Full text: Hessenland (37.1925)

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Wilhelmsthal nach Kassel überführt worden sein. 
Jedenfalls liegt ihre Ankunft in Kassel ausweislich 
des Museums-Jnventars vor 1795, so daß sie mög 
licherweise mit den Drachentransporten zugleich um 
gezogen sind? 
Die Identität läßt sich aber sogar beweisen. Das 
Gedicht Hilles versetzt, genau betrachtet, die Gruppen 
in den Park. „Im Gebüsch" wird Phöbus mit 
Marsyas vom Wanderer gefunden. So schreibt auch 
Schminke Seite 434 von dem Plattnusbosquett, das 
„an beiden Enden mit zweyen Grouppen — also 
nicht Einzelfiguren — von weißem Marmor auf 
schwarzen marmornen Postamenten gezieret" ist? 
Das Inventar von 1795 aber fügt zu unserer aus 
gezogenen Notiz bei beiden Akademiegruppen von. 
anderer alter .Hand (Voelkel?) hinter die Angabe: 
Gruppe von weißem Marmor, den Zusatz hinzu: 
„auf schwarzem marmornen Postament"! 
II. 
Im Vorhergehenden wurde mehrmals die Grotte 
in Wilhelmsthal erwähnt. Es sei deshalb hier über 
den noch immer nicht klar herausgestellten Meister 
des seinerzeit gerühmten Kunstwerkes einiges bei 
gefügt, das aus noch nicht erschlossenen Quellen 
geschöpft wurde? 
von Drach hatte (S. 106) den angeblich nur aus 
der Ode .Hillens bekannten Namen des „Spezial 
künstlers", der die Grotte ausgeschmückt hatte, an 
gegeben: La Pottrie. Nun findet sich ein Herr La 
Posterie im Mnseums-JnventarVI von 1795 Seite 90 
zu Nr. 20 mit dem Eintrag erwähnt, daß er 1746 
Hessen Heft 3. Ob diese Drachen in der großen Grotte 
gestanden haben, deren letzte Reparatur 1783 stattfand 
(u. Drach 106) oder in den „grottenartigen Gebilden" 
am Ostende des Parkes (Eckhardt 22 f), ist ungewiß. 
7 Wenn in „Cassel u. d. umliegende Gegend, eine 
Skizze usw., 1796", 121 f die beiden Gruppen noch in 
Wilhelmsthal erwähnt werden, so ist das ungeprüft aus 
der ersten Auslage dieser Skizze (Vorrede vom 23. II. 
1792) übernommen worden und unerheblich. Voelkels 
Revisionsvermerk vom 2. II. 1795 legt vielmehr den 
Eingang beider Gruppen vor diesen Termin fest. Ter 
Transport ist also zwischen 1792 und 1795 erfolgt, und, 
da die Eintragung von erster Hand ist, ist damit die Ab- 
fassungszeit dieses grundlegenden Inventars auf die 
selbe Frist gesichert. Sie mag mit dem Dienstantritt 
Voelkels zusammenhängen (Ztschr. hesf. Gesch.-Ver. 19, 
1882, 254). Im November 1795 gruppierte Tu Ry 
links und rechts der Marsyasgruppe die Grupelloschen 
Frauenfiguren, die ich im Jahrbuch der staatl. Samm 
lungen 1925 veröffentliche. Auf den von 1794 da 
tierten 12. Brief der Reise durch Harz und hessische 
Lande, der die Gruppen noch in Wilhelmsthal er 
wähnt, isr wenig Verlaß, da der Verfasser oft lediglich 
Schminke abschreibt. 
* In der „Skizze": „weiterhin zwo Gruppe n von 
weißem Marmor auf schwarz marmornen Fußgestellen". 
Heute stehen die Gruppen auf nicht zugehörigen Sand 
steinsockeln. 
9 v. Drach: Von der Grotte in Wilhelmsthal, Ztschr. 
