Full text: Hessenland (37.1925)

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ist. Auch auf seine» Bruder Gustav ging diese Jesuiten 
antipathie über, und er war später als Kardinal in Rom 
immer ihr Gegner." Außer diesen Angaben ist leider 
nicht viel über den Aufenthalt des Fürsten Chlodwig zu 
Rotenburg gesagt, bis auf eine kleine Stelle, die auch 
hier noch stehen möge (Seite 86 ): „An die Zeit, die 
mein Vater in seinen Knabenjahren am Hofe des Land 
grafen zugebracht hat, erinnerte er sich noch in seinen 
alten Tagen mit Vergnügen und wußte mir manches 
scherzhafte Detail von damals zu erzählen. Der Land 
graf, der eine Vorliebe für die beiden Buben gehabt zu 
haben scheint, ließ sie in demselben Zimmer wie er selbst 
schlafen. Wenn sie nun seinen Schlaf durch zu lautes 
Schnarchen störten, dann kam es vor, daß er ihnen einen 
Pantoffel auf das Bett warf. Eine eigentümliche Ge 
wohnheit des Knaben, daß er nämlich eine große Vor 
liebe für Blindschleichen und die Gewohnheit hatte, solche 
Schlangen bei sich im Bett zu haben, scheint merk- 
würdigerweise den Landgrafen nicht gestört zu haben." 
Mit diesen kleinen Augenblicksbildchen, die leider das 
Einzige sind, was Hessisches in dem Buche zu finden, 
so interessant es auch sonst ist, müssen wir uns leider 
genügen lassen. B. J. 
Vom Stadtbau. Über den S t a d t b a u habe ich 
im „Hessenland" 26. Jahrg. 1912, 5peft 13—16, Eingehen 
des veröffentlicht, so auch namentlich über die Kasematten 
unter diesem Gebäude. Hierbei habe ich auch die frühere 
Geschoßeinteilung, abweichend von der uns als bekannt 
überlieferten, festgestellt und auf die verschütteten — hinter 
den Kasematten vermauerten — Keller hingewiesen. Diese 
lagen früher entsprechen^ der verlängerten natürlichen 
Gefällinie der unteren Marktgasse (Altmarkt und Brücken 
zufahrtstraße sind später aufgefüllt worden) in der Höhe 
des Kasemattenfußbodens und wenig über dem Niveau der 
Schlagd. Was wir als Keller kannten, war das alte Erd 
geschoß, das nach meinem Dafürhalten dem vor 1104 be 
standenen ältesten städtischen Bau angehörte. Ich besitze 
noch unveröffentlichte Aufzeichnungen über Funde und 
Beobachtungen, die diese meine Annahme von dem Vor 
handensein eines romanischen Bauwerkes an dieser Stelle 
stützen. Der Umstand aber, daß wir es hier mit dem ältesten 
städtischen Gebäude zu tun haben und daß das vermauerte 
Aus Heimat und Fremde. 
H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. M a r b u r g: Ter Direk 
tor des orientalischen und indogermanischen Seminars 
Professor Br. Hans O e r t e l hat einen Ruf als Nach 
folger des Geh. Hofrats Geiger in München angenommen. 
— Oberbürgermeister Dr. jur. h. c. Voigt wurde zum 
Vorsitzenden des Volkswirtschaftlichen Prüfungsamtes bei 
der Universität ernannt. — Der Privatdozent für Neues 
Testament Die. theol. Wilhelm Mundle wurde zum 
a. o. Professor ernannt.— Am 26. März beging der 
Altmeister der geologischen Wissenschaft und frühere lang 
jährige Direktor unseres geologischen Instituts Geheim 
rat Professor Br. Emanuel 51 a y s e r in München seinen 
80. Geburtstag. — Gleichfalls den 80. Geburtstag beging 
am 5. April der zu Marburg im Ruhestand lebende Pro 
fessor an der Universität Greifswald, Geh. Regierungs 
rat Br. Edmund Stengel, der Nestor seiner Fakul 
tät und der romanischen Philologie in Deutschland. Sten 
gel, weit bekannt als Forscher auf dem Gebiet der äl 
teren französischen Sprache und Literatur und Bahn 
brecher der sozialen Stellung des höheren Lehrerstandes, 
wirkte seit 1873 in Marburg und seit 1896 in Greifs 
wald; er gehörte 1907—12 dem deutschen Reichstag an 
oder verschüttete Kellergeschoß unbedingt vorhanden sein 
müßte, legt mir die Vermutung nahe, daß in ihm viel 
leicht wertvolle Gegenstände des städtischen Besitzes ver 
borgen sein könnte n. Denn der Verbleib des städtischen 
Ratssilbers ist m. W. ebensowenig aufgeklärt wie die Be 
hauptung, daß während der Franzosenherrschast zu Beginu 
des 19. Jahrhunderts ein erheblicher Teil des Stadw 
archivs vernichtet sein soll. Es liegt doch zum mindesten 
die Möglichkeit vor, daß man die wichtigsten Dokumente 
bei Anmarsch der französischen Besatzungstruppen, d. h. 
