Full text: Hessenland (37.1925)

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mancher andern Burg, einem adligen Geschlecht 
zuzufallen, dem der Klingenberger, die 
ihn zum Mittelpunkt ihres nicht unbedeutenden 
Hegauer Besitzes machten, bis sie, durch Tei 
lungen geschwächt, dem immer kühner um sich 
greifenden Württembergischen Herzogshause 
weichen mußten. Mit klugem Blick hatte Herzog 
Ulrich in den trüben Tagen, da er sein Land 
flüchtig verlassen mußte, den Hohentwiel, der 
Klingenberger Herren unbezwingbare Feste, 
als Zufluchtsort ausersehen; und mit aller 
Zähigkeit, deren er fähig war, wußte er sich, 
allen Bemühungen des Hauses Österreich, die 
Burg an sich zu bringen, Trotz bietend, zum 
alleinigen Besitzer des Hohentwiel zu machen. 
Ja, man kann wohl sagen, daß der Hohentwiel 
gerade dem vertriebenen Herzog Ulrich, dessen 
Land der schwäbische Bund erobert und 1520 
an Österreich verkauft hatte, die Möglichkeit 
eröffnete, an die Wiedereroberung seines Lan 
des zu gehen und sie mit Hilfe des hessischen 
Landgrafen Philipps des Großmütigen durch 
zusetzen. Doch erst der Passauer Vertrag von 
1552 sicherte dem Herzog Christoph, Ulrichs 
Sohn, den in jenen unruhigen Zeiten doppelt 
wertvollen Besitz. 
Hatte die Burg in den endlosen Fehden der 
verflossenen Jahrhunderte den Ruf ihrer Un- 
einnehmbarkeit gewahrt, so sollte sie die Feuer 
probe erst iu dem 30jährigen Kriege bestehen, 
der bis 1634 den äußersten Südwesten unseres 
Vaterlandes recht glimpflich behandelt hatte, 
aber nunmehr, nach der für den Kaiser sieg 
reichen Schlacht bei Nördlingen, das gründlich 
nachzuholen schien, was er bis dahin versäumt 
hatte. Wieder, wie 100 Jahre zuvor, mußte 
der Herzog von Württemberg, Eberhard III., 
außer Landes flüchten; in seinem Lande schal 
tete das übermütige österreichisch-spanische 
Kriegsvolk aufs erbarmungsloseste; mit der 
Aufteilung des Landes war bereits der An 
fang gemacht; der Stern des Hauses Württem 
berg schien zum zweiten Male in Nacht zu 
versinken. Nur der Hohentwiel bot noch den 
Kaiserlichen Trotz; kein Wunder, daß ihn gar 
bald das Kriegswetter arg umtobte. 
Auf der Burg gebot als Kommandant seit 
Mitte September 1634, also wenige Tage nach 
der Schlacht bei Nördlingen, der württem- 
bergische Major Konrad Widerholt, der 
rechte M a n n am rechten Orte. 
Geboren war Widerholt am 20. April 1598 
in Ziegenhain und entstammte einer Fa 
milie, die, ohne dem Adel anzugehören, seit 
dem Anfang des 16. Jahrhunderts in hessischen 
Diensten zu Ansehen gelangt war — die ersten 
Ahnen der Familie begegnen uns als Land 
vögte und Amtleutej —, so daß sie eine Zwischen 
stellung zwischen Adel und Bürgertum ein 
genommen zu haben scheint. Auf die wilden 
Knabenspiele Konrads und seiner Spielgefähr 
ten auf Burg Ziegenhain mag die Erzählung 
von der ruhmwürdigen Verteidigung der Festung 
durch Heinz von Lüder bedeutsam ein 
gewirkt haben; man möchte meinen, Konrad 
habe sich den treuen Heinz geradezu als Vor 
bild genommen, jenen hessischen Edelmann, 
der als Priester und Held, als Hospitalpfleger 
und Festungskommandant seinem Herrn, dem 
Landgrafen Philipp, trefflich diente und, als 
er 1547 auf Befehl des gefangenen Landgrafen 
Ziegenhain an Kaiser Karl V. ausliefern sollte, 
damit es gleich den andern hessischen Festungen 
geschleift würde, in gehorsamem Unge 
horsam erklärte: davon könne keine Rede 
sein; man solle zuvor seinen Herrn freilassen, 
damit er seinen eigenen Willen habe; wenn der 
kaiserliche General nicht bald abziehe, wolle 
er ihm den Weg mit den großen Karthannen 
weisen. — Im Jahre 1622, im Alter von 
24 Jahren, trat Konrad Widerholt in würt- 
tembergische Dienste; die Beziehungen seiner 
Heimat zu Württemberg waren seit den Tagen 
des Land-grafen Philipp und des Herzogs Ul 
rich rege geblieben. Die Dienste des jungen 
Kriegsmannes müssen ersprießlich gewesen sein; 
sonst hätte schwerlich Herzog Eberhard, als 
sich im Jahre 1634 die Kriegsfurie mit un 
heimlicher Schnelligkeit seinen Landen näherte 
und der Fürst selbst nach seiner linksrheinischen 
Grafschaft Mömpelgard flüchten mußte, un 
serm Konrad die Verteidigung des am weitesten 
nach Süden vorgeschobenen, rings von öster 
reichischen Besitzungen umgebenen Hohentwiels 
anvertraut. Mit geradezu verblüffender Ent 
schlossenheit ging Widerholt an seine schwierige 
Aufgabe. Da ihm sein Herzog nur ungenügende 
Geldmittel für die Verproviantierung der Feste 
zur Verfügung stellen konnte, so galt es zu 
nächst, durch Beutezüge das Fehlende zu be 
schaffen; und so erfolgreich waren diese Strei 
fereien mit ihren unvermeidlichen Erpressun 
gen, daß im Frühjahr 1635 der kaiserliche 
General von Ossa von Engen und der Herr 
schaft Stühlingen aus den Hohentwiel scharf 
beobachten ließ; freilich ohne jeden Erfolg. 
Widerholt setzte seine Streifzüge fort, ohne 
in nennenswerter Weise von den Kaiserlichen 
daran gehindert zu werden. Für ihn und seine 
Besatzung war das um so notwendiger, als
        

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