Full text: Hessenland (37.1925)

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nach Langensalza, marschierenden hannover 
schen Heeres, hier die Schienen aufzureißen. 
Gesprengt sollte die Brücke nicht werden. Wir 
staunen heute über eine solch geruhige Krieg 
führung. 
In weitem Bogen umschlingt nun die Fulda 
die Halbinsel, die das Gut Kragenhof trägt,— 
die Landesgrenze folgt jedoch hier merkwür 
diger Weise nicht dem Strome, sondern über 
quert die Halbinsel nahe ihrer Basis, nahe 
der Eisenbahn. 
Hier tun wir einen Blick in das Werden 
der „Staaten" im Sinne unserer Tage. Auch 
das Gut Kragenhof war einst, wie sonst hier 
das ganze rechte Flußufer, altbraunschweigi 
scher Besitz. Da schenkte Herzog Albrecht der 
Fette das Gut im Jahre 1312 den Augustine- 
rinnen des Klosters Ahnaberg zu Kassel. An 
die Regelung der territorialen Zugehörigkeit 
dachte er nicht und konnte nicht daran denken, 
da ja Haus- und Landesbesitz ineinander 
flössen, bzw. die Landeshoheit des Fürsten nur 
auf seinem Hausgute, seinen lehnsherrlichen 
oder Vogteirechten beruhte. Als dann nach 
1526 die hessischen Klöster säkularisiert wurden, 
ging das Gut Kragenhof damit auch in den 
Besitz der Landgrafen zu Hessen über und 
damit war, da in jenen Tagen auch die „Staat 
lichkeit" der Territorien sich erst zu entwickeln 
begann, der Weg gewiesen für die staatliche 
Zugehörigkeit des Gutes, für die wunderliche 
Grenzführung. 
Hier wird, wenn einmal der vorhin schon 
erwähnte Umbau der Fuldastrecke erfolgt ist, 
ein kleiner See entstehen, auf dem dann der 
Blick ruht, der von den umgebenden Höhen 
über das Fuldatal fliegt, zu dem sich das 
Schocketal, von Simmershausen kommend, 
niedersenkt. 
Wahnhausen. Hier soll die oberste der beiden 
Staustufen erbaut werden, mit rund acht Meter 
Gefälle. Bis 1832 gehörte auch dies Dorf 
zu jenen zweiherrischen, die an der Grenze 
des altbrannschweigischen Gerichtes Sicheln 
stein gelegen (dem späteren Oberamte Mün 
den), damals erst durch Staatsvertrag aus 
geglichen wurden. Auch die Dörfer im Nieste- 
tale gehörten zu jenen merkwürdigen Gebilden 
älterer Landesentwicklung. Damals trat auch 
Kurhessen das Dorf Laubach, eine Exklave, 
berühmt durch seine Schellenlinde, an Han 
nover ab. 
Steil senkt sich der Berghang gegenüber 
Speele, oben liegt der malsburgische Hof 
Eichenberg, heute wieder an die Elmarshäuser 
Linie heimgefallen. 
Und wo sich der Talhang zum Osterbache 
senkt, in dessem Tale das kleine Dörflein 
Knickhagen träumt, durchzieht den Wald eine 
Landwehr aus ältesten Tagen, wohl auch hier 
die Stammesgrenze zwischen Franken und 
Sachsen anzeigend. 
Hier ward, unterhalb des Dorfes, ums Jahr 
1617 eine Eisenhütte errichtet, die jedoch fünf 
zig Jahre später, im Jahre 1666, nach Vecker 
hagen verlegt ward, bis auch diese der merk 
würdigen Berliner Verkehrspolitik zum Opfer 
fiel, die das Tal der Oberweser totlegte. 
Eine kleine Stunde weiter talab am Fulda 
ufer kommen wir nun nach Wilhelmshausen. 
Seinen Namen trägt es nach dem Landgrafen 
Wilhelm IV., dem Weisen, der das Klostergut 
hier an zwölf Meier aufteilte und damit den 
Anfang des heutigen Dorfes schuf. Denn bis 
zur Reformation war hier nur das Kloster 
Wahlshausen vorhanden, ein der hl. Maria 
geweihtes, aber schon im 13. Jahrhundert dem 
westfälischen Kloster Hardehausen unterworfenes 
Zisterzienser-Kloster. Die romanische Kirche, 
die in dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahr 
hunderts einem Feuer zum Opfer fiel, ward 
nach diesem Brande erneuert. In den Tälern 
der vom Reinhardswald zur Fulda nieder 
rauschenden Bäche ziehen sich Wege hinauf 
zum Gahrenberge, dessen Kohlen auf einer 
Seilbahn nach Speele geschafft werden. 
Drüben, am Hange des jenseitigen, han- 
növerschen Ufers donnert ein Bahnzug hin, 
auf der hessischen Seite schmiegt sich die Land 
straße zwischen Wald und Fluß, bis sie beim 
„Wildhaus", auch einer einstigen Zollstätte, 
ins Weichbild von Hann. Münden tritt. 
Ganz sonderbar ist die Grenzführung hier. 
Bei der Tillyschanze auf dem Rabanenkopfe 
steht der Grenzstein so, daß der Turm auf 
hannöverschem, die Waldwirtschaft sich auf hes 
sischem Boden befindet. Und da wir nun ein 
mal heute doch auf einem Grenzgange sind, 
wollen wir denn auch der Grenze noch bis 
zum Weserstrome hin folgen. 
Da liegt, unterhalb des heutigen „Alt- 
Münden", eigentlich an der Stätte der Wüstung 
jenes Dorfes, eine ehemalige Glashütte, die 
zuerst im Jahre 1699 zu Wilhelmshausen an 
gelegt ward, zwölf Jahre später aber in das 
Delketal zwischen Gieselwerder und Gottstreu 
verlegt, von 1725 bis 1818 hier bestand. Dann 
ward sie kaltgelegt, wohl weil sie^nicht mehr 
rentierte. Sie lieferte Kristallglas.
        

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