also erheblich früher, schon in Sicherheit brachte^ Dafür 
gibt es in der Kasseler und hessischen Geschichte mehrere 
Beispiele. Seit dem Abbruch im Jahre 1909 habe ich 
das Abbruchsgelände nicht mehr besucht; damals hätte ich 
die von mir vermutete Stelle der Vermauerung des alten 
Kellergeschosses den Herren zeigen können. Ich weiß 
nicht, ob dieses heute noch möglich ist, glaube es aber, 
trotzdem die inzwischen auf dem Gelände vorgenommenen 
Veränderungen mir nicht bekannt sinv. Jedenfalls er 
kläre ich mich zur Teilnahme an einer örtlichen Besich 
tigung, zu der ich zweckmäßigerweise den Bezirkskonser 
vator, Herrn Baurat Br. Holtmeyer, hinzuzuziehen bäte, 
und zur nähereu Begründung meiner Annahme bei dieser 
Gelegenheit gern bereit. F. Stück. 
„ S ch o n g e r ". Als ich heute im „Hessenland" 
(S. 102 ) den Namen S ch o n g e r las, fiel mir eine 
lustige Geschichte ein, die mir vor vielen Jahren mein 
anekdotenreicher Marburger Musiklehrer Heinrich 
Günther erzählt hat. — Der Name Schonger (in 
Hessen Schoncher) ausgesprochen) galt Mindergebildeten 
als ausländischen Ursprungs, sie hörten ihn als Schoncher 
aussprechen, dachten aber etwa, er werde Chogner oder 
sonstwie eigenartig geschrieben. Nun kam eines Tages 
ein Postbote zu Schonger und wollte eine Postsendung 
abgeben, die an Herrn Instrumentenmacher Leschhorn 
gerichtet war. Schonger lehnte den Empfang ab mit den 
Worten: „Es steht doch ganz deutlich darauf, daß sie 
an Leschhorn ist." Da erwiderte der Postbote: „Ja, ich 
weiß schon: Leschhorn wird's geschrieben, aber Schon 
ger wird's ausgesprochen." — 
Leipzig. P. W. 
unö ist Ehrenbürger der Stadt Greifswald. — Gießen: 
Der ord. Professor der systematischen Theologie D. Br. 
Emil Walter Maße r wurde auf sein Nachsuchen in 
den Ruhestand versetzt. — Professor Br. Hans Peter- 
s e n hat den Ruf aus den Lehrstuhl der Anatomie an der 
Universität Würzburg angenommen.— Der ord. Honorar 
professor der Hygiene Br. meä. et pbil. Hermann 
Griesbach feierte am 9. April seinen 70. Geburts 
tag. — Würzburg: Dem ord. Professor des Straf 
rechts und Strafprozeßrechts Br. jur. Friedrich Oet 
ker wurde der Titel Geheimer Rat verliehen. — Ber 
lin: Der Oberverwaltungsgerichtsrat a. o. Professor an 
der juristischen Fakultät Br. jur. Hermann Fürstenau, 
geb. Marburger, wurde zum Senatspräsidcnten des Ober 
verwaltungsgerichts. ernannt. 
Person alchronik. Zu Ehrenbürgern wur 
den ernannt der Führer der evangelischen Landeskirche 
in Hessen-Kassel, Landesoberpsarrer Generalsuperintendent 
D. Möller in Kassel von seiner Vaterstadt Neukirchen, 
Kreis Ziegenhain, der Regierungsrat a. D. Bruno 
v. Waldhausen von der Stadt Gersfeld und der
        

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