Full text: Hessenland (37.1925)

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Jahre 768 werden die ersten Hopfengärten erwähnt. Die 
Mönche in den Klöstern brauten das erste Bier. Früher 
hatte jede Stadt und fast jedes Dorf eine Brauerei. Tie 
Bürger und Bauern brauten sich ein dünnes, obergäriges 
Bier, das als durststillender Haustrunk sehr beliebt war, 
Kofent genannt, selbst. Die Stadt Eschwege hatte 
3 Brauhäuser, eins aw der Wendischen Mark — daran 
erinnert heute noch der Straßenname „Am Brauhaus"—, 
eins unter dem Berge und eins in der Neustadt. Esch 
wege hatte früher aus dem Verkauf und Ausschank von 
Bier, Wein und Branntwein eine so ansehnliche Ein 
nahme, daß es davon fast alle städtischen Ausgaben decken 
konnte. Heute treffen wir die Hopfenpflanzung nur noch 
verwildert an Hecken und Zäunen. Doch die Flurnamen 
„Hopfengarten", „Hopfenfeld", „Hopfenacker" oder 
„Hopfental" erinnern noch an diese wichtrge Kultur 
pflanze. Auch die Eschweger Feldflur „Hopfenberg", das 
Feld südlich der Dünzebacher Straße, weist in die Ver 
gangenheit zurück. Reicher Beifall dankte Lehrer Bier- 
ivirth für seine tiefgründigen, interessanten Ausführungen. 
Am 25. März hielt die kürzlich ins Leben getretene 
Ortsgruppe Bad S a l z s ch l i r f des Fuldaer Geschichts 
vereins ihren ersten Vortragsabend ab. Professor Or. 
Bonder au führtä seine Zuhörer an Hand von Photo 
graphien und einigen Originalbronzen in das Gebiet der 
Prähistorie ein. Mit steigender Spannung hörte die 
Versammlung dem Redner zu, der es meisterhaft ver- 
stand, ein farbenfrohes Kulturbild unserer vorgeschicht 
lichen Ahnen zu entwerfen. 
Der Ausflug des Marburger Vereins am 4. April 
wurde veranlaßt durch die vor kurzem unter Leitung 
von Geheimrat Professor vr. K ü ch am Elisabeth- 
brunnen vorgenommenen Ausgrabungen. Oberhalb des 
Brunnenhauses waren die Umfassungsmauern der Heilig 
kreuzquelle freigelegt, die besichtigt werden konnten. 
Geheimrat Küch berichtete an Ort und Stelle über das 
Ergebnis der Grabung und die Geschichte der Kapelle, 
die erst nach der Reformation mit der heute noch leben 
digen Sage der hl. Elisabeth in Verbindung gebracht 
worden zu sein scheint. Die urkundliche Überlieferung 
weiß im Mittelalter nur von einer Kreuzkapelle, die auch 
als Wallfahrtsziel bekannt war. Ein Inventar der 
Kapelle aus dem Jahre 1524 hat sich erhalten. Näheres 
soll mitgeteilt werden, sobald die Nachgrabungen fort 
gesetzt und abgeschlossen sind. Auf dem Rückiveg wurde 
noch das vorgeschichtliche Hügelgräberfeld nördlich der 
Schröcker Landstraße aufgesucht. 
Gesellschaft für Familienkunde in Kur 
hessen und Waldeck. Die Gesellschaft hat satzungs 
gemäß 'in diesem Jahre monatlich zwei Versammlungen 
abgehalten. Die Versammlungen finden an jedem 2. und 
4. Dienstag im Monat um 8.15 Uhr abends in Kassel, 
Bierhaus „Zeppelin", Hohenzollernstraße 26, statt. Die 
Tätigkeit der Gesellschaft hat sich bisher im wesent- 
lichen daraus beschränken müssen, Anfragen familien- 
kundlichen Inhalts zu beantworten, an größere selbständige 
Arbeiten hat sie noch nicht herantreten können. Natur 
gemäß hat die junge Gesellschaft zunächst noch viel mit 
dem inneren Ausbau zu tun, doch steht zu hoffen, dem 
nächst auch weitergehende allgemeine Arbeiten in An 
griff nehmen zu können. Zur Bereicherung ihrer Bib 
liothek ist es erfreulicherweise der Gesellschaft gelungen, 
mit allen bedeutenderen familienkundlichen Vereinen 
Deutschlands in Zeitschriftenaustausch zu treten. Ferner 
ist die Gesellschaft dazu übergegangen, die Versammlungs 
abende durch kleine Vorträge zu beleben. So fand der 
erste derartige Vortrag am 24. Februar dieses Jahres 
statt. Direktor Hanns Albert E ck st e i n sprach über 
„das Wappenwesen in Verbindung mit 
F a m i l i e n s o r s ch u n g". Der Vortragende führte 
aus, daß das Wappenwesen untrennbar mit der Familien 
geschichtsforschung verbunden sei; böten aufgefundene 
Wappen zur Zeit der Unstetigkeit der Familiennamen 
unschätzbare Mittel, Verbindungen in der Vorsahrenkette 
herzustellen, so wären sie, wie früher, jetzt ganz besonders 
das Symbol für das Zusammengehörigkeitsgefühl eines 
Familienstammes. Im weiteren folgten dann hoch 
interessante Ausführungen über das Wappenwesen selbst, 
sowohl über die Entwicklungsgeschichte, als auch über 
das Wappenrecht und die Wappenkunst. Nach einer 
scharf umrissenen Erklärung des Begriffes vom Wappen 
überhaupt folgten au Hand von viel Anschauungsmaterial 
Erläuterungen über die Entwicklung der Wappen, die 
sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Ger 
manentums zieht; das Wappenwesen sei eine nur dem 
germanischen Volkstum eigene Einrichtung, das Wappen 
eine fast heilig gehaltene Verkörperung germanischen 
Ehrbegriffs. Die farbige Bemalung der Schilde, von 
der bereits Tacitus in seiner Germania berichte, habe sich 
allmählich in ein System der Zweckmäßigkeit ausgebildet, 
auf dem die heraldische Grundregel zur Schaffung kon 
trastreicher Schildbilder fuße. Bezüglich des Rechtes zum 
Führen von Familienwappen lvurde ausgeführt, daß 
dieses nicht, wie in der breiteren Allgemeinheit oft an 
genommen wird, ein Vorrecht des Adels sei, sondern daß 
vielmehr jeder freie Deutsche dazu berechtigt sei; zur Zeit 
der lebenden Heraldik habe der freie Bauer, wie auch der 
Bürger in den aufblühenden Städten sein Wappen ge- 
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