Full text: Hessenland (37.1925)

„solange dieße waschen daselbst int Umgänge 
„seyn werden damit zu contimiir6n, und 
„sothane außgabe alß Insgemein zu be- 
„rechnen. 
„Datum Cassell den 27. July 1719 
„fürstl. heßisches Bergraths OollsAiuni 
„daselbst."^ 
Die direkte Aufsicht über den Eisenhandel war 
durch Ausschreiben vom 23. Januar 1679 4 
dem Rentmeister in Borken übertragen. Hier 
nach sollten auf das Amt jährlich vierzig 
Wagen Eisen entfallen, und die in dem Amte 
liegenden Dorfschaften, seien es herrschaftliche 
oder adelige, sowie die Schmiede und die 
jenigen Juden, denen der Eisenhandel ge- 
3 Aus ungedruckten Akten im Besitz des Herrn Okono- 
mierats Neutze in Großenenglis, die mir freundlichst zur 
Verfügung gestellt waren. 
* Vergl. Hess. Landesordn. III. S. .106. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Hessisches bei Alexander Hohenlohe. In 
dem Erinnerungsbuche des am 17. Mai 1924 zu Baden 
weiler aus dem Leben geschiedenen Prinzen Alexander 
zu Hohenlohe, Sohnes des Reichskanzlers Fürsten 
Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, „A u s meinem 
Leben" (Frankfurt a. M. 1925) finden sich auch einige 
Zeilen, die Hessisches berühren. Und zwar dort, wo er 
von seinem Vater, dem erwähnten Reichskanzler, spricht, 
den wir Hessen in gewissem Sinne als unsern Lands 
mann ansprechen dürfen. Es heißt dort (Seite 8 ff.): 
. . am 31. März 1819 wurde mein Vater in dem 
abseits von den großen europäischen Straßen gelegenen 
Schlosse Rothenburg in Hessen geboren, wo da 
mals der Landgraf von Hessen-Rothen 
burg residierte, einer der vielen kleinen Duodezfürsten, 
die der Wiener Kongreß übrig gelassen hatte." Hier 
muß man allerdings eine kleine Korrektur einschalten. 
Die Rotenburger Quart war nur der Besitz einer apana- 
gierten Seitenlinie, die aus der zweiten Ehe des Land 
grafen Moritz stammte, es war nicht eine selbständige 
Reichsstandschaft, wie z. B. Hessen-Homburg, sondern das 
Land unterstand der regierenden Hauptlinie zu Kassel. — 
Es heißt dann weiter (Seite 82): „Daß er in dem 
Schlosse Rothenburg geboren ward, hat einen besonderen 
Grund gehabt. Der Landgraf war Witwer. Seine Frau 
>var die Schwester meiner Großmutter, einer geborenen 
Hohenlohe-Langenburg, gewesen, und da sie, früh verstor 
ben, ihrem Gatten keine Kinder hinterlassen hatte, so ver 
anlaßte er seine Schwägerin, meine Großmutter, mit ihren 
Kindern so oft wie möglich längeren Aufenthalt bei ihm 
zu nehmen. Der Landgraf gewann seine beiden ältesten 
Neffen Viktor (den späteren Herzog von Ratibor) und 
Chlodwig so lieb, daß er sie adoptierte und zu seinen 
Erben einsetzte. Die Adoption der Hohenlohe durch dcu 
sehr reichen Landgrafen rief natürlich viel Neid und Miß 
gunst hervor. Die Gegner aber wagten nach dem Tode der 
Landgräfin, die die Adoption der Söhne ihrer Schwester 
durchgesetzt hatte, nicht vorzugehen. Diese Gegner bestanden 
aus den Agnaten des Hauses Hessen, deren späterer Pro 
stattet war, hatten diese Menge abzunehmen 
und zu vertreiben? 
Da das Bergwerk später keine große Aus 
beute mehr lieferte und Gewinn daraus nicht 
mehr gezogen werden konnte, ging es gegen 
Ende des 18. Jahrhunderts ein. 
6 Vergl. hierzu auch die Ausschreiben und Verord 
nungen vom 5. März 1619 und vom 12 . Juli 1669 
(Hess. Landesordn. I S. 607 und II S. 645). 
Wasser des Frühlings. 
Wasser des Frühlings! 
Kind der erwachenden Erde! 
Aus jeder Öffnung der Felder und Wiesen 
Hör ich Dein fröhlich lachendes Glucksen, 
Höre Dein emsig bescheidenes Singen 
Don Deiner Mutter, der Erde 
Und Deinem Vater, dem Licht! 
K. A. Schimmelpfeng. 
zeß abgewiesen wurde, und aus der ultramontanen Partei, 
die immer gehofft hatte, daß nach dem Tode des kinder 
losen Landgrafen das „geraubte" beträchtliche Kirchengut, 
die weltberühmte tausendjährige Abtei Corvey in West 
falen und die Abtei Randen in Schlesien, der Kirche 
zurückerstattet würde. Der verwitwete Landgraf wurde um 
garnt und setzte plötzlich die Welt in Erstaunen durch die 
Schließung einer zweiten Ehe auf seine alten Tage mit einer 
jungen Prinzessin Salm, die als Werkzeug der Jesu 
it e n im hohenlohischen Lager galt. Doch starb der Land 
graf bald darauf, und die preußische Regierung wollte eben 
zur Einsetzung der jungen Erben schreiten, als die Land 
gräfin erhärte, sie fühle sich Mutter."— Hier möge zur 
Klarstellung gesagt werden, daß die preußische Regierung 
nur für die Einsetzung in Frage kam, soweit es sich um 
Randen und Corvey handelte, für die hessischen 
Besitzungen kam nur für das reine Allodialvermögen, 
nicht für die „Quart", die Familie Hohenlohe als Erbe 
in Frage. — Der Prinz fährt dann fort: „Wie mir 
mein Vater erzählte, hatte sie u. a., um einen ausfallenden 
Leibesumfang vorzutäuschen, ihr Kleid mit Federkissen 
ausgestopft. Doch ihre Behauptung klang sehr unwahr 
scheinlich, uno man dachte sofort an eine Kindesunter- 
schiebung. Eine Regierungskommission wurde an ihren 
Wohnsitz beordert, mit der Weisung, sie streng zu be 
wachen und die Anstalten zu der Geburt selbst zu leiten." 
— Es ist das jene delikate Aufgabe, die der mit der 
Bewachung des Rotenburger Schlosses beauftragten 
Truppe, zwei Kompagnien Infanterie aus Kassel, die 
heute noch kursierende Bezeichnung der „Flanellwache" 
eintrug. Daß es sich dabei um eine Maßnahme der kur- 
hessischen Regierung handelte, erführt der Leser des 
Hohenloheschen Buches leider nicht. Dort fährt der Be 
richt fort: „Nach einigen Wochen solcher Internierung 
erklärte die Gräfin, sie habe sich in ihren Angaben geirrt. 
So nahm die Komödie ein rasches nüchternes Ende. Qb 
ein Jesuit der Anstifter gewesen, bleibt unaufgeklärt. 
Es.kann sein, daß das Mißtrauen meines Vaters gegen 
die Jesuiten auf dieses Jugenderlebnis zurückzuführen
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.