Full text: Hessenland (37.1925)

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Aus Heimat und Fremde. 
H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. Marburg: Am 5. De 
zember hielt Lic. Dr. Theodor Siegfried über 
„Mythos und Logos" und am 18. Dezember Dr. zur. 
et phil. W. Mannhardt über „Grenz- und Aus 
landsdeutschtum als Lehrgcgenstand" die Antrittsvorlesung 
zur Erlangung der venia I6g6ndi. — Die philosophische 
Fakultät verlieh dem Generalleutnant z. D. Exzellenz 
Bernhard R a t h g e n , „dem gelehrten Kenner der Ar 
tilleriegeschichte, dem Wiederentdecker des mittelalterlichen 
Drehkraftgeschützes, dem Ergründer des deutschen Ur 
sprungs der Pulvermasse" Rechte und Würden eines 
Ehrendoktors. — Das Kunsthistorische Seminar ver 
anstaltete eine Ausstellung von Gemälden und Zeich 
nungen Heinrich Giebels zu dessen 60. Geburtstag. 
— Gießen: Geheimrat Dr. B o st r ö m von der 
Universitätsklinik beging seiirbn 75. Geburtstag. —. Der 
Professor der Theologie Geh. Kirchenrat D. Dr. K rüge r 
wird an der Universität Chicago auf Einladung von 
April bis Juni kirchengeschichtliche Vorlesungen abhal 
ten. — Im physikalisch-chemischen Institut fand eine 
Jahrhundertfeier der Professur Justus L i e b i g s statt. 
Sanitätsrat Dr. Kranz-Busch, Wiesbaden, schil 
derte die Verdienste dieses großen Reformators auf dem 
Gebiet der Chemie, Agrikultur und Medizin für die 
Menschheit. Geheimrat Sommer wies auf die Not 
wendigkeit der Erhaltung des Liebig-Museums hin. — 
— Die Gesamtzahl der Studierenden betrügt im Winter- 
Semester 1352. — Unter den 23 deutschen Universitäten 
stano bezüglich der Besuchszahlen im Sommersemester 
Frankfurt an 8., Marburg an 14. und Gießen an 
20. Stelle. — Greifswald: Der ord. Professor 
der Kirchengeschichte Geh. Konsistorialrat D. Dr. Friedrich 
Wiegand (1860 zu Hanau geboren, ein Nachkomme 
des 1543 verstorbenen Kanzlers Feige, 1902—1906 a. o. 
Professor in Marburg) wurde zum 1. April 1926 von 
den amtlichen Verpflichtungen entbunden. 
Perso nalchroni k. Ter hessische Minister des 
Inneren von Brentano beging am 9. Dezember 
seinen 70. Geburtstag. Früher lange Jahre in Offen- 
Bücherschau. 
Biographisches. 
Als am letzten Märztag dieses Jahres Wilhelm Speck 
seinem Leiden erlag, hatten wir die Hoffnung, einer seiner 
langjährigen Freunde, etwa I. G. Sprengel in Frank 
furt, werde uns nun einmal das Menschliche dieser 
komplizierten Dichternatur näher bringen. Inzwischen 
hat Speck bereits einen Biographen gefunden: Dr. Hein 
rich S ch l e i ch e r t, Der Dichter Wilhelm 
Speck (Berlin, M. Warneck, 1925. 124 Seiten. In 
Ganzleinen geb. 4 M). In weiser Beschränkung hat der 
Verfasser, der ja erst spät den seiner Sprache nicht mehr 
mächtigen Dichter kennen lernte, in etwa der Hälfte fernes 
Buches Speck selbst und seine Freunde reden lassen. 
Schleichert zeigt in engem Zusammenhang mit der Dar 
stellung des rein Biographischen das Werden des Dich 
ters und gibt gleichzeitig eine Analyse seiner Welt 
anschauung und seiner Werke. Wenn er diese freilich 
nur der „edleren Unterhaltungslektüre" eingruppiert, 
so muß dem stark widersprocheu werden. Gern hätten 
wir auch eine eingehendere Untersuchung über die lite 
rarische Beeinflussung Specks, etwa durch seine Freunde 
Raabe und Heyse oder durch Dostojewski, gelesen. Ent 
läßt uns also diese Arbeit nicht ohne Wunsch, so ist 
es doch zu begrüßen, daß Wilhelm Speck durch dieses, 
bach als Rechtsanwalt tätig, ist er seit 1890 Mitglied des 
hessischen Landtags. Nach der Umwälzung wurde er in 
die Nationalversammlung, später auch in den Reichstag 
gewählt. Minister ist er seit dem 21. Februar 1919. 
