Full text: Hessenland (37.1925)

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Zwei Tage darauf, am 29., langte auch der 
Landgraf an und übernachtete hier. Am näch 
sten Morgen fetzte er die Reise nach Kassel fort. 
Unter trüben Aussichten begann das Jahr 
1637. Von allen Seiten drangen.die Feinde 
gegen das Hefsenland heran. Im Frühjahr 
mußte der Landgraf alle noch im Lande be 
findlichen Truppen, darunter auch die Witzen 
häuser Kompagnie, zusammenziehen und gegen 
die schon bis Fulda vorgedrungenen Kaiser 
lichen einsetzen. Trotzdem drangen diese vor. 
Um Ostern begann die große Leidenszeit in 
Hessen. Eschwege, Mendorf, Waldkappel, Lich- 
tenau gingen in Flammen auf. Die Witzen- 
häufer Bevölkerung, von Angst ergriffen und 
ohne Schutz, flüchtete am ersten Ostertag — 
9. April — zum großen Teile nach Münden. 
Erst am 19. Juni kehrte der Pfarrherr zurück, 
mit ihm wohl auch die Mehrzahl feiner Schutz 
befohlenen. Die daheim gebliebenen Bürger 
mußten am 16. feindliche Reiter aufnehmen, 
doch waren diese meist unberitten und un- 
bewehrt, sie hielten sich auch nicht lange auf. 
Schon rückte das hessische Heer zum Schutze 
und zur Befreiung der Werralandschaft heran. 
Vom 22.—24. April lagerte Landgraf Wil 
helm mit dem Hauptquartier in Witzenhausen, 
Vom großen Witzenhäuser 
Witzenhausen ist im Verlauf seiner Geschichte 
zweimal von verheerenden Bränden vernichtet wor 
den. Am Franziskustag (4. Oktober) 1479 sank die 
ganze Stadt — 225 Häuser — bis auf die nicht 
stark beschädigte Kirche und einen Winkel am Stein 
tor in Asche. Auch das Rathaus war mit samt den 
darin aufbeivahrten Privilegien und Urkunden ein 
Raub der Flammen geworden. Die verlorenen Pri 
vilegien wurden durch Landgraf Heinrich III. nach 
dem Gedächtnis der Alten erneuert. Alsbald hatten 
die Bürger den Wiederaufbau der Stadt in Angriff 
genommen, und heute noch ragen aus dieser Zeit 
eine Anzahl Zeugen bürgerlicher Tatkraft in die 
Gegenwart. 
330 Jahre vergingen, bis eine zweite furchtbare 
Brandkatastrophe die unglücklichen Bewohner traf, 
jene verheerende Feuersbrunst vom 31. Januar 
1809, der 241 Wohnhäuser und Nebengebäude zum 
Opfer fielen. Dr. Karl August Eckhardt hat uns 
in seiner prächtigen Festschrift nach dem Bericht des 
Witzenhäuser Stadtschreibers Jakob Wilhelm Meyer 
'ine lebensvolle Schilderung dieses Brandes gegeben, 
der in der Frühe des 31. Januar in der Ermschwer- 
der Straße ausbrach und, durch einen orkanartigen 
Sturm unterstützt, in knapp zwei Stunden die ganze 
Brückenstraße, Stubenstraße, Steinstraße, den Markt 
platz, die Judenstraße und die linke Seite der Mittel- 
mühlstraße in ein Flammenmeer verwandelte. Bis 
Von da begab er sich nach Mendorf (26. und 
27.). Am 29. konnte er wieder nach Kassel 
zurückkehren. Es folgte die Zeit, wo Wilhelm 
vor der Übermacht der Feinde fein Land mit 
dem Reste des Heeres verlassen und bis nach 
Ostfriesland ausweichen mußte. Int August 
brachen dann 14 feindliche Regimenter vom 
Eichsfeld her in das Land ein. Wieder flüch 
tete ein großer Teil der Witzenhäuser, konnte 
jedoch schon nach acht Tagen zurückkehren. 
Neuen Schrecken brachte der Anzug des kaiser 
lichen Generals v. Götz, der 8 Regimenter in 
Hessen einlagerte. Witzenhausen blieb aber 
diesmal verschont, und der nach dem jähen Tode 
des Landgrafen einsetzende Waffenstillstand 
brachte der Stadt gegen Ende des Jahres so 
gar wieder hessische Besatzung, die sich aus 
dem Stabe des blauweißen Regiments z. F. 
und den Kompagnien der Hauptleute Uxküll, 
Schröter und Duck zusammensetzte, also ziem 
lich stark war. Im Juni 1638 wurde sie von 
der Kompagnie des den Bürgern wohl- 
bekaunten Oberstleutnants Motz abgelöst, die 
bis zum September dablieb. Ihr folgte dann 
die Kompagnie Rehn vom selben Regiment. 
Ihr Aufenthalt erstreckte sich auch auf das 
folgende Jahr. (Schluß folgt.) 
Brand 1809 . Vonp.Heidelbach. 
auf einen Geisteskranken, der in den Flammen um 
kam, waren Menschenleben nicht vernichtet worden, 
dagegen schätzte man den erlittenen Gesamtschaden 
auf rund 300 000 Reichstalec. Das zur Ruine ge 
wordene, aus dem Enoe des 16. Jahrhunderts stam 
mende Rathaus wurde 1819 wieder hergestellt und 
mit einem neuen Dachgeschoß versehen. 
Nachfolgend sollen nach dem „Westfälischen Mo 
niteur" vom 7. Februar 1809 und einigen Akten 
stücken einige kleine Ergänzungen zu dem Bericht 
der Festschrift gegeben werden. 
Alle Nachbargemeinden hatten sich beeilt, Hülfe 
zu leisten. So führte die Gemeinde Lichtenau unter 
Leitung ihres Maire Wütig alsbald ihre Spritze 
heran. Fast sämtliche Einwohner von Heiligenstadt 
und Großalmerode waren zur Stelle, ebenso Die 
Arbeiter der Saline Allendorf unter Leitung ihres 
Direktors Schaub. Die Bewohner Mündens hatten 
sofort 800 Taler unter sich gesammelt, die sie mit 
einer großen Menge von Kleidungsstücken und 
Lebensmitteln zu Schiff nach Witzenhausen abführ 
ten. „Das größte Lob", heißt es im „Moniteur", 
„gebührt dem Maire von Witzenhausen, der, ob 
gleich krank und von der Zahl derer, die durch die 
Feuersbrunst völlig ruiniert sind, bei Tag und Nacht 
nicht aufhörte, allenthalben hinzueilen, wo seine 
Gegenwart erforderlich war, um für seine Unglücks 
gefährten zu sorgen."
	        

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