Full text: Hessenland (37.1925)

auf bie zum Teil allerdings auch die Flora 
Thüringens Besitzanspruch erhebt: (Timmia 
bavarica aus den Kripplöchern, Amblystegium 
Sprucei von Mönchhosbach, Trichostomum 
pallidisetum vom Otterbachstein, Tr. caespito- 
sum von Wanfried, Grimmia anodon von der 
Adolfsburg, Bartramia Oederi und vor allem 
Hypnum Halleri vom Heldrastein). 
Ein weiterer tüchtiger Florist erstand der 
Wissenschaft dieser Kleinwelt in denl Mittel 
schullehrer Hans Pfalz graf in Wellinge 
rode bei Albungen, jetzt in Witzenhausen, der in 
den sonndurchglühten Berghängen des Werra- 
tals bereits mehrere neue Bürger unserer Flora 
von südlicher Herkunft nachwies (Rterygoneu- 
rum subsessile in den Jestädter Weinbergen, 
Trichostomum caespitosum bei Neuerode). 
Crossidium squamigerum stellte ich unter den 
von ihm am Bilstein im Höllental gesammelten 
Moosen fest: wir fanden es dann gemeinsam 
bei schwieriger Felskletterei an den der Mit 
tagssonne senkrecht ausgesetzten Wänden und 
in heißen Felsenwinkeln, dort greisgrau wie 
der Fels sich diesem und der Sonnenwirkung 
anpassend, wieder. Es ist ein Kind des son 
nigsten ^Südens, erst vom unteren Lahntale an 
nach Süden hin heimisch, wenn auch nicht 
häufig werdend. Ebenso wie am Bilstein hat 
Grossidiurn auch bei Göttingen einen weit nach 
Norden vorgeschobenen, sporadischen Standort, 
der von Quelle entdeckt wurde. Weitere seltene 
Funde machte ich während der verstrichenen 
3 Jahre in der näheren und weiteren Um 
gebung Kassels, von denen die folgenden als 
die auffälligsten hervorgehoben sein mögen. 
Zunächst bot der Reinhardswald neben zahl 
reichen anderen Torfmoosen das seltene Sphag 
num molle, von den ebenfalls torsigen Boden 
liebenden Garnpy1opn8-Arten G. turfaceus und 
C. flexuosus (letzteres ist übrigens in den 
niederhessischen Bergen gar nicht so selten, wie 
es nach früheren Angaben scheinen mochte). 
In den Quellwässern des Hemelbachs gedeiht 
üppig Hypnum Rotae und unweit davon Raco- 
mitrium protensum, aus Quarzitblöcken Dicra- 
num fulvum. Reiche Ausbeute lieferte vor 
allem der Meißner, unser heimatliches Hoch 
gebirge, und seine Umgebung: Sphagnum 
molle (auch bei Spangenberg), Campylopus 
flexuosus-zonatus und C. turfaceus, alle zu 
sammen mit vielen anderen in üppiger Größe 
und in dicken Polstern an den, warme Wasser 
dämpfe ausströmenden Rauchquellen des bren 
nenden Braunkohlenflözes bei Bransrode. Fu- 
marolen können wir aud) diese Quellen nennen. 
Wärme vereint mit Feuchtigkeit fördert hier 
die Vegetation und nur stellenweise und zeit 
weilig gewinnen die giftigen Kohlengase bie 
Oberhand. Auch der an der Bransröder Seite 
noch bis zu erheblicher Meereshöhe sich er 
haltende Muschelkalk weist viele wertvolle Er 
scheinungen auf: Leskea nervosa, L. catenu- 
lata, Trichostomum mutabile, Bryum ele- 
gans, Seligeria recurvata. Ans der Westseite 
des Berges, wo die hochgelegenen, alpinen 
Charakter tragenden Felsstürze von den Rän 
dern der Kalbe sich herabsenken, gesellt sich 
wieder eine andere Gruppe: Grimmia Nuehlen- 
beckii (seit Pfeiffer nicht erwähnt), Grimmia 
Doniana (bisher in der Nachbarschaft nur vom 
Brocken, Vogelsberg und Milseburg bekannt); 
Racomitrium microcarpum fand ich hier 1921 
wieder, nachdem es seit etwa 120 Jahren dort 
nicht wieder gefunden war. Die Botaniker 
Crome und Persoon ans Göttingen und der 
Gothaer Hofrat Bridcl a Brideri hatten es 
1806 hier entdeckt bzw. gesammelt. Welche 
Wagen- und Fußreisen hatten in damaliger 
Zeit die Botaniker zu unternehmen! Ähnlich 
erging es dem hier wachsenden Hylocomium 
umbratum, das ebenfalls zu jener Zeit hier 
entdeckt und erst vor wenigen Jahrzehnten 
durch Studienrat Lorch-Berlin und unabhän 
gig von diesem durch den um die niederhessische 
Phanerogamenflora hochverdienten und zu früh 
verstorbenen Lehrer Tante-Kassel wiedergefun- 
beu wurde. An feuchten Basaltfelsen fand ich 
das seltene Orthotrichum urnigerum, das 
seinen nächsten einzigen Standort in der hohen 
Rhön, ferner auch nur je einen im Harz, im 
Sauerlande und in beit Vogesen (abgesehen 
von Alpen und Skandinavien) aufzuweisen hat. 
Zu den besonderen Funden des Werratals 
gehören Dydimodon luridus, Bryum Funckii 
(Hoheneiche), Trichostomum viridulum (Rei 
chenbach, Hoheneiche), Hymenostomum tortile 
(Bilstein i. H-, Hoheneiche usw.), Gyroweisia 
tenuis (Allendorf a. W.) als Pflanzen süd 
licher Herkunft. 
Der wenig durchforschte Kellerwald lieferte 
an seinen Quarzitselsen Dicranum strictum, 
Dicranoweisia cirrata. Die Umgebung von 
Wildungen neben Weisia crispata, Schistidium 
pulvina'tum die große Seltenheit Myurella 
julacea, die ebenfalls, abgesehen von den mit 
teleuropäischen und nordischen Alpen nur ans 
den Sudeten, vom Südharz und von St. Goar 
am Rhein bekannt war. Zierenberg beher 
bergt in seiner Nachbarschaft (Bärenberg) die 
weniger seltene Grimmia montana.
        

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