Zuerst stano er dem Justizministerium vor, später über 
nahm er auch das Innenministerium. — Gleichfalls 
seinen 70. Geburtstag feierte der frühere Oberbürger 
meister und jetzige Ehrenbürger der Sjadt Hanau 
Dr. Gebeschuß. — Am 24. Dezember vollendete 
der Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau von 
Gehren sein 60. Lebensjahr. In Ziegenhain 1865 
als Sohn des damaligen dortigen Landrats geboren, war 
er längere Zeit als Regierungsassessor bei der Zentral 
verwaltung der direkten Steuern in Berlin beschäftigt 
und wurde dann als Nachfolger seines Vaters Landrat 
in Homberg a. d. Efze, war Landtags- und Kommunal 
landtagsabgeordneter und wurde im Frühjahr 1918 als 
Nachfolger des Freiherrn Riedesel zu Eiseubach zum 
Landeshauptmann in Hessen und für die Provinz Hessen- 
Nassau gewählt. Als solcher hat er sich durch sein Wohl 
wollen und seine strenge Sachlichkeit das allgemeine 
Vertrauen erworben. 
Aus Büdingen. Das historische Schloß des Fürsten 
zu Isenburg-Büdingen in Büdingen ist seit längerer Zeit 
in bedenklicher Weise vom Messingkäfer heimgesucht. Der 
Messingkäfer ist ein Insekt, das ähnlich wie die Ter 
miten Gebäude in gewisser Zeit zum Einsturz bringen 
kann. Im hessischen Landtag hat jetzt der Abgeordnete 
Dr. Keller an die Regierung eine Anfrage eingebracht, 
die energische Maßnahmen gegen den Messingkäfer ver 
langt. 
Aus Groß-Gerau. In der Gemarkung von 
Krunstadt wurde bei Ausschachtungsarbeiten das Skelett 
eines mächtigen hirschartigen Tieres mit einem Geweih 
von etwa 1,85 Meter Länge gefunden. Sachverständige 
des Darmstädter Museums stellten fest, daß das Tier 
vor ungefähr 7000 Jahren gelebt haben dürfte. Der 
Fund wurde dem Darmstädter Museum überwiesen. 
mit ganz vortrefflichen Landschaflsaufnahmen Karl 
Eberths geschmückte Bändchen nun hoffentlich den weitesten 
Kreisen näher gebracht wird. Möchte es vor allem 
manchen Hessen auf diesen gemütvollen und in all 
seiner Schlichtheit sprachgewaltrgen Dichter aufmerksam 
machen. Im gleichen Verlag erschien „Wilhelm 
Speck. Briefe an einen Freund. Ausgewählt 
und eingeleitet von Heinrich S p i e r o (Berlin 1925. 
122 Seiten. Preis in Ganzleinen 4 M). Es ist be 
dauerlich und nicht zu verstehen, daß der Verleger nicht 
wenigstens die Aushängebogen dieser fast gleichzeitigen 
Publikation dem Biographen zur Kenntnis gab. Dieser 
hätte in ganz anderem Maße auf den künstlerischen Bil 
dungsgang Specks eingehen können. Denn diese Briefe, 
die den Zeitraum von 1904 bis 1925 umspannen, offen 
baren uns nicht nur den Menschen Wilhelm Speck, son 
dern eröffnen uns einen lichtvollen Blick in seine dich 
terische Werkstatt. Gibt er doch in diesen 66 Freundcs- 
briesen ein offenes Bekenntnis über die Entstehung seiner 
Werke und die ihn dabei leitenden Ideen. Wer Specks 
Werke liebt und schätzt, wird erst in diesen Briefen das 
volle Verständnis für sie gewinnen können. — Die dreißig 
letzten Lebensjahre der in Kassel geborenen „Jdealistin", 
der Freundin Richard Wagners und Nietzsches, ziehen
	        
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