Full text: Hessenland (37.1925)

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alter Edelrost über leuchtenden Turmriesen. 
Gar schnell und leicht haben unberufene Hände 
ihn verwischt unb blödes Alltagsgut bleibt da 
zurück, wo vorher kostbares Edelgut strahlte. 
Unter unseres Dichters Händen ist die alte 
Mär voll Leben geblieben und schaut strahlen 
den Auges in neuem Gewände in das Fluten 
unserer Tage. 
Auch den Weg des Dramas ist er gegangen. 
1912 erschien „Schumannoderder Sol 
dat e n a u f st a n d zu Eschwege", dessen 
Held der Fourier Jakob Schumann ist, der als 
Opfer der Fremdherrschaft in der Karlsau 
zu Kassel sein Leben ließ. Auch an dem Preis 
ausschreiben der Stadt Kassel zur Gewinnung 
eines Festspieles zu ihrer Jahrtausendfeier be 
teiligte er sich. Ich weiß aus eigener Arbeit 
an der Beurteilung der eingereichten 38 Stücke, 
daß sein Werk das dichterisch wertvollste war. 
Nur aus bühnentechnischen Gründen ward ihm 
der zweite Preis. 
In engeren Bahnen verlies feilt äußeres 
Leben. Er kannte wohl die flüchtige Welt des 
Tages. Er mied sie. Diesem schlichten und 
bescheidenen Menschen war so ganz und gar 
der moderne Götzendienst fremd, dessen höchster 
Gott das eigene Ich und sein Ruhm ist. Hätte 
er nur etwas von dieser modernen Sucht be 
sessen: sich selbst zu zeigen, aus allen Märkten 
mit dröhnendem Trommelschlag für sich wer 
ben zu lassen — sein Name wäre weithin be 
kannt und geschätzt. Aber dieses Gebaren war 
ihm fremd, mußte ihm fremd bleiben, weil es 
erst, wie so vieles, landflüchtig ans der Fremde 
zu uns herüberkam und uns aus unseren eigen 
Stunden der Gnade. 
Wenn ich in den Bergen meiner Heimat gehe, 
Ach wie ist das Herz so klar und still in mir 
Und wie hell sind alle Dunkelheiten. 
In das Innre jedes Felsens kann ich sehen, 
Fühle jedes Strauches weichen Kern. — 
Bin des Baumes Schatten und sein Mark, 
Bin der Bruder jeder kleinen Beere, — 
Habe meine Heimat in dem roten Mohn 
Und im zackig ausgewaschnen Kalkgefels. — 
Sooden-Werra. 
sten Bahnen riß. Er verstand es so gar nicht, 
etwas aus sich zu machen. Es war, als ob ihn 
eine unerklärliche Scheu davor zurückhielt, viel 
leicht in dem Gedanken: 
„Das Ewige ist stille, 
laut die Vergänglichkeit; 
schweigend geht Gottes Wille 
über den Eröenstreit." 
Jäh riß die eingeschleppte Schlafkrankheit 
am 29. Mai 1920 den Lebensfaden des 53- 
jährigen ab. Es wäre billig, sich in den 
Prophetenmantel zu hüllen und zu sagen, was 
er der Zukunft noch hätte sein können. Es ist 
auch überflüssig. Seines Lebens abgelaufene 
Bahn zeigt unbeirrt die steigende Linie. Es ist 
ein Weg, der aufwärts führt von seinem Erst 
lingswerk „In F r ü h r o t und Abend 
schein" bis zu feiner „Hessischen Höhenluft". 
In den Spuren dieses Weges liegen viel Schweiß 
des ernsten Mühens, viel edles Wollen und 
ringende Sehnsucht. Aber sie führten zur Höhe. 
Als seines Lebens Ende kam, da hatte sich 
erfüllt, was er in seinem Gedicht „Am Abend" 
wünschte:' 
„Ich hebe meine Hände 
Voll Sehnsucht heiß empor: 
So möcht auch ich am Ende 
Als Sieger stehn im Tor." 
Am 15. Juni d. Js. weihte der Kreislehrer 
verein Hofgeismar dem allzu früh Verstor 
benen an seinem Geburtshause eine Gedenk 
tafel. Die damit verbundene würdevolle Feier 
ließ die Wahrheit des Wortes von Gorch Fock 
ahnen: „Die tiefsten Wirkungen sind den Toten 
vorbehalten." 
Da ich leb im Flug und in der Brust des Vogels, 
Wohn ich in dem seligen Gesicht des jungen 
Weibes, 
Schalle aus dem harten Tritt des Bauern, 
Wurzle in der Ruh der stillen Wiese — 
Bin in Allem, was da ist und sein wird! 
O wie hell sind alle Dunkelheiten, 
Ach wie ist das Herz so klar und still in mir, 
Wenn ich in den Stunden dieser Gnade stehe. 
K. A. Schimmelpfeng.
        

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