. 
Der Streit um den Standort der Bonifatius-Eiche will 
nicht verstummen, obwohl alles bisher bekannte wissen 
schaftlich brauchbare Material mit hoher Wahrscheinlich 
keit auf Geismar bei Fritzlar weist. Zn demselben Er 
gebnis kommt auch Flaskamp, der den Freunden hes 
sischer Geschichte bereits als Bonifatiusforscher bekannt 
geworden ist. Gestützt auf sorgsame Quellenstudien, die 
im einzelnen durch die Belegstellen nachgewiesen werden 
und also von jedem nachgeprüft werden können, bietet er 
einen Führer für eine Wanderung auf den hessischen 
Bonifatius-Pfaden, der dem wissenschaftlichen Forscher 
wertvolle Dienste leisten, jedem Gebildeten und für 
die Geschichte der Heimat Interessierten den Schlüssel 
zum Verständnis für die hierher gehörenden Fragen 
bieten wird. Er folgt dem Weg und der Arbeit des 
großen Missionars von der Amöneburg und Groß-Seel- 
heim hin zum Eddertal, wo Buraberg, Geismar-Fritzlar 
und Buraburg im Mittelpunkt der Darstellung stehen, und 
endet in Buchenland und Eichloh an der Fulda mit den 
Gründungen Hersseld und Fulda. Die beigegebenen 
Skizzen und Kärtchen erläutern die Darstellungen aufs 
beste. Die vom Verlag gut ausgestattete Schrift verdient 
weiteste Verbreitung und wird hoffentlich auch von 
unserer Lehrerschaft für den Unterricht in der Heimat- 
geschichte ausgenutzt werden. Dr. Hop f. 
Kalender. 
Zum 42. Male, also als alter Bekannter, tritt der 
wieder sehr reichhaltige, von Pfarrer Ellenberg im 
Verlag von Fr. Lometsch, Kassel (75 S., Preis 0.50 M), 
herausgegebene „Hessische V o l k s k a l e n b e r" über 
unsere Schwelle, und schon der erste Blick zeigt uns die 
wohlvertrauten Züge. Auch diesmal steuerte der Senior 
unserer hessischen Volksschriftsteller Heinrich Naumann 
eine seiner so gern gelesenen Erzählungen aus dem 
Dorfleben bei und weiß daneben herzlich zu plaudern 
über die diesjährige Kunstbeilage des Kalenders (Otto 
Piltz, Kindtaufe in der alten Kappeler Kirche). Aus den 
weiteren Beiträgen seien genannt Chr. Paul, Die Fran 
kenberger Kornähren, Paul Setz, ein Brief aus der Hei 
mat, wnd Th. Krausbauer, Wenn unser Flieder blühte. 
Der bekannte Botaniker Herm. Schulz schildert einen 
„Frühlingsspaziergang durch den Buchenwald", Johann 
Lewalter bringt einige Gedichte und der Radierer Kätel- 
hön die Vertonung eines Stormschen Liedes. Der Bild 
schmuck weist u. a. fünf Federzeichnungen Ubbelohdes 
auf. — Trägt der hessische Volkskalender einen aus 
gesprochen christlichen Charakter, so ist der im Weser- 
Main-Berlag, Kassel, zum ersten Male erscheinende 
illustrierte Kalender „192 5. Zwischen Wese rund 
Main" (79 Seiten, Preis 0.80 M) sozialistisch ein 
gestellt. Er soll, wie das Geleitwort besagt, „dem Aus- 
Elärungs-, Kunst- und Unterhaltungsbedürfnis des ar 
beitenden Volkes dienen und will in die Tage heißer Ar 
beit und schwerer Sorge, bitterer Enttäuschungen und 
tiefen Leides einige Stunden stiller Freude flechten". 
Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß unser 
Landsmann Valentin Traudt in erster Linie diesem 
neuen Kalender sein Gepräge gab. Von ihm rühren auch 
verschiedene Gedichte und Erzählungen her, von denen
        

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