Full text: Hessenland (37.1925)

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schmerzen und äußert dabey die-Besorgnis;: 
daß er sich durch das Erbrechen wohl 
Schaden im Leibe gethan haben möge. 
Seine Frau reicht ihm hiernächst einige 
Tassen grünen Thee, und nachdem er diesen 
genossen, sagt er: daß es sich nun wohl geben 
werde, indem der Thee ihm geholfen 
zu haben scheine. 
Bald darauf verlangt er Hollunder-Thee, 
wobey er äußert: seine Krankheit sehe wohl 
nur Verkältung, die sich auf den Magen 
geworfen habe. Nach dem Genusse dieses 
Thees, und als das öftere Erbrechen etwas 
nachgelassen, sagt er: es werde sich wohl 
nun nach und nach geben. 
Als indeß bald nachher ein 8. v. Durchfall 
bey ihm sich eingestellt, redet er seine Frau 
mit den Worten an: was hälft du von mir 
Gretgen! wie sehe ich aus? ich glaube ich 
muß st e r b e n! 
Uber diese erste Äußerung von Lebensgefähr 
lichkeit erschrocken, sehnt sich dessen Ehefrau 
nunmehr nach ärztlicher Hülfe, und sendet zu 
diesem Ende ihre Schwester zum Leibchirurgus 
Bäumler. Auch die Wirtsleute des Bechstädt 
werden jetzt munter und treten in die Kranken- 
Stube ein. Es ist jetzt gegen 7 Uhr des 
Morgens und bis dahin hat der, an den furcht 
barsten Schmerzen leidende pp. Bechstädt weder 
einer muthmaßlichen Vergiftung noch eines 
ihm von einer unbekannten Maske gereichten 
Glases Grog Erwähnung gethan. — 
Jnmittelst erscheint der Leibchirurgus Bäum 
ler. Auf dessen, an den Patienten gerichtete 
Frage: was er genossen habe? antwortet 
dieser: Ein Glas Grog! 
Die weitere Frage, ob er dieses Glas ganz 
ausgetrunken habe? beantwortet der Kranke 
bejahend; und auf die Frage: wie ihm 
darauf geworden? sagt derselbe: es sehe ihm 
sogleich nach dem Genusse des Glases Grog 
e l e n d i g geworden, so, daß er hinausgehen 
müssen, um sich zu erbrechen. Dieses Er 
brechens wegen, seye er nach Hans gegangen, 
ohne dem Hauptmann v. Steuber die Ursache 
der Entfernung anzugeben. 
Zu der Ehefrau seines Hauswirthes Bran- 
dau hat der pp. Bechstädt sich hiernüchst noch 
näher dahin geäußert: daß er gleich, nach 
dem er den Grog getrunken, Schmerzen emp 
funden habe. — 
Auf die weitere Frage des Leibchirurgus. 
Bäumler: wer ihm den Grog gegeben habe? 
antwortet pp. Bechstädt: eine schwarze 
Maske im schwarzen Domino. 
Bey dem hierauf folgenden Examen über 
sein Befinden, äußert Bechstädt zuerst, er 
glaube, daß ihm Einer (Jemand) Ratten 
pulver gegeben habe; und als ihn nachher 
seine Hauswirthin fragt: ob er die Maske, welche 
ihm den Grog gegeben, nicht gekannt habe? 
antwortete er: Ach lieber Gott! meine Madame 
Brandan, w i e kann ich das wissen. 
Daß die Maske ihn, den Bechstädt gekannt 
und ihn mit seinem Namen angeredet habe, 
hat derselbe nicht gesagt, indem davon keine 
Rede gewesen; wohl aber hat derselbe bestimmt 
angegeben: daß ihm das Glas Grog gegen 
2 Uhr, nach Mitternacht, auf dem Balle 
gereicht worden sey. 
Ob nun gleich der Leibchirurgus Bäumler 
und die von demselben zum Beystand herbey- 
gerufenen Ärzte, Ober - Medicinal - Director 
Grandidier und Ober-Medicinalrath Heräus, 
die Ursache der Krankheit sofort richtig er 
kannten und dagegen mehrere Mittel verord 
neten, so war die Rettung des Kranken nicht 
mehr möglich. Derselbe verstarb scholl nach 
9 Uhr des Morgens. 
Die hierauf von Gerichtswegen angeordnete, 
und von den hinzugezogenen Aerzten, Wund 
ärzten und Chemikern mit ausnehmender Vor 
sicht und Gründlichkeit, vollzogene Unter 
suchung des Leichnams und der darin gefun 
denen schädlichen Substmlzen, gab das Resul 
tat, daß der pp. Bechstädt durch Gift und zwar 
durch weißen Arsenik, welcher theils ans 
fcineul Pulver, theils aus körnigen Substan 
zen bestanden, sein Leben verlohren habe; daß 
sodann über 30 Grane dieses Giftes bey dem 
Verstorbenen gefunden seyen, wovon schon 3 
Grane und selbst eine noch geringere Portion, 
den Tod eines Menschen bewirken können. 
Da der bringcnbfte Verdacht einer Vergif 
tung schon bey dem ersten Anfange der Unter 
suchung vorhanden war: so mußte diese bei dem 
gänzlichen Mangel aller näheren Anzeigen, 
gegen bestimmte Personen nach drey verschie 
denen Seiten hin, ihre gleichzeitige Rich 
tung nehmen. 
Z u e r st nemlich ließ der Fall sich denken, 
daß die Vergiftung nur aus Zufall oder Un 
vorsichtigkeit geschehen sey. 
Der zweyte mögliche Fall war, daß ein 
Verbrechen absichtlicher Vergiftung von irgend 
einem unbekannten Dritten begangen worden sey. 
Der dritte Fall endlich konnte seyn: daß 
der Verstorbene sich selbst das Leben durch 
Gift genommen habe. 
(Schluß folgt.)
	        

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