Full text: Hessenland (37.1925)

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vornan ist es, das Bild des zusammenbrechenden alten 
Europa, wenn die These des amerikanischen Erdbeben- 
forschers Nobels, der für die Mitte unseres Jahrhunderts 
den Zusammensturz infolge unterirdischer' Höhlen in Aus 
sicht gestellt hat, sich erfüllt. In dicfe katastrophalen Vor 
gänge, die mit innenschauender Kraft dargestellt sind, 
deren Einzelheiten oft überraschend phantasievolle Bilder 
bringen, uns mit des Gedankens Schnelle durch Europas 
Lande jagen, hat der Dichter ein junges lebensvolles 
Menschenpaar gestellt, das innerlich erlebt, nicht er 
künstelt ist: der deutsche, tiefgründige, gelehrte Kan 
didat Johannes Bart und die ebenso grundgescheite, jnnge 
Amerikanerin Alice Cordes, beide vom wissenschaftlichen 
Unternehmer in Amerika beauftragt, Italien zu bereisen, 
die Ursprünge der Erdbebenerscheinungen zu untersuchen. 
Wie die beiden sich finden, erst auf dem kühlen Boden 
der Wissenschaft, dann auf dem wärmeren der politischen 
Überzeugungen, der Weltanschauung, und endlich eins 
werden in Not und Gefahren, das bildet den Kern der 
fein erdachten, spannenden Erzählung, deren Glanz- 
stück zweifellos das Liebesglück in der Einsamkeit der 
Tiroler Berge ist. Hier hat Traudt bewiesen, wie man 
moderner Erzähler sein kann, ohne schwüle Sexual 
probleme in den Kreis des Romans zu berufen.' Frei 
lich klingt in diesem Buche noch ein anderes Lied, das 
politische, aber ohn das Goethesche „garstig" zu ver 
dienen. Interessant ist, daß der Verfasser auch für das 
Jahr 1960 die Zeit noch nicht gekommen sieht, da der 
Sozialismus von allen recht begriffen ist, auch die bitteren 
Erfahrungen des Weltkriegs sind noch nicht überivunden. 
Doch bleibt in dem Für und Wider Berts und seiner 
Gegner jeoes Parteipolitische fern, des Dichters Gestalten 
verkünden nicht enge Lehrsätze einer bestimmten Parte:, 
fondern Menschen reden zu einander, erfüllt von ihrer 
ehrlichen Überzeugung. So sind auch diese Teile des 
Buches, die- zudem nur geringeren Raum beanspruchen, 
reizvoll und erfreulich. Am Ende dieses tiefen und 
ernsten Buches stet die deutsche Hoffnung: „Stark bleiben 
m Liebe und Vertrauen, und den Menschen helfen, daß 
f:e wieder zu sich kommen ... Neue Menschen werden 
gerechte Zeiten schaffen..." —tw—. 
K a s s e l -- W i l h e l m s h ö h e. Herausg. vom Städt. 
Verkehrsamt Kassel. 
Das Städtische Verkehrsamt Kassel hat 
in diesem Sommer einen handlichen Fremdenführer her 
ausgegeben, der sich in seinen sachlichen Angaben auf 
das Notwendigste nnd Wissenswerteste beschränkt, so daß 
sich der Reisende in Kassel und Wilhelmshöhe sicher 
durch Gasthäuser, Pensionen, Cafes nnd Stätten der 
Unterhaltung finden kann, der außerdem eine gute Über 
sicht der Kasseler Sammlungen nebst zwe: farbigen Plä 
nen enthält. Das Büchlein wird wertvoller durch vier 
Aufsätze, d:e auch dem Einheimischen manch Wissens 
wertes bieten. Paul Heidelbach wandert durch das 
geschichtliche und literarische Kassel, zeigt sich wieder als 
feiner Beobachter seiner Vaterstadt und setzt den alten 
Ruf „Ab nach Kassel" in eine besondere Beleuchtung. 
Wilt Scheller verbreitet. sich über Kulturpflege in 
Kassel in alter und neuer Zeit und zeigt, daß unter 
Hessens ehemaligen Regenten die Kunst nicht stiefmütter 
lich behandelt wurde. Stadtrat M. Weber gibt einen 
umfassenden Überblick der wirtschaftlichen Kräfte der 
Stadt, und Dr. Karl Ritter hat zum Schluß ein paar 
sonnenbelichtete Augenblickbildchen der Wilhelmshöhe ent 
worfen. Die vornehme Ausstattung des Buches bereichern 
eine stattliche Reihe von Holzschnitten von einem jun 
gen Künstler Karl List, die durch ihre schlichte Art be 
sonders gefallen. —tw—. 
Wehrhahn, W. Unsere Heimat. Band II. 
Wanderungen nnd Fahrten im Weser 
berg l a n d. Hannover (C. V. Engelhard & Co., 
G. nt. b. H.) 1925. 102 Seiten. Preis in Halb 
leinen gebunden 3 M. 
Erst die letzten Jahrzehnte haben der Weser, an der 
Sage und Geschichte in so reichem Maße ihre Stätte 
haben, zn der ihr gebührenden Stellung verholfen. 
Lebensvolle Schilderungen, von guten Abbildungen be 
gleitet, führen uns zu all den bekannten Stätten, die ge 
schichtlich, volkskundlich und architektonisch erfaßt werden. 
Aber auch das Naturwissenschaftliche kommt nicht zu 
kurz; so ist ein besonderes Kapitel der im Aussterben 
begriffenen, aber namentlich an der Felsengruppe des 
Hohenstein und an den Bergen bei Bodenwrrder noch 
urwüchsig vorkommenden Eibe gewidmet. Ein anderes 
Kapitel behandelt die sonderbare Form der krausköpfigen 
und knickstämmigen Süntelbnchen (Krüppelbuchen). Aus 
dem übrigen Inhalt sei noch besonders auf das Kapitel 
über das historische Blutbachtal hingewiesen, in dem sich 
die Ursprünglichkeit der Natur in seltenem Maße er 
halten hat. H. 
Blaubuch des Corps Teutonia zu Mar 
burg. 1825 bis 1925. Elberfeld (Wuppertaler 
Druckerei) 1925. IX und 324 Seiten. 
Diese von Landgerichtspräsident Kleinschmidt in Elber 
feld, Justizrat Eckhardt in Witzenhausen und Dr. Lud 
wig Scheffer in Darmstadt mit ungeheuerem Fleiß 
zusammengestellte Festgabe zum 100. Stiftungsfest der 
Teutonia in Marburg soll eine Ergänzung zur Korps- 
geschichte sein und hat deshalb gerade die ältere Zeit 
ausführlicher gehalten. Sie enthält ein mit genauen
        

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