Full text: Hessenland (37.1925)

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Seelheim lag Eiloh, der Eichwald. Kirchhain 
erscheint zum ersten Male in einer Urkunde 
des Klosters Kaldern 1238. Der darin ge 
nannte plebamm Oonrnäus nennt sich auf dem 
anhängenden Siegel de Werflo, beide Namen 
gingen also noch nebeneinander her. Kurz vor 
1146 ist demnach Werfloh-Kirchhain als neu- 
angerodete Siedlung entstanden. Nachdem die 
Kirche gebaut war, nannte man die eingehegte 
Siedlung Kirchhagen oder Kirchhain, zum 
Unterschied von den benachbarten, später ein 
gegangenen Siedlungen Oberhain (1260 Hag 
hin, 1281 Overenhagen und Kyrchagen, 1325 
Obernhain) und Buchain (1414). Ganz ähn- 
lich ist die Namengebung bei Kirtorf, das 
früher Glene, und Kirchlotheim, das vorher 
Niederlotheim hieß. Die Gründung von Kirch 
hain gehört also der letzten Periode der Besied 
lung vom 9. bis zum 13. Jahrhundert an, die 
viele Namensformen auf -rode und -Hain auf 
weist. 
Die neue Kirche war dem heiligen Michael 
geweiht, dessen Bild der Pleban Konrad in 
seinem Siegel führt. Dürfen wir in dieser 
Namenwahl eine Erinnerung an die von Boni- 
fatius auf der Amöneburg gegründete Michaels 
zelle, die sonst nirgends bezeugt ist, erblicken? 
In der Nachbarschaft war die Kirche in Wohra 
dem Erzengel Michael geweiht, der als Patron 
von Friedhofskapellen (denken Sie an Fulda) 
sehr beliebt war. 
Wer die andere Hälfte der Neurodung Werf 
loh besaß, wissen wir nicht. Am 4. Februar 
1244 verkauften Eckehard, sein Sohn Gerlach 
und seine Brüder Eckehard und Gerlach von 
Merlau dem D e u t s ch e n O r d e n die Vog 
tei der villa Kirchhain, die sie vom Reich zu 
Lehen hatten. Sowohl die Reichsvögte von 
Merlau als auch die Herren von Radenhausen 
(vom nahen Radenhäuser Hof) führten in ihrem 
Wappen den Reichsadler, was auf enge Be 
ziehungen zum Reichsgut schließen läßt. Mit 
dem Vogteirecht fiel dem Landkomtur auch 
das Patronatsrecht, d. h. das Vorschlagrecht 
bei der Besetzung der Pfarrei (mit den späteren 
Vikariaten Langenstein und Niederwald), zu, 
das er bis zur Aufhebung des Ordens (1809) 
ausübte. Zu diesen Gerechtsamen kamen wert 
volle Besitzrechte an Mühlen und Fischwassern. 
Die große Mühle an der Wohra, eine Mühle an 
der Klein, die 1281 in Erbpacht gegeben war, und 
eine in Beuern (Wüstung nordwestlich Kirch 
hain) waren Ordensbesitz. Der Sitz der Ver 
waltung war der Gült- oder G i l l h o f, der 
1744 in den Besitz des lutherischen Pfarrers 
Jung überging und jetzt Eigentum des Herrn 
Konrad Prediger in Hamburg ist. Hier wohnte 
der villieuL oder 86u1tetu8, auch Vogt oder 
Komtur genannt, der zeitweilig das Gericht 
Seelheim mit versah. Im Pfarrhaus wohn 
ten am Ende des Mittelalters zwei oder drei 
Brüder, die Priester waren (der Pfarrer mit 
seinem Kaplan), zwei Mägde und zwei oder 
drei Knechte. 1353 wurde ein Deutschordens 
bruder aus Kirchhain erschlagen. Die Täter 
sollten vom Tatort bis zur Kirche barfuß im 
Hemd gehen, zwei Jahre lang an der Mord 
stelle eine Ampel Tag und Nacht brennen und 
ein 6 Fuß hohes Kreuz setzen lassen. Diese 
Sühneurkunde hat sich erhalten. Derartige 
Sühnekreuze finden sich noch vereinzelt an: 
Wegesrande. Das Ansehen und die Macht des 
Deutschen Ordens schwanden seit dem 16. Jahr 
hundert. Die aufstrebenden Landgrafen von 
Hessen haben seit dem 14. Jahrhundert dem 
Orden das Leben sauer gemacht. Hessen brauchte 
diesen Vorposten im Kampf gegen Mainz. 
Mainz war im Mittelpunkt der Ohmlinie durch 
den Besitz der Amöneburg besonders stark. Im 
Süden wurde diese Linie durch Grünberg, im 
Norden durch Frankenberg bedroht. Als Vor 
posten der Marburg, die östlich der Lahnberge 
leicht umgangen werden konnte, hielt der 
Frauenberg den Feind im Schach. Später 
wurde hier die Wittelsberger Warte noch weiter 
vorgeschoben. An der Wetschaft hatte der Main 
zer auf der Melnau seine Beobachtungsposten. 
Marburg konnte erst an Bedeutung gewinnen, 
wenn der Mainzer beruhigt oder niedergerun 
gen war. 1344 oder kurz vorher ging Hein 
rich der Eiserne unmittelbar gegen das 
Zentrum der Mainzer Stellung vor. Er baute 
auf den Kirchberg in Kirchhain eine Burg. 
Zu diesem Unternehmen stand ihm offenbar 
nur das Recht des Stärkeren zur Seite. Der 
Deutsche Orden war machtlos, wußte aber 
geschickt 1359 die Burg in Pfandbesitz zu be 
kommen. Als 1354 der Friede zustande kam, 
trug der Landgraf die neue Burg und Stadt 
dem Erzbischof zu Lehen auf. Und dieses Ver 
hältnis blieb bestehen bis zur Säkularisation 
des Erzstiftes. Geradeso lange währte die 
Lehensabhängigkeit der Vogtei Ebsdorf vom 
Stephansstift in Mainz. Mainz hatte ängstlich 
diese Lehensbeziehungen zu unterhalten ver 
standen, immer mit der stillen Hoffnung, bei 
einem Heimfall der Lehen die Landeshoheit an 
zutreten. Sehr hübsch wird die Rivalität der 
feindlichen Städte zum Ausdruck gebrachten 
einer Aufschrift auf einem Geschütz aus dem
        

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