Hess. Gesch.-Ver. 1909, 97 ff. Vgl. (Perland, Du Ry, 
31 u. ö. Eckhardt, Dissert. 17 ff. und das ?ro Memoria, 
von 1745 im Anhang dort. 
den: Landgrafen Wilhelm „zwei Blütchen von Perl 
mutter" geschenkt habe. Diesen La Posterie mit La 
Pottrie gleichzusetzen, verführt schon das seltsame 
Geschenk aus einem — vielleicht besonders fein bear 
beiteten — Material, das gut in den Rahmen der 
Marmore, „schrofichten und ausgefressenen Klippen 
steine, Muscheln, bunten Berg- und Erzsteinen und 
Corallenzinken" paßt, mit denen nach Hille und 
Schminke 432 die Grotte durch La Pottrie -aus 
gestattet war? 9 
Eine Bemerkung Brunners in seiner Geschichte 
der Stadt Kassel, Seite 257, daß Wilhelm VIII. sich 
den Franzosen de la Poterie 1746/47 vom Kurfürsten 
Clemens August von Köln ausgeliehen habe, führt 
dann weiter. Denn La Pottrie ist in den: Wir 
kungskreis des baufreudigen Erzbischofs eine ver 
traute Gestalt. Im Schloß Neuwied, an der Kreuz 
kapelle von Falkenlust bei Brühl und im Muschel 
saal des Schlosses Poppelsdorf bei Bonn liegen seine 
großen Arbeiten üor. 11 
Was die verschiedenen Nachrichten erkennen lassen, 
ist folgendes. La Pottrie war 1702 in Bordeaux 
geboren, besuchte 9 Jahre die Pariser Akademie, wo 
ein Raymond, Schüler des Lavage, sein Lehrer war. 
1735 berief ihn Clemens August, aus dem Hause 
Wittelsbach, in dem nach Renards Bemerkung die 
Grottenliebhaberei erblich war (Grottenhof der 
Münchener Residenz), nach Bonn. 1740 arbeitete er 
in Falkenlust, 1746 ging er nach Kassel^, um die 
Wilhelmsthaler Grotte auszuschmücken. Dann ver 
fertigte er in siebenjähriger Arbeit den Poppelsdorfer 
Muschelsaal, wozu er die erforderlichen Korallen 10 11 12 
10 Muscheln, Malte und weiße Erde erwähnt 1757 
Bentzmann (Hessenland 1925, 71). Das Inventarium 
über Meubles und Effecten ... zu Wilhelmsthal, 1788 
gibt als Inhalt der Grotte S. 220 an: „Ein großer 
Benetianischer L u st r e a 12 bras mit gelb, 
roth uno grünlichen Glüssern Graß Blumen aus- 
gezieret, Zwei ... Fußmatten etc., acht ... Garten 
Fauteuils" sowie „neben den Wasser-Fällen auf beiden 
Seiten g r o t t i e r t e G i r a n d o l e s , so sehr zer 
fallen, an welchen überhaupt noch zwanzig Stück (corr: 
sieben alte) messing vergoldete Dillen vorfindlich." 
11 S. Kölnische Künstler, 2. Aufl. 1895 (Merlo- 
Firmenich-Richartz und Keußen) Sp. 524 f. Ferner Re- 
nard, Bonner Jahrbücher 99 und 100, S. 54 f. Nach 
Renard ist die Arbeit von Neuivied verschollen. In 
Falkenlust waren Laporteries Dekorationen noch un- 
figürlich und beschränkten sich auf Füllung und Gliede 
rung von Flächen (Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 
Landkreis Cöln, S. 111), wogegen die Muscheldekoration 
von Poppelsdorf mit Vasen, Tieren und -Ornament- 
leisten arbeitete, f. Abb. 44 bei Renard und Abb. 162 
und 163 in Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bonn 
(Clemen). Clemen denkt für den Entwurf des auf Sil 
bergrau und Ultramarin abgestimmten Dekors an Neu 
mann. Hier tvird Perlmutt als Material ausdrücklich 
erwähnt. 
12 1752 malte der Stockholmer de Marees, Clemens 
August's Hofmaler, die Porträts des hessischen Land 
grafenpaares, Holtmeyer I 288. Vgl. auch v. Mering, 
Geschichte der Ritterburgen usw. Heft 6, 72 f.; dortselbst 
63 s. Nachrichten über La Pottrie.
	